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Der erste gewählte hessische Regierungschef Christian Stock (l) und sein Nachfolger Georg August Zinn während der Feierstunde aus Anlaß des aus seinem Amt scheidenden Ministerpräsidenten Stock am 7. Januar 1951. (Zu dpa-Spezial "50 Jahre Hessen"). |

Landtagswahl 2018

Das waren Hessens Ministerpräsidenten

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Am 28. Oktober wählt Hessen einen neuen Ministerpräsidenten. Geht Volker Bouffier in eine dritte Amtszeit oder gibt es einen Wechsel an der Spitze Hessens? Wir haben die Ministerpräsidenten seit 1945 mal genauer unter die Lupe genommen.

Am 28. Oktober wählt Hessen einen neuen Ministerpräsidenten. Geht Volker Bouffier in eine dritte Amtszeit oder gibt es einen Wechsel an der Spitze Hessens? Wir haben die Ministerpräsidenten seit 1945 mal genauer unter die Lupe genommen.

Karl Geiler war Hessens erster Ministerpräsident nach dem zweiten Weltkrieg. Er wurde von der US-amerikanischen Militärregierung eingesetzt, da er eine unbelastete Persönlichkeit war und keiner Partei angehörte. Nach der Landtagswahl in Hessen 1946 drängte sich die SPD an die Macht und wollte Geiler, der sich inhaltlich mehr mit der CDU und der FDP identifizieren konnte, loswerden. Geiler hatte gehofft, als Ministerpräsident einer Großen Koalition im Amt bleiben zu können. Im Dezember 1946 trat Geiler enttäuscht zurück.

Christian Stock wurde Ende 1946 als Nachfolger von Karl Geiler gewählt. Der 62 Jahre alte Stock bildete eine Koalitionsregierung aus SPD und CDU. In seiner Amtszeit ging es darum, den demokratischen Staat aufzubauen und die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen der Bürger Hessens und der vielen Flüchtlinge zu sichern. Gleichzeitig war er intensiv mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland befasst.

Zinn wurde am 14. Dezember 1950 zum damals jüngsten Ministerpräsidenten der Bundesrepublik gewählt. Die wichtigste Aufgabe in seiner ersten Amtszeit war der Wiederaufbau sowie die Integration der Kriegsvertriebenen. 1956 – in seiner zweiten Amtszeit – berief er Fritz Bauer als hessischen Generalstaatsanwalt und trieb so die Aufarbeitung der Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus voran. Zinn trieb zudem den Ausbau des Frankfurter Flughafens zu einem internationalen Großflughafen voran. 1969 trat er nach fast 20 Jahren in seiner fünften Amtszeit als hessischer Ministerpräsident zurück.

Nach dem Rücktritt von Zinn wurde Osswald im Oktober 1969 zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Seine Hauptaufgabe war die Gebietsreform 1972, bei der Landkreise neu strukturiert oder zusammengelegt wurden. Aus 2674 eigenständigen Gemeinden wurden nur noch 421. Neben seinem Amt des Ministerpräsidenten war er Vorsitzender des Verwaltungsrates der Hessischen Landesband (Helaba). Nachdem Details über finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Hessischen Landesband bekannt wurden, geriet er in die Kritik. Am Tag der Bundestagswahl im Oktober 1976 gab er nach Schließung der Wahllokale seinen Rücktritt bekannt. Er übernahm damit die politische Verantwortung für den Helaba-Skandal.

Osswald war aufgrund des zurückgetreten, Börner wurde im Oktober 1976 als sein Nachfolger gewählt. Während seiner Zeit als hessischer Ministerpräsident formten sich die Grünen. Börner war zu Beginn gegen die Grünen, entschloss sich dann aber doch, die Grünen zu tolerieren. Im Oktober 1985 kam dadurch die erste rotgrüne Koalition überhaupt zustande. Im Februar 1987 zerbrach die Koalition allerdings und Börner trat bei den Neuwahlen im April desselben Jahres nicht mehr an.

Frankfurts früherer Oberbürgermeister wurde bei den Neuwahlen im April 1987 Hessens erster christdemokratischer Ministerpräsident. In seine Amtszeit fielen mehrere Skandale, darunter ein ernstzunehmender Störfall im Reaktorblock A des Kernkraftwerks Biblis, den der Betreiber und die zuständigen Behörden über ein Jahr lang zu vertuschen versuchten. Des Weiteren trug sich 1990 die sogenannte Tulpenzwiebelaffäre zu. Wallmann hatte an seinem Privathaus Gartenarbeiten über die Staatskasse finanziert und damit einen großen Imageverlust hinnehmen müssen. Bei den folgenden Landtagswahlen 1991 erreichte die Koalition aus CDU und FDP keine Mehrheit mehr, woraufhin sich Wallmann zurückzog.

Bei den Landtagswahlen 1991 wurde die SPD knapp stärkste Kraft in Hessen vor der CDU. Durch eine Koalition mit den Grünen konnte die SPD eine Regierung bilden und setzte Hans Eichel als Ministerpräsidenten ein. 1995 dann verlor die SPD an Stimmen bei den Landtagswahlen, die rotgrüne Regierung konnte aber aufgrund extremer Zugewinne der Grünen weitermachen. Es war die erste rotgrüne Regierung, die im Amt bestätigt wurde. Bei den Landtagswahlen 1999 musste sich Eichel dann gegen seinen Kontrahenten von der CDU, Roland Koch, geschlagen geben.

Bei der Landtagswahl 1999 verlor die rotgrüne Regierung unter Hans Eichel ihre Mehrheit, woraufhin die CDU unter Kochs Führung die neue Regierung bildete. 2003 bei den Landtagswahlen erreichte die CDU sogar die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag, Koch wurde als Ministerpräsident bestätigt. Bei den Wahlen im Jahr 2008 verlor die CDU dann die absolute Mehrheit und auch in einer Koalition mit der FDP konnte keine ausreichende Mehrheit generiert werden, um eine Regierung bilden zu können. Da in der konstituierenden Sitzung des Landtags im April 2008 und auch in den weiteren Sitzungen kein Ministerpräsident gewählt wurde, führte Koch die Geschäfte geschäftsführend weiter. Bei den vorgezogenen Landtagswahlen 2009 dann konnte Koch mithilfe der FDP eine dritte Amtszeit angehen. 2010 entschloss er sich dann aber überraschend für einen Rückzug aus der Politik und für eine Karriere in der Wirtschaft. Sein Nachfolger wurde der heutige Ministerpräsident Volker Bouffier, der in Kochs drittem Kabinett das Amt des Innenministers übernommen hatte.

Volker Bouffier wurde nach dem Rücktritt von Roland Koch als neuer hessischer Ministerpräsident vom Hessischen Landtag gewählt. Bei den turnusgemäßen Wahlen im September 2013 ging die CDU als Siegerin hervor. Allerdings verlor die schwarz-gelbe Koalition ihre Mehrheit, da die FDP mit genau 5,0 Prozent gerade so in den Landtag einzog. Bouffier führte daraufhin Sondierungsgespräche mit der SPD und den Grünen. Im November unterbreitete er dann den Grünen ein Angebot zu Koalitionsverhandlungen. Es wurde die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland. Seit März 2018 ist Bouffier mit 66 Jahren der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands.

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