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Wegen Rolle in NS-Zeit: Dr.-Danzebrink-Straße wird umbenannt

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Seit Jahren sorgt die Rolle des früheren Fuldaer Oberbürgermeisters Danzebrink während des Nazi-Regimes für Diskussionsstoff. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen: Eine nach ihm benannte Straße bekommt einen neuen Namen.

Fulda - Die Stadt Fulda will eine Straße umbenennen, die nach dem während der NS-Zeit amtierenden Oberbürgermeister Franz Danzebrink benannt ist. Nach einem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung werde der Magistrat beauftragt, die erforderlichen Schritte zu veranlassen, teilte ein Stadtsprecher am Montagabend mit.

Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen bei der Umbenennung eingebunden werden. Das Porträt Danzebrinks in der Galerie im Fuldaer Stadtschloss soll hingegen an Ort und Stelle belassen, aber um eine Informationstafel ergänzt werden.

Auslöser der Diskussion um das frühere Fuldaer Stadtoberhaupt war ein Artikel der „Fuldaer Zeitung“ aus dem April 2015, der sich mit der Amtsführung Danzebrinks während der NS-Zeit befasste, wie es in der Beschlussvorlage der Stadtverordnetenversammlung hieß.

Nachdem sich eine daraufhin vom Magistrat eingesetzte Expertenkommission auf keine gemeinsame Position hatte einigen können, hatte die Stadt ein Promotionsstipendium zur Erforschung der Arbeit der Stadtverwaltung während der NS-Zeit an Alexander Cramer vergeben, der am Lehrstuhl des Marburger Historikers Prof. Eckard Conze Geschichte studierte. Cramers Studie, die sich mit dem Wirken Danzebrinks auseinander setzte, liegt seit März dieses Jahres vor.

Zwar gehe aus der Arbeit hervor, dass sich eine direkte Beteiligung Danzebrinks an den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in den Quellen nicht nachweisen lasse. Allerdings komme dem damaligen Oberbürgermeister „gerade wegen seiner ursprünglichen Gegnerschaft zur NS-Ideologie eine große regimestabilisierende Bedeutung zu, indem er jene Bevölkerungskreise, die dem NS-Staat kritisch gegenüberstanden, für die neuen Machthaber gewann“, hieß es in der Begründung zu der Beschlussvorlage.

Danzebrink sei 1942 in seinem Amt als Oberbürgermeister durch das NS-Regime bestätigt worden. Aus der Studie ergebe sich auch, dass er über alle Gewaltmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung unterrichtet gewesen sei. Sein Porträt solle an seinem Platz bleiben, „um zu dokumentieren, dass die Zeit von 1930 bis 1945 in der Stadtgeschichte nicht ausgeblendet wird“ - versehen allerdings mit einem erklärenden Hinweis auf seine ambivalente Rolle nach 1933. dpa

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