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Warntag-Vorbereitungen: Modernisierung der Sirenenstandorte

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Hessen will Sirenenstandorte modernisieren
Eine Sirene ist auf dem Dach des Alten Rathaus in der Ortsmitte von Bad Vilbel angebracht. © Arne Dedert/dpa/Bildarchiv

Beim bundesweiten Warntag vor zwei Jahren gab es auch in Hessen Pannen. Nach dem Hochwasser im Ahrtal wurde der Ruf nach mehr Sirenen noch lauter. Nun wird für bessere Technik und Ausrüstung viel Geld in die Hand genommen.

Wiesbaden - Hessen bereitet sich konzentriert auf den bundesweiten Warntag im September vor. Neben der Weiterentwicklung der Warn-Apps stehen dabei die Modernisierung und der Neubau von Sirenen sowie im Land die Einführung eines neuen Katastrophenschutzalarmsystems über Mobilfunk per SMS im Fokus.

In Hessen gibt es derzeit rund 4500 Sirenen, wie das Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Rund zwei Drittel der Städte und Gemeinden im Land verfügten über Sirenen. Sie könnten von den zentralen Leitstellen der Landkreise und kreisfreien Städte alarmiert werden, sollte Gefahr für die Menschen bestehen. Im Land ist die Warnung der Bevölkerung nach dem hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz eine kommunale Aufgabe. Die Städte und Gemeinden entscheiden, ob Sirenen zur Alarmierung vor Ort eingesetzt werden oder nicht.

Für die Modernisierung der Sirenenstandorte im Land werden laut Ministerium derzeit über 250 Maßnahmen mit mehr als 2,9 Millionen Euro gefördert. Die finanziellen Mittel stammten aus dem Förderprogramm des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Kommunen können noch bis Ende April Förderanträge beim Land dafür stellen. Insgesamt würden die zur Verfügung stehenden Mittel für Hessen 6,4 Millionen Euro betragen.

Sirenenwarnungen sind nach Einschätzung von Innenminister Peter Beuth (CDU) eine wichtige Ergänzung der Möglichkeiten, die Bevölkerung bei Gefahrenlagen zu schützen. Sie seien aber nur ein Baustein für eine effektive Warnung der Menschen. Die Sirene habe den Vorteil, dass gerade nachts die Alarmierung sofort zur Kenntnis genommen wird. Allerdings könnten die Bürger zunächst nicht wissen, wie sie sich konkret verhalten sollten.

Deshalb seien weitere Warnwege so wichtig und sollten bei einer Alarmierung ebenfalls genutzt werden, betonte Beuth. Hessen setze daher zusätzlich auf Warn-Apps wie Hessenwarn, damit gleichzeitig gezielte Handlungsinformationen weitergegeben werden können. Künftig soll es über den Bund mit der Technik Cell Broadcast auch eine Warn-SMS geben, die an alle Menschen geschickt wird, die sich mit einem Mobiltelefon in dem entsprechenden Warnbereich befinden.

Cell Broadcast ermöglicht es den Behörden, allen Handynutzern, die sich gerade in einem bestimmten Gebiet aufhalten, eine Warnung zu schicken. Die Warnung funktioniert auch bei einfachen Handys. Es werden nicht einzelne Rufnummern angesprochen. Die Warnhinweise gelangen auf alle Mobilfunkgeräte, die in der Funkzelle eingebucht sind. Solange die Warnung aufrechterhalten bleibt, werden auch Geräte erreicht, die sich neu einbuchen. Selbst wenn das Handy stumm geschaltet ist, sollen die Warnmeldungen dann zu hören sein.

Die Bundesnetzagentur hat Ende Februar den Weg für die Einführung des Katastrophenschutz-Alarmsystems via Mobilfunk frei gemacht. Die Mobilfunknetzbetreiber müssen danach die Cell-Broadcast-Technologie innerhalb eines Jahres in ihren Netzen einbauen.

Allen Leitstellen in Hessen stehen laut Ministerium zudem Zugänge zum MoWaS-Warnnetz des Bundes und der Länder zur Verfügung, mit dem die überregionalen Warnmedien einschließlich Rundfunk und Fernsehen gemeinsam und schnell adressiert werden können.

In Hessen bestehe flächendeckend ein funktionierendes Warnsystem - analog wie digital, sagte der Präsident des Hessischen Städtetages, Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. „Den Städten ist aber der Ausbau und die Weiterentwicklung der bestehenden Warnsysteme, insbesondere durch die Umsetzung des Sirenenwarnprogramms in Hessen sowie von Cell Broadcast als weiterer Baustein des Warnmittelmixes, sehr wichtig.“ Der Städtetag sei mit dem Land dazu im intensiven Austausch.

Der Landesfeuerwehrverband begrüßt die wieder wachsende Bedeutung von Sirenen zur Warnung der Bevölkerung bei Gefahren. Mitte der 1990er Jahre seien die Sirenen vielfach abgebaut worden, weil man keine Notwendigkeit dafür mehr gesehen hatte, sagte Geschäftsführer Harald Popp der dpa. Mittlerweile werde in den hessischen Kommunen aber wieder nachgerüstet, etwa in Kassel und Frankfurt. „Sirenen sind einfach eine gute Möglichkeit, die Bevölkerung zu warnen.“

Es gebe zwar den Nachteil gegenüber den Warn-Apps, dass die Bevölkerung erstmal nicht wisse, was genau los ist. Die Menschen müssten dann schnell das Radio, den Fernseher oder andere Kommunikationsmittel anstellen, um Informationen zu bekommen. „Es gibt nach wie vor viele Leute, die kein Handy haben“, betonte Popp. „Wir müssen deshalb weiter eine Möglichkeit haben, gerade ältere Menschen zu erreichen und zu warnen.“

Auch die Ereignisse beim Hochwasser im Ahrtal hätten gezeigt, wie wichtig die Warnung der Bevölkerung über Sirenen ist, da es dann immer wieder auch zu Stromausfällen kommen kann. „Dann gibt es keine Chance mehr, das Handy zu laden.“ Ein gesundes Verhältnis aller Möglichkeiten zum Warnen der Bevölkerung mit einem Mix aus Sirenen und den Warn-Apps sowie über die sozialen Medien wie Twitter und Facebook sei daher notwendig, sagte Popp.

Für den bundesweiten Warntag im Herbst zeigte er sich zuversichtlich, dass dieser reibungsloser als vor zwei Jahren stattfinden wird: „Aus dem Ergebnis vor zwei Jahren müsste man gelernt haben.“ Im Herbst 2020 war der Sirenen-Alarm auch in Hessen teilweise ausgeblieben und Warnhinweise auf den Handys nicht angezeigt worden. dpa

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