+
In Ober-Mörlen kontrolliert ein Polizist einen LKW-Fahrer auf Alkoholgenuss.

Betrunken auf der Autobahn

Die hessische Polizei hat erneut Lkw-Fahrer auf Alkohol kontrolliert - und wurde wieder fündig

  • schließen

Immer wieder werden Lkw-Fahrer mit zu viel Alkohol im Blut erwischt. Häufig kommen sie aus Osteuropa. Auch bei einer Kontrolle am Sonntagabend gingen der Polizei wieder Alkohol-Sünder ins Netz.

Wetterau - Das Thermometer zeigt gerade einmal zwei Grad plus an. Bei diesem Temperatur machen es sich die Brummi-Fahrer an der Park- und Rastanlage Wetterau-Ost lieber in der warmen Fahrerkabine gemütlich. Doch die Störung ihrer Ruhe lässt nicht lange auf sich warten. Denn am Sonntagabend sind 20 Beamte der hessischen Polizei an der Park- und Raststätte Wetterau-Ost als „Kontrolleure“ unterwegs.

Rund 70 Lkw-Fahrer parken an diesem Abend um 19 Uhr dort und warten auf das Ende des Sonntagfahrverbots, das um 22 Uhr beginnen wird. Doch bevor es wieder hinter das Steuer geht, sind die Polizisten am Zuge. Sie kontrollieren, ob die Fahrer Alkohol getrunken haben. Hat der eine oder andere zu tief ins Glas geschaut, dann wird er von der Polizei erst einmal ausgebremst. Und muss im Anschluss so lange warten, bis er wieder fahrtüchtig ist.

Bereits vergangene Woche gab es eine Alkoholkontrolle mit erschreckendem Ergebnis: Dutzende Lkw-Fahrer sind betrunken auf Hessens Autobahnen unterwegs

Bei betrunkenen Lkw-Fahrer kommt die Wegfahrkralle zum Einsatz

Um hier auf Nummer sicher zu gehen, kommt eine Wegfahrkralle zum Einsatz, die den Lkw am Weiterfahren hindert. Weitere „Methoden“, um betrunkene Fahrer wieder zur Räson zu bringen, ist die vorläufige Einziehung des Führerscheines oder des Zündschlüssels. Bei der Polizei geht man davon aus, dass 0,1 Promille Alkohol pro Stunde abgebaut werden. Das heißt im Klartext: Wird ein Lkw-Fahrer mit 1,5 Promille ertappt, darf er erst nach 15 Stunden seine Fahrt fortsetzen.  Ein paar ermahnende Worte über die Gefährlichkeit von Alkohol am Steuer gibt es übrigens für den betroffenen Fahrer von den Polizeibeamten noch kostenlos dazu.

Ein Polizist zeigt ein Atemalkoholmessgerät

Guido Rehr ist ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen und kennt die Probleme mit den angetrunkenen Lkw-Fahrern. „Leider treffen wir bei solchen Kontrollen immer wieder auf alkoholisierte Fahrer“, sagt er. Dabei sei ein Phänomen festzustellen: Die ertappten Fahrer stammten zum überwiegenden Teil aus osteuropäischen Ländern. „Diese Fahrer sind in der Regel wochen- oder sogar monatelang von ihren Familien getrennt, weil sie auf westeuropäischen Straßen unterwegs sind. Auf großen Rastplätzen verabreden sie sich und trinken dann auch zusammen.“ Bei nicht wenigen sei es dann aber auch der berühmte Schluck zu viel.

In den ersten eineinhalb Stunden der Kontrolle an der Raststätte Wetterau-Ost zeigen sich die Fahrer aber vorbildlich. Wenn diese in den Alkoholtester pusten mussten, dann stand sehr häufig der Wert von „0,0“ auf dem Gerät. Doch am späteren Abend ging den Beamten doch ein Alkoholsünder ins Netz. So wurde ein Brummi-Fahrer mit 1,47 Promille an der Weiterfahrt gehindert.

Spitzenreiter mit 1,92 Promille

Da gingen den Polizeikontrolleuren am Rast- und Parkplatz Wetterau-West noch ganz andere Kaliber ins Netz. Nach rund 40 kontrollierten Fahrzeugen wurden vier Fahrer mit erhöhten Alkoholwerten aus dem Verkehr gezogen. Bei ihnen wurden Promillewerte zwischen 1,3 und 1,92 festgestellt.

Der „Spitzenreiter“ beim Alkoholkonsum war ein Fahrer aus Litauen. „Seine 1,92 Promille hat man ihm auf den ersten Blick nicht angemerkt“, berichtet Polizeisprecherin Sylvia Frech. Da sei für sie ein Zeichen, dass der Mann an den Konsum von Alkohol gewöhnt sei. Der Litauer transportierte übrigens Transporter mit seinem Sattelzug. Am Sonntagabend konnte der Mann aber nicht mehr weiterfahren – eine Wegfahrkralle hinderte ihn daran. Seine Weiterfahrt durfte er erst einen Tag später antreten.

Polizei findet an Kontrollpunkten in ganz Hessen 62 Lkw-Fahrer mit Alkohol im Atem

Doch nicht nur an den beiden Wetterauer Raststätten fanden am Sonntagabend Lkw-Kontrollen statt. In ganz Hessen hat es wieder Alkohol- und Drogenkontrollen bei Lkw-Fahrern gegeben. Insgesamt wurden 688 Fahrer überprüft, die mit ihren Lastwagen entweder an Raststätten standen oder schon auf den Straßen unterwegs waren. Das Ergebnis: 62 Fahrer hatten Alkohol getrunken, 22 von ihnen so viel, dass sie eine Zwangspause einlegen mussten. Bei drei weiteren besteht der Verdacht auf Drogenkonsum.

Kontrollpunkte gab es in Nord-, Mittel-, Ost- und Südhessen. Bei Diemelstadt (Waldeck-Frankenberg) fiel den Kontrolleuren der Polizei der Fahrer eines Gefahrguttransporters auf. Der hatte vor Fahrtantritt laut Atemalkoholtest 2,8 Promille „getankt“– das sei der Spitzenwert der Kontrollaktion. Dem Mann sei verboten worden, in den nächsten Stunden loszufahren. Bei Gefahrguttransporten gilt übrigens die 0,0-Promille-Regelung.

Daran habe sich auch ein anderer Fahrer nicht gehalten. Er war ebenfalls mit seinem Gefahrgut-Laster in Südosthessen unterwegs, als die Polizei ihn kontrollierte. Der Test ergab 0,74 Promille. Statt weiterzufahren musste er mit zur Blutentnahme und eine Sicherheitsleistung von 1000 Euro zahlen. Den Mann erwartet ein Strafverfahren.

Bei den Kontrollen auf Autobahnen und Bundesstraßen seien insgesamt drei Lkw-Fahrer wegen Alkoholkonsums aus dem Verkehr gezogen  worden. Neben dem Gefahrgut-Fahrer traf das auch einen Mann auf der B252 bei Twiste (Waldeck-Frankenberg). Bei ihm stellten die Beamten einen Atemalkoholwert von 1,6 Promille fest. Er durfte nicht weiterfahren – ebenso wie ein Fahrer in Südhessen, der mit 1,32 Promille erwischt wurde.

Dies war bereits die zweite Kontrollaktion der Polizei innerhalb kurzer Zeit. Erst vor einer Woche hatte die Polizei rund 1200 Lkw-Fahrer in Hessen überprüft. Dabei hatten 190 von ihnen Alkohol getrunken, 79 durften nicht weiterfahren. Hintergrund der Kontrollaktionen sind über 380 Unfälle in Hessen in den vergangenen drei Jahren, an denen alkoholisierte Lkw-Fahrer beteiligt waren. Vier Menschen kamen dabei ums Leben, 130 wurden verletzt.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar unseres Redakteurs Dieter Hintermeier:  KOMMENTAR zu Alkohol am Steuer: EU muss den Lkw-Fahrern helfen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare