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Der Wald ist Erholungsgebiet, aber auch Einnahmequelle für die Städte und Gemeinden.

Waldwirtschaft

Erstmals wollen 21 hessische Kommunen ihr Holz gemeinsam vermarkten

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Sollte es den 21 Bürgermeistern der Kommunen, die sich zu Hessens erster interkommunaler Holzvermarktungsagentur zusammenfinden wollen, gelingen, bis 14. Januar in ihren Parlamenten die Beitrittsbeschlüsse fassen zu lassen, kann die „Holzagentur Taunus“ am 1. März an den Start gehen. Es geht um jährlich 120 000 Festmeter Holz, die gemeinsam vermarktet werden sollen.

Der Knopf ist noch nicht dran, aber man hat Nadel und Faden schon zur Hand: In Weilrod-Riedelbach haben sich am Mittwoch Vertreter der 22 Kommunen aus den Kreisen Hochtaunus, Main-Taunus, Limburg-Weilburg und Wetterau, die sich an der Holzvermarktungsorganisation beteiligen wollen, getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Am 1. März 2019 soll die „Holzagentur Taunus“, wie die GmbH nun offiziell heißen wird, ihre Arbeit aufnehmen. Das setzt voraus, dass die Parlamente der 21 Städte und Gemeinden bis Mitte Januar die Beitrittsbeschlüsse fassen, damit die Bürgermeister den Gesellschaftervertrag am 27. Februar unterschreiben können – vermutlich in Weilrod, wo die Agentur ihren Sitz haben wird, passenderweise im alten Forstamt am Roder Kreisel.

21 Kommunen wollen 121 000 Festmeter (fm) Holz pro Jahr gemeinsam vermarkten, nachdem das Bundeskartellamt dem Landesbetrieb Hessen Forst aus Wettbewerbsgründen untersagt hat, weiter Holz für die Kommunen zu verkaufen. Die Gemeinde Waldems aus dem Rheingau-Taunus-Kreis wollte zunächst auch dabei sein, hat aber zurückgezogen.

Drei Festangestellte

Die beiden größten Anbieter sind Weilrod (15 315 fm) und Butzbach (13 600 fm). Drittgrößter wäre mit 8500 Festmetern und 1450 Hektar Wald Bad Homburg, doch die Kurstadt beteiligt sich derzeit nicht an der Holzagentur – wobei OB Alexander Hetjes (CDU) Interesse an dem Thema bekundet haben soll.

Die Agentur, deren Geschäftszweck es sein wird, als Dienstleister das weiterhin von Hessen Forst oder anderen Unternehmen gefällte und an den Wegrand gerückte Holz zu verkaufen, wird drei Festangestellte haben, 1,5 Förster- sowie 1,5 Geschäftsführerstellen. Die Agentur kann mit einem Landeszuschuss von 300 000 Euro rechnen. Es soll bereits 2019 einen Überschuss geben. Berater gehen davon aus, dass vom Start weg auskömmlich gewirtschaftet werden kann.

Der Betrieb der GmbH finanziert sich über Festmeterpauschalen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich weitere Kommunen anschließen und Gesellschaftsanteile zeichnen, die derzeit bei 1500 Euro pro Kommune liegen. Die Holzagentur liegt mit der Planung in Hessen mit Abstand an der Spitze. Weinbachs Bürgermeister Jörg Lösing (parteilos), der die Idee mit Weilrods Verwaltungschef Esser vorangetrieben hat, sagte, es gebe Anfragen mit dem Ziel, die Blaupausen zu übernehmen.

Vorläufiger Businessplan

Der Gesellschaftervertrag sowie der vorläufige Businessplan wurden am Mittwoch vorgestellt. Darin ist unter anderem geregelt, dass unabhängig von der eingebrachten Fläche alle Teilnehmer das gleiche Stimmrecht haben. Dem Vertreter der Stadt Butzbach, mit 3091 Hektar zweitgrößter Gesellschafter, wäre ein an der eingebrachten Fläche ausgerichtetes Stimmrecht lieber gewesen, um etwa bei der Bestellung von Geschäftsführern mehr Einfluss zu haben als beispielsweise Steinbach mit nur 85 Hektar.

Er konnte sich nicht durchsetzen. Die Kommunen können ihren Einschlag selbst regeln, der Geschäftsführer hat darauf keinen Einfluss, muss aber bei der Verteilung von Überschüssen Beschlüsse der Gesellschafter herbeiführen. Das wäre dann unabdingbar, wenn eine Kommune durch Windwurf oder andere Kalamitäten wie die Borkenkäferplage große Mengen außerplanmäßig anfallenden Holzes vermarkten müsste.

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