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ARCHIV - Ein "Helal-Siegel" (auch Halal genannt) ist am 24.06.2014 in Berlin auf einem Wurstprodukt in einem Kühlregal eines türkischen Supermarktes zu sehen. (zu dpa "Verfassungsschutz: Halal-Label lockt Salafisten an" vom 02.05.2017) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Salafisten-Szene

Verfassungsschutz: Halal-Label lockt Salafisten an

Mit Blick auf die Salafisten-Szene in Hessen nimmt der Verfassungsschutz das Umfeld kleinerer Läden ins Visier, die sich auf muslimisches Konsumverhalten spezialisiert haben.

Bei der Suche nach Radikalisierungsorten in der Salafisten-Szene sind die Sicherheitsbehörden rund um Moscheen und Gebetsräume unterwegs. Mittlerweile rückt aber auch das Umfeld kleinerer Läden ins Visier des Verfassungsschutzes, die sich besonders auf muslimisches Konsumverhalten spezialisiert haben. Diese häufig mit dem Aufkleber oder Label "Halal" (erlaubt) werbenden Shops könnten zu einem Szenetreff werden, weil Salafisten besonderen Wert auf den Konsum solcher Produkte legten, sagte der Präsident des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Robert Schäfer, der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden.

Das Angebot dieser Läden reicht nach Angaben der Sicherheitsbehörde von Lebensmitteln, Kleidung und Kinderspielzeug über Hygiene- und Kosmetikprodukte bis hin zu medizinischen Dienstleistungen beispielsweise für das Schröpfen. Vielen Produkten ist gemein, dass sie nur enthalten, was nach islamischem Recht erlaubt ist: Getränke dürfen beispielsweise nicht mit aufputschenden Substanzen versehen sein und Schminke keine Inhaltsstoffe vom Schwein enthalten. Daneben wächst auch die Palette an rituellem Bedarf.

Dabei bestehe die Gefahr, dass Salafisten in den Läden nicht nur als Konsumenten verkehren, sondern diese Örtlichkeiten im Einzelfall zu Treffpunkten der salafistischen Szene entwickelten, erklärte der Verfassungsschutz-Chef. "In solchen Fällen können Szenetreffs entstehen, die wir als mögliche Radikalisierungsräume in den Blick nehmen."

Für Oliver Bertrand vom Forschungszentrum Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität ist dieser Trend keine Überraschung. Die Szene sei beim Anwerben extrem aktiv. Gerade Jugendliche, die alleine in Geschäften unterwegs sind, würden oft angesprochen. Das könne aber auch beim Obsthändler nebenan oder selbst beim Grillen im Park sein.

"In der konkreten Arbeit habe wir noch keine Hinweise auf solche Tendenzen", sagte der Geschäftsführer des Präventionsnetzwerks VPN, Thomas Mücke, der dpa. "Das passt aber genau in das sehr offensive Rekrutierungssystem der Szene." Von den Salafisten würden gezielt Orte aufgesucht, wo sich Leute einer bestimmten Altersklasse aufhalten und möglicherweise sensibel auf ihre Themen reagieren. "Das sehen wir bei Fitnessstudios. Das können aber auch Fußball-Vereine sein", erklärte der Experte.

Für Mücke ist wichtig, auf diese Entwicklung zu reagieren: Die Inhaber und Betreiber von Halal-Läden beispielsweise sollten gezielt darauf angesprochen werden, dass ihre Geschäfte zum Salafisten-Treff werden könnten, forderte er.

Violence Prevention Network ist ein Verbund von Fachkräften, die seit Jahren bundesweit in der Extremismusprävention sowie der Deradikalisierung extremistisch motivierter Gewalttäter tätig sind. Ziel des Präventionsnetzwerks gegen Salafismus ist es, mit jungen Menschen und ihren Angehörigen zusammenzuarbeiten, um eine islamistische Radikalisierung zu verhindern.

Hessenweit werden rund 4150 Menschen vom Verfassungsschutz dem Islamismus zugeordnet, darunter 1650 als Salafisten. Als sogenannte islamistische Gefährder, denen ein Attentat oder eine schwere Gewalttat zugetraut wird, ordnen die Sicherheitsbehörden rund 40 Menschen in Hessen ein. Rund zwei Drittel dieser Personen befinden sich zurzeit im Ausland oder in Haft.

Bundesweit werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes derzeit 616 Menschen als sogenannte islamistische Gefährder eingestuft.

(dpa)

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