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Symbol für Halloween: Kürbisgesichter leuchten in einem Garten.

Kirche, Kürbis und Kaufrausch

Warum uns Halloween so fasziniert

Halloween ist inzwischen beliebter als Valentinstag und dem Ostergeschäft dicht auf den Fersen. Warum wir es lieben, uns zu gruseln, und was die Verkaufsschlager im Halloween-Geschäft sind.

Wenn die Tage immer kürzer werden und die Temperaturen sinken, beginnt die Zeit der Geister: Halloween. Die einen laufen kostümiert von Tür zu Tür, um Süßigkeiten einzutreiben. Andere erinnern an die religiösen Ursprünge des Brauches. Sicher ist: An Kürbissen, Skeletten und Geistern kommt man dieser Tage kaum vorbei.

Heute ist Halloween geprägt von Popkultur und Kommerz. Angefangen habe der Brauch aber als katholisches Fest am Vorabend von Allerheiligen, erzählt die Volkskundlerin Dagmar Hänel vom Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland. Im Mittelalter gab es zudem das „Heischen“, bei dem Kinder oder Junggesellen singend von Haus zu Haus gelaufen sind, um Geld oder Essen zu bekommen. „Das ist der Ursprung des Trick-or-Treat-Rituals aus den USA“, sagt die Kulturanthropologin.

Die katholischen Iren brachten das Fest mit der Masseneinwanderung im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten. Als sich das Land zum Einwanderungsland entwickelte, vermischten sich die Kulturen. „Da wurde es zum Kinderfest ohne katholischen Überbau“. Mit den Medien des 20. und 21. Jahrhunderts und den stationierten US-Soldaten nach dem Krieg schwappte Halloween in den 80er Jahren dann zu uns.

Im vergangenen Jahr waren Luther und der Reformationstag in aller Munde, 2018 scheinen wieder eher Geister und Ghoule zu regieren. Die evangelische und katholische Kirche sehen sich aber nicht in Konkurrenz mit Halloween. Zwar sei es schon eine Irritation gewesen, als der Boom vor 20 Jahren so richtig losging, inzwischen habe man sich aber daran gewöhnt, meint Volker Rahn, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. „Ich würde sogar so weit gehen, dass sich Halloween mit dem Reformationstag ergänzt.“ Die Kirche könne die Themen Angst und Tod sehr gut aufgreifen.

Katholiken feiern am 1. November Allerheiligen, einen Tag darauf Allerseelen. Halloween hänge mit diesen beiden christlichen Festen zusammen, sagte Clemens Mann, Sprecher des Bistum Limburg. „Die Gläubigen gedenken an Allerseelen – in diesen Tagen meist mit einem Besuch auf dem Friedhof – ihrer Verstorbenen“. Wer von Tür zu Tür gehen möchte, könne das gerne tun.

Kürbisse haben im Herbst Hochsaison. Kürbissuppe, Kürbiskuchen, Kürbis in Prosecco – Rezepte gibt es viele. Dazu kommen große Zierkürbisse, in die sich zu Halloween gruselige Fratzen schnitzen lassen. „Der Kürbis ist eine Frucht, die sehr zugelegt hat. Das haben die Bauern auch erkannt und bauen auch Halloween-Kürbisse an“, sagt Sprecher Bernd Weber vom hessischen Bauernverband.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bauernverbandes in ganz Deutschland 4478 Hektar Kürbisse angebaut, 235 Hektar davon in Hessen. Das waren deutschlandweit 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Die Getreideanbaufläche betrug 2017 in Hessen 288 000 Hektar.

Für riesige Jack O’Lanterns, wie Kürbislaternen im Englischen heißen, war der trockene Sommer allerdings nicht optimal. „Er braucht viel Wasser, gerade die großen“, sagte Weber. Er rechne mit einem Ernteausfall von bis zu 30 Prozent. Außerdem könnten die Kürbisse etwas kleiner ausfallen, von einer Knappheit würde er aber nicht sprechen.

Kostüme und Scherzartikel, Kürbis und Süßkram – für den Handel ist die Zeit um Halloween seit einigen Jahren besonders wichtig. „Halloween hat mittlerweile einen höheren Stellenwert als der Valentinstag und nähert sich dem Ostergeschäft an“, sagte Michael Kullmann, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen. Der Trend habe sich in den vergangenen vier bis fünf Jahren entwickelt. „Deutschlandweit nimmt der Umsatz um Halloween um 30 bis 40 Prozent zu.“ Hessen liege immer etwas über dem Bundesdurchschnitt.

Eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland unter 1000 Verbrauchern ergab, dass 11 Prozent der Deutschen Halloween-Artikel wie Grusel-Deko, Kostüme oder Lebensmittel kaufen. Zwei Drittel geben dabei bis zu 30 Euro aus. 12 Prozent sogar 50 Euro und mehr.

„Süßes oder Saures?“: Wie jedes Jahr ziehen kostümierte Kinder und Jugendliche von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu sammeln. Wer nichts „Süßes“ hat, dem droht nach dem Halloween-Brauch „Saures“. Die Polizei in Kassel musste im vergangenen Jahr rund ein Dutzend Mal ausrücken, weil die Streiche aus dem Ruder liefen. Dabei sei es um Böllerkrach, Eierwürfe gegen Häuser und Busse, Sachbeschädigungen sowie zwei kleine Brände gegangen.

Die Lust am Gruseln ist tief verankert im Menschen, wie Heike Winter vom Institut für Psychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt sagte. „Wir schütten die üblichen Stresshormone aus, auch wenn wir wissen, dass wir in sicherer Umgebung sind“, erklärte sie. Das mache den Spaß aus – allerdings nur solange es nicht real ist. „Der Genuss ist dann am größten, wenn der Grusel nachlässt und Dopamin ausgeschüttet wird“, sagte sie. Das Gleiche gelte auch für andere intensive Gefühle wie Ekel oder Trauer.

Nach dem 31. Oktober kehrt für die meisten Menschen wieder der Alltag ein. Nicht so bei den Frankfurter Hobby-Geisterjägern „AnDaPaVa“. Die Gruppe von sieben Männern und sechs Frauen sucht nach paranormalen Phänomenen. „Die große Frage ist: Was passiert, wenn wir sterben?“, erzählte Gründer Andreas Schipper.

Gefunden haben er und sein Team nach eigenen Angaben schon so manches unerklärliche Phänomen. „Im vergangenen Jahr habe ich in einem verlassenen Gebäude eine grün-graue Vollkörpererscheinung gesehen“, berichtete Schipper. Zu 80 Prozent seien die Methoden wissenschaftlich, sagte der Hobby-Geisterjäger. Das Team versuche aber auch immer, eine natürliche Ursache zu finden. „Wir nehmen das absolut ernst und gehen an jeden Fall offen heran.“

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