Die Polizei hat eine private Party in Wetzlar aufgelöst. Danach soll es zu massiven Ausschreitungen gekommen sein.
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Die Polizei hat eine private Party in Wetzlar aufgelöst. Danach soll es zu massiven Ausschreitungen gekommen sein.

Feier eskaliert

Ausschreitungen bei Party mit 500 Gästen in Wetzlar – Festnahmen nach versuchtem Tötungsdelikt

  • VonFlorian Dörr
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  • Alexander Gottschalk
    Alexander Gottschalk
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Eine Party in Wetzlar eskaliert vollends. Die Polizei muss Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen, um sich gegen mutmaßliche Angreifer zu verteidigen. Nun gibt es erste Festnahmen. Ermittelt wird wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Update, 05.11.2021, 12.00 Uhr: Nach der eskalierten Party im Wetzlarer Dillfeld vor wenigen Wochen hat die Polizei zwei Männer aus dem Lahn-Dill-Kreis festgenommen. Es soll sich um zwei polizeibekannte Brüder handeln. Die 22 und 24 Jahre alten Männer wurden in hessische Justizvollzugsanstalten verbracht.

Was war passiert? In der Nacht vom 15. auf den 16 Oktober 2021 hatten in Wetzlar rund 500 Menschen auf einer privaten Party im Dillfeld Wetzlar gefeiert. Am frühen Samstagmorgen (16.10.2021) beendete die Polizei die Veranstaltung. Es kam zu Ausschreitungen: Die Beamten wurden aus der teils aggressiven Menschenmenge heraus mit Flaschen und Steinen beworfen, setzten daraufhin Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Angreifer ein.

Zuvor war am späten Freitagabend (15.10.2021) ein 19-Jähriger aus Gießen beim ärztlichen Bereitschaftsdienst in Wetzlar vorstellig geworden. Er musste eine Stichwunde behandeln lassen. Der Gießener gab gegenüber der Polizei an, eine Feier in einer Party-Location im Dillfeld besucht zu haben. Im Laufe eines Streits mit einer Gruppe von rund zehn Personen sei ihm mit einem Messer in den Rücken gestochen worden.

Wetzlar: Party im Dillfeld eskaliert - Ermittlungen wegen versuchten Tötungsdelikts

Zur Aufarbeitung des Gesamtkomplexes richtete die Polizeidirektion eine 5-köpfige Arbeitsgruppe aus Schutz- und Kriminalpolizisten ein. Im Rahmen der Ermittlungen wurde ein weiteres Opfer der Auseinandersetzung bekannt: Ein ebenfalls 19-Jähriger aus Gießen hatte bei den Streitigkeiten erhebliche Verletzungen am Kopf davongetragen, die operativ behandelt werden mussten. Folge: Die Beamten ermittelten nun zusätzlich in einem versuchten Tötungsdelikt.

Im Zuge der Ermittlungen erhärteten sich Hinweise auf die inzwischen festgenommenen Brüder aus dem Lahn-Dill-Kreis, die offenbar für die Angriffe auf die beiden jungen Männer in Frage kommen. Am Mittwochmorgen (03.11.2021) wurden die beiden Aßlarer von Spezialeinsatzkräften an ihrer Arbeitsstelle in Wetzlar fest.

Die Polizei sucht weitere Zeugen. Bereits feststehende Teilnehmer der Veranstaltung hatten jedoch die Sorgen geäußert, aufgrund möglicher Corona-Verstöße ordnungsrechtlich verfolgt zu werden. Die Ordnungshüter stellten in der Tatnacht im Dillfeld Wetzlar keine Corona-Verstöße einzelner Besucher fest. Diese sind laut Polizei daher nicht Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Zeugen werden dringend gebeten, sich mit der Wetzlarer Polizei unter Tel.: (06441) 918-0 in Verbindung zu setzen. Bei den Beamten heißt es: „Ein vertraulicher Umgang mit sachdienlichen Hinweisen ist grundsätzlich möglich.“

Ausschreitungen bei Party im Dillfeld Wetzlar: Steinwürfe auf Polizeikräfte

Erstmeldung, 18.10.2021, 14.26 Uhr: Ein Großaufgebot der Polizei hat in der Nacht von Freitag auf Samstag (16.10.2021) in Wetzlar eine private Feier mit hunderten Gästen aufgelöst. Das teilte das zuständige Polizeipräsidium Mittelhessen am Montag (18.10.2021) mit. Dem Bericht zufolge soll eine Gruppe Feiernder die Einsatzkräfte mit Flaschen und Steinen beworfen haben. Die Polizei setzte eigenen Angaben nach Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die mutmaßlichen Angreifer ein. Verletzt worden sei bei den Ausschreitungen niemand. Zuvor soll auf der Party im Dillfeld jedoch ein junger Mann eine Stichwunde erlitten haben.

Der 19-Jährige hatte sich am späten Freitagabend (15.10.2021) beim ärztlichen Bereitschaftsdienst in Wetzlar gemeldet, in seinem Rücken ein zwei Zentimeter tiefer Stich. Lebensgefahr habe nicht bestanden, hieß es, der stark alkoholisierte Teenager kam dennoch vorsichtshalber ins Wetzlarer Krankenhaus. Er machte die Ermittlern erstmals auf die Feier im Wetzlarer Dillfeld aufmerksam. Dort habe es einen Streit mit einer Gruppe von etwa zehn Personen gegeben, bei dem ihn ein Unbekannter mit einem Messer verletzt habe, gab der 19-Jährige an. Die Polizei schickte daraufhin vier Streifenwagen in den Nordwesten Wetzlars.

Dillfeld Wetzlar: Großer Polizei von Feiernden attackiert

In einer mietbaren Event-Halle in der Straße „Dillfeld“ war eine private Feier im Gange, für die sich ein anderer 19-Jähriger als verantwortlich meldete. Gegen ihn laufen mittlerweile Ermittlungen, bei denen es um die Frage geht, ob der junge Mann die Party in dieser Form hätte ausrichten dürfen – auch mit Blick auf die Corona-Bestimmungen. Der Polizei sagte der Veranstalter, es hätten ausschließlich geladene Gäste Zutritt gehabt. Am Eingang habe man allerdings Eintritt zahlen müssen, an der Theke seien Getränke verkauft worden, hielten die Uniformierten fest. Im Inneren legte ein DJ auf.

Die Einsatzkräfte schätzen, dass rund 500 Feiernde vor Ort waren. Überwiegend Heranwachsende, viele augenscheinlich stark alkoholisiert, so der O-Ton. Weil der 19-jährige Veranstalter „nicht mehr Herr über die Veranstaltung“ gewesen sei und deren sicheren Verlaufen nicht mehr habe sicherstellen können, erläuterte ein Polizeisprecher, hätten die Beamten angeordnet, die Party zu beenden. Als die Musik ausging, strömten die Feiernden nach draußen. Dabei soll sich ihre Wut über die abgebrochene Veranstaltung gegen die Wetzlarer Streifenpolizisten gewendet haben.

Die Polizei musste sich von der Party in Wetzlar zeitweise zurückziehen und Verstärkung anfordern. (Symbolbild)

Party in Wetzlar eskaliert: Rund 500 Feiernde im Dillfeld

Aggressive Teilnehmer hätten die Beamten teils körperlich angegriffen, hieß es aus dem Polizeipräsidium. Die Uniformierten hätten sich mit Pfefferspray und Schlagstöcken gewehrt, sich dann aber zunächst zurückgezogen, um Verstärkung zu rufen – die kam nicht nur aus dem Lahn-Dill-Kreis, sondern auch aus Gießen, der Wetterau sowie von der Gießener Bundespolizei. Insgesamt waren 17 Polizeistreifen und über 30 Beamte vor Ort. Mit Lautsprecherdurchsagen forderten die Polizisten die Feiernden auf, zu gehen. Ein Großteil soll dieser Aufforderung nachgekommen sein, rund 50 bis 60 Personen sollen die Durchsagen hingegen ignoriert haben.

Die Widerständigen wurden von der Polizei in Richtung eines Wetzlarer Baumarkts abgedrängt. Dabei sollen vereinzelte Flaschen und Steine in Richtung der Einsatzkräfte geflogen sein. Diese griffen erneut zu Pfefferspray und Schlagstock, woraufhin sich die Gruppe aufgelöst habe, so die Mitteilung aus dem Präsidium. Die Polizistinnen und Polizisten seien „bestürzt ob der ihnen entgegengebrachten Gewalt und Aggressivität“ gewesen. Von etwaigen Verletzten ist auf beiden Seiten des Konflikts bislang nichts bekannt.

Wetzlar: Zeugen auch zum Fall mutmaßlicher Messerattacke auf Dillfeld-Party gesucht

Wer die Angreifer waren, weiß die Polizei noch nicht. Die Lage vor Ort sei „unübersichtlich“ gewesen, sagte ein Polizeisprecher gegenüber dieser Zeitung. „Es ist in solchen Situationen oft allein eine Herausforderung, unverletzt herauszukommen.“ So läuft das Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch zunächst gegen Unbekannt. Zwei 17 und 19 Jahre alte Männer kamen zur Ausnüchterung in Polizeigewahrsam. Ob sie mit den mutmaßlichen Angriffen in Verbindung stehen, ist noch nicht geklärt. Die Polizei bittet Zeugen der Ausschreitungen, sich auf der Wache in Wetzlar zu melden.

Eine Zeugensuche läuft auch im Fall der mutmaßlichen Messerattacke, die sich auf der Party im Dillfeld abgespielt haben soll. Der Vorwurf lautet auf gefährliche Körperverletzung. Die Ermittler fragen: Wer hat die Auseinandersetzung zwischen dem 19-Jährigen und der Personengruppe gesehen? Hinweise nimmt die Wetzlarer Polizei unter der Telefonnummer (06441) 9180 entgegen. (ag)

Die Nachricht erinnert entfernt an eskalierte Partys in Gießen.

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