Verpackungsfreie Läden boomen
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Ein Stoffsäckchen mit Nudeln liegt neben Obst und Gemüse in einem Korb.

Weniger Plastikmüll: Unverpacktes Einkaufen liegt im Trend

Bio, regional und ohne Verpackung - Konsumenten ist eine gute Ökobilanz bei Lebensmitteln immer wichtiger. Nachhaltiges Einkaufen liegt im Trend. Möglich ist das in Unverpackt- und Hofläden sowie auf Märkten.

Kassel/Wiesbaden - Mehr als 409.000 Tonnen Verpackungsmüll sind im Jahr 2019 allein in Hessen angefallen. Viele Konsumenten wollen dem etwas entgegensetzen und nachhaltig einkaufen. Etwa in Unverpackt-Läden, von denen es allein in Hessen laut dem Kasseler Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) aktuell 35 gibt. 24 weitere sind demnach in Planung. „Unsere Kunden wollen den Plastikmüll-Wahnsinn aufhalten und bedarfsgerecht einkaufen“, sagt Bettina Meudt. Im Juli 2016 gründete sie in Wiesbaden mit „Bio-unverpackt Meudt“ den ersten Unverpackt-Laden Hessens.

Zwar sei das Bewusstsein der Konsumenten für nachhaltiges Einkaufen von Jahr zu Jahr gestiegen, sagt sie. Dennoch seien Neukunden oftmals immer noch skeptisch. Zudem habe die Corona-Pandemie Klimaschutz-Themen in den Hintergrund gedrängt.

„In den letzten anderthalb Jahren ist das Thema Verpackungsmüll wieder zweitrangig geworden“, sagt auch Bettina Will, ebenfalls eine Pionierin der Unverpackt-Läden in Hessen. Im Oktober 2016 gründete sie ihr Geschäft in Darmstadt. Inzwischen betreibt sie einen zweiten Laden in der südhessischen Stadt und einen dritten im bayerischen Aschaffenburg. Bewegt habe sie dazu die zunehmende Vermüllung.

Anfangs seien Unverpackt-Läden noch sehr skeptisch beäugt worden, erinnert sie sich. „Aber inzwischen haben sie sich durchgesetzt.“ Das Konzept komme bei Familien, Singles, Alt und Jung gleichermaßen gut an, auch wenn die Masse der Konsumenten ihrer Einschätzung nach „noch nicht so weit ist“. Ihre Kunden hofften, dass man gemeinsam etwas verändern könne.

Auch in der Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Betrieben sei unverpackt gerade ein Riesenthema, sagt laut LLH die Geschäftsstellenleiterin der Vereinigung der Hessischen Direktvermarkter, Christina Well. So auch auf dem Reinhardtshof in Friedrichsdorf im Hochtaunuskreis. „Wir sind zwar kein klassischer Unverpackt-Laden, aber auch wir verzichten wo immer möglich auf das Einschweißen unserer Produkte“, sagt Leiterin Marianne Reinhardt-Pfaff. Ihr sei es sehr wichtig, wo immer möglich Müll zu vermeiden. „Als Landwirtin und Gartenbäuerin arbeite ich schließlich direkt mit der Natur zusammen.“

Bereits 1978 starteten ihre Eltern Veronika und Heinz Reinhardt mit dem Verkauf von Eiern und Milch auf ihrem Hof. Heute bietet der Reinhardtshof eigene Produkte wie Eier, Kartoffeln, Beeren und Schweinefleisch an. Zusätzlich kauft der Betrieb Gemüse und Obst möglichst aus der Region zu. „Unseren Kunden ist wichtig, wo die Ware herkommt, wie sie herangezogen wurde“, meint Reinhardt-Pfaff. Im Mittelpunkt stehe die bewusste Ernährung.

Die Corona-Pandemie hat ihrer Erfahrung nach den Trend zu regionalen Produkten verstärkt. “Die Menschen haben sich in der Zeit zu Hause selbst versorgt und mehr darauf geachtet, wo sie einkaufen.“ Inzwischen werde es wieder etwas ruhiger, etwa weil Kantinen und Gastronomie wieder geöffnet hätten.

Unverpackt, regional und nachhaltig - das finden Konsumenten auch an Hessens Marktständen. Auf dem Erzeugermarkt auf der Frankfurter Konstablerwache beispielsweise, der als erster seiner Art in Hessen 1989 gegründet wurde, bieten etwa 50 Betriebe der Region jeden Donnerstag und Samstag Produkte wie Brot, Gemüse, Fisch oder Käse an. „Viele Marktbesucherinnen und -besucher bringen inzwischen ihre eigenen Beutel und Behältnisse mit. Besonders in den letzten zwei Jahren hat das stark zugenommen“, sagt Feyza Morgül, Geschäftsführerin des Frankfurter Marktvereins laut LLH.

Einige Stände bieten Pfandsysteme an. Marktbesuchende können beispielsweise Gläser für eingemachtes Obst und Gemüse oder Flaschen für Fruchtsäfte kaufen und diese dann nach dem Gebrauch gereinigt zurückgeben. Wer die Stofftasche zum Einkauf vergessen hat, kann sich an den sechs Taschenstationen am Markt kostenfrei bedienen. Dort können auch eigene Tüten oder Taschen für andere hineingelegt werden. „Ziel ist es, ein plastikfreies Kreislaufdenken bei den Kundinnen und Kunden zu stärken“, erläutert Morgül. dpa

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