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Rettungshelfer im Einsatz. Es kommt oft auf Sekunden an. Im Stau wartende Autofahrer zeigen jedoch oft nur völlige Gleichgültigkeit gegenüber solch lebensbedrohlichen Situationen.

Unfälle

Ersthelfer beklagt Passivität und Gaffen am Unfallort - Ein traumatisches Erlebnis rüttelte ihn auf

Jeder kann zum Unfallopfer werden und ist dann auf Ersthelfer angewiesen. Ein Heuchelheimer versuchte vor Weihnachten, das Leben einer jungen Frau zu retten. Doch einige seien vorbeigefahren, andere hätten nicht geholfen, teils sogar gepöbelt.

Kurz vor Weihnachten ereignete sich zwischen Großen-Linden und Kleinlinden ein tragischer Unfall: Eine 28 Jahre alte Lindenerin erlitt bei einem Unfall schwerste Verletzungen und starb wenig später im Krankenhaus.

Der Vater der verstorbenen jungen Frau brachte die Kraft auf, über einen Vorfall bei dem Unfall zu berichten. Er dankt einem Ersthelfer, der versucht habe, das Leben seiner Tochter zu retten. „Dieser Helfer wurde mehrfach massiv von Menschen angepöbelt, die sich daran störten, dass er seinen Pkw am Unfallort geparkt hatte und helfen wollte. Vielleicht sind diese egoistisch denkenden Autofahrer eines Tages selbst dafür dankbar, wenn sie Hilfe durch rettende Menschen erfahren.“

Ersthelfer: Erlebnis rüttelte ihn auf

Der genannte Ersthelfer muss noch immer schlucken, wenn er die Situation schildert. „Ich war aus Gießen auf dem Weg nach Linden, die Sonne stand recht tief und ich habe gesehen, dass weiter vorne ein Unfall passiert war“, erinnert sich der 37-Jährige. „Es qualmte, überall Trümmer.“ Er stieg aus, dachte nicht daran, sich eine Warnweste anzuziehen, war voller Adrenalin. Mehrere Unfallbeteiligte standen offenbar unter Schock. „Dann habe ich gesehen, dass in dem zerstörten Auto noch jemand liegt.“ Er erinnert sich, dass die schwer verletzte Frau ihn angeschaut habe, aber nicht sprechen konnte.

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„Als ihre Atmung aussetzte, habe ich versucht,mit leichten Klapsen ihren Kreislauf wieder in Schwung  zu bringen. Man kann eigentlich nichts falsch machen. Ich habe sie gnadenlos angelogen und gesagt: Es ist alles okay.“ Als der Rettungswagen nach kurzer Zeit eintraf, half er, die Tür des demolierten Autos zu öffnen, damit die Frau befreit werden konnte, und informierte die professionellen Helfer  über ihren Zustand. Er ging davon aus, dass sie überleben würde.

Was um ihn herum geschehen war, während er um das Leben der jungen Frau kämpfte, realisierte er erst im Nachhinein. „Ich konnte an diesem Abend nicht einschlafen. Erst da ist mir bewusst geworden, wie viele am Unfallort nicht geholfen haben“, erzählt er.

Schnell hatten sich nach dem Unfall Staus in beiden Richtungen gebildet. Der Heuchelheimer erinnert sich an mehrere Autofahrer, die sich auf dem Grünstreifen an der Unfallstelle vorbei gedrängelt haben. „Ich habe Gebrüll aus einigen Autos gehört. Niemand hat sein Warndreieck geopfert oder angeboten zu helfen, einige haben geglotzt.“

Hilfe bei Unfällen: Ignoranz und Anfeindungen gegenüber Rettungskräften

Das sind Geschehnisse, die auch professionelle Rettungskräfte immer häufiger beklagen. Doch es ist nicht nur die Ignoranz, Anfeindungen und Übergriffe auf Sanitäter, Feuerwehrkräfte oder Polizei haben in den vergangenen Jahren zugenommen, bestätigt Polizeisprecher Jörg Reinemer.

Dass Menschen Angst haben, in solch einer Ausnahmesituation etwas Falsches zu tun, kann der Heuchelheimer Ersthelfer noch verstehen, „aber die, die sich noch vorbei gequetscht haben und nur ihre Termine im Kopf hatten . . .“ Ihm fehlen die Worte, er atmet tief durch.

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Auf Facebook ist der junge Mann normalerweise kaum aktiv. Doch es war ihm ein Bedürfnis, seine Erfahrung dort mitzuteilen. Er bekam darauf viele Dutzend Rückmeldungen, „teils Ärger, teils Traurigkeit“. So wurde auch die Familie des Unfallopfers auf ihn aufmerksam und nahm Kontakt auf. Erst dadurch erfuhr der Helfer, dass die junge Frau gestorben war. Er war auch auf ihrer Beerdigung, „aber beim Kondolenzbuch habe ich mich ganz hinten angestellt“. Es geht dem Mann nicht darum, Dank zu ernten oder als Held gesehen zu werden, betont der gebürtige Potsdamer.Er will auf die Situation aufmerksam machen, „und es wäre nicht schlecht, wenn das halbwegs als Appell rüberkommt“.

Ein Appell, im Notfall anzupacken statt wegzuschauen. „Die Leute sollen erfahren, wie viel Ignoranz es gibt. Wir regen uns gern darüber auf, was alles falsch läuft, über den schwachen Zusammenhalt der Gesellschaft. Aber wenn es darum geht, im Kleinen zu helfen, schauen viele einfach weg. Keine Ahnung, was mit den Leuten los ist.“

von JONAS WISSNER

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