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Wechselstromzähler: Je langsamer er sich dreht, desto besser für die Energiewende.

Energiewende in Hessen

Weniger Strom ist mehr

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Pilotprojekte sind manchmal hilfreich. In Marburg und Gießen zum Beispiel. Dort sind kürzlich rund die Hälfte der Straßenbeleuchtungen ausgetauscht worden: Alte Birnen raus, neue, energiesparende LED-Lichtpunkte rein. Auch Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) selbst hat dabei mit Hand angelegt und gezeigt, wie einfach so etwas geht – symbolisch natürlich. Die Rechnung geht auf und soll Schule machen. LED-Lampen sind in der Anschaffung zwar teurer als herkömmliche Straßenlaternen, aber sie verbrauchen 60 bis 80 Prozent weniger Strom.

Pilotprojekte sind manchmal hilfreich. In Marburg und Gießen zum Beispiel. Dort sind kürzlich rund die Hälfte der Straßenbeleuchtungen ausgetauscht worden: Alte Birnen raus, neue, energiesparende LED-Lichtpunkte rein. Auch Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne) selbst hat dabei mit Hand angelegt und gezeigt, wie einfach so etwas geht – symbolisch natürlich. Die Rechnung geht auf und soll Schule machen. LED-Lampen sind in der Anschaffung zwar teurer als herkömmliche Straßenlaternen, aber sie verbrauchen 60 bis 80 Prozent weniger Strom.

In Marburg und Gießen sollen die Erwartungen sogar noch übertroffen worden sein. Dort wird so viel Energie eingespart, dass die Lampen in der Nacht weiterbrennen dürfen und nicht wie andernorts jede Zweite ausgemacht wird. Vielleicht, so die Idee des Ministers, lassen sich andere Kommunen und Städte ja von diesen Fakten überzeugen. Ganz nebenbei tun sie etwas für die Energiewende.

Hessen hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 bei Stromversorgung und Wärmeerzeugung nur noch erneuerbare Energien zu nutzen. Noch besser aber: „Energie, die nicht verbraucht wird, muss gar nicht erst produziert werden“, sagte Al-Wazir gestern bei der Vorstellung einer „

Energie-Agenda 2015

“.

Der Katalog zählt deshalb zwölf Punkte zum Einsparen von Energie und zur besseren Effizienz auf, nach Worten Al-Wazirs das „umfassendste Landesprogramm zur Energieeffizienz, das es in Hessen je gegeben hat“ und ebenso „ein zentraler Baustein der Energiewende“ wie der Umstieg auf Erneuerbare. Zur Agenda gehört die Förderung eben jener Umrüstung der Straßenbeleuchtungen. 50 000 konventionelle Lampen, rund ein Zehntel aller Lampen in Hessen, sollen nach Vorstellung des Ministers mit LED-Technik versehen werden. 20 Prozent der Kosten werden vom Land übernommen. Rund vier Millionen Euro stehen dafür an Fördermitteln bereit. Insgesamt will das Land für die Agenda in den kommenden vier Jahren 15 Millionen Euro zusätzlich zu den bislang schon vorgesehenen Mitteln zur Energiewende bereitstellen.

Zu den Maßnahmen gehört auch das Angebot an kleine und mittlere Unternehmen, eine kostenlose Energieberatung zu erhalten, kündigte Al-Wazir an. Größere Firmen sollen in Netzwerken kooperieren. Gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern, den hessischen Handwerkskammern und Unternehmerverbänden will man an die Unternehmen herantreten.

Gefördert werden soll auch die energetische Sanierung im Mietwohnungsbau. Daneben auch Pilotprojekte für eine hauseigene Stromversorgung in Mehrfamilienhäusern.

Der erzeugte Strom etwa über die Photovoltaik soll vor Ort direkt von den Mietern genutzt werden. Zum Thema Netzausbau sieht die Agenda die Erforschung neuer Methoden für die unterirdische Verlegung von Kabeln vor.

Am Ende kommt die Windenergie, um die es in der Vergangenheit den meisten Wirbel gab, auch noch am Rande in der Agenda vor. Um Konflikte zu entschärfen, sollen die Mittel für Informationsveranstaltungen aufgestockt werden, heißt es. Außerdem soll ein neuer Preis ausgelobt werden. Mit dem Gründer-Wettbewerb „Energy4Life“ sollen junge Start-ups gefördert werden, die vielversprechende Geschäftsideen im Energiesektor haben.

Die SPD-Opposition findet die einzelnen Maßnahmen zwar prinzipiell gut, bemängelte aber ein fehlendes Gesamtkonzept zur Energiewende. Bei der Windkraft drücke sich Al-Wazir vor dem Konflikt mit dem CDU-Koalitionspartner, kritisierte der Abgeordnete Timon Gremmels. Viele Unions-Abgeordnete torpedierten in ihren Wahlkreisen den Ausbau von Windrädern. Der CDU-Abgeordnete Peter Stephan lobte dagegen Al-Wazirs Agenda als „guten Fahrplan“ für die Energiewende. Dass sich Al-Wazir lieber mit dem Auswechseln von einzelnen Birnchen an Straßenlaternen beschäftige und sich dabei abbilden lasse, anstatt schlüssige Konzepte zur Energiewende vorzulegen, offenbare entweder seine Konzeptlosigkeit oder die Zerstrittenheit von Schwarz-Grün auch bei diesem Thema, urteilte FDP-Mann René Rock.

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