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Anlage für Bioabfall

Abfallwirtschaft

Das wird aus unserem Biomüll

Hessens Entsorgungsbetriebe wandeln tonnenweise Biomüll in Kompost oder Energie um. Ein aufwendiger Prozess - den weggeworfenes Plastik noch erschwert.

Was einmal Kartoffelschale oder Teebeutel war und in der Biotonne gelandet ist, steckt nun in einem dampfenden Komposthaufen. Mehrere dieser Hügelchen erheben sich auf dem Gelände des Humus- und Erdenwerks in Niddatal-Ilbenstadt. Dort wird aus den Bio- und Gartenabfällen der Wetterauer Haushalte Kompost, Flüssigdünger und Strom gewonnen. Hessenweit gibt es solche Anlagen - die vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Sie müssen all das herausfischen, was die Verbraucher falsch sortiert haben.

Zu den häufigen Fremdstoffen in der Biotonne gehören Kunststoffe wie Folien oder Metall wie verlorene Küchenmesser. Und immer wieder die kompostierbaren Kunststoffbeutel, die vielen Entsorgern aber Probleme bereiten. Am besten wäre es natürlich, wenn gar keine Fremdstoffe in der Biotonne landeten, sagt Jürgen Roth, der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Wetterau. „Ist aber utopisch.“ Also appellieren die Kommunen regelmäßig an die Sammelmoral der Bürger, geben Sortiertipps oder führen Kontrollen durch.

Der Schaden ist groß

Die hessischen Haushalte haben zuletzt rund eine halbe Million Tonnen Biomüll gesammelt, Tendenz steigend. Der Anteil der Fremdstoffe im angelieferten Abfall sei zwar gering und liege bei unter einem Prozent, sagt Geschäftsführer Roth über die Situation im Niddataler Werk. Doch dieser sorge allein dort jedes Jahr für einen Schaden von etwa 100 000 Euro. Denn was nicht bio ist, müssen die Anlagenbetreiber aussortieren und das Material kostenpflichtig entsorgen. Ihnen geht zudem „guter“ Abfall verloren, da an den Kunststoffen und Metallen Gemüse- und Obstteile haften, die dann nicht mehr verwertet werden.

Der gute Wille sei bei den Bürgern eigentlich da, sagt Birgit Simon, Sprecherin der Abfallwirtschaft Wetterau. „Die Unwissenheit aber auch.“ Immer wieder stelle man etwa fest, dass der organische Abfall zwar akkurat gesammelt, doch „zigmal verpackt“ weggeworfen werde.

„Wir appellieren immer daran, Papiertüten zu nehmen oder auch eine Lage Zeitungspapier unten in die Tonne zu legen und auf Kunststoffe, egal welcher Art, generell zu verzichten“, betont Roth. Das schließe die biologisch abbaubaren Sammeltüten mit ein. „Die können wir hier im Prozess nicht gebrauchen.“ Sie verrotten einfach nicht schnell genug. Hinzu kommt: „Es sind kompostierbare Tüten, aber nicht vergärbare.“ Genau darauf kommt es aber den Betreibern der Niddataler und ähnlicher Anlagen an: Der Bioabfall soll in einer braunen, warmen Brühe vor sich hingären und dabei Gase entwickeln, die später in Energie umgewandelt werden.

Es gärt zwei Wochen

Wer gar nicht auf eine Kunststofftüte verzichten möchte, könne diese ja fürs Sammeln seines Bioabfalls nutzen, sagt Roth. Aber dann sollte sie über der Biotonne lediglich ausgeschüttet – und separat entsorgt werden. Am Anfang des Prozesses in Niddatal steht eine Maschine, die den Abfall zerkleinert. Auf einem Förderband geht es weiter. Metall wird automatisch aussortiert, ein Sieb trennt grobes von feinem Material, was auch Fremdstoffe herausholt. Dann geht es hinein in einen sogenannten Fermenter, wo der Gärprozess läuft. Ähnlich wie bei einem Hefeteig sei dafür Wärme und eine „Starthilfe“ nötig, erklärt Roth. Also wird die Masse mit dem Gärrest einer vorangegangenen Phase „angeimpft“. Zwei Wochen gärt sie dann vor sich hin.

Ein Speicher sammelt das gewonnene Biogas und wird in zwei Blockheizkraftwerken zur Stromgewinnung genutzt. Die Niddataler Anlage erzeugt nach Betreiberangaben pro Jahr so viel Strom, dass der eigene Bedarf sowie der von etwa 1200 Haushalten gedeckt werden kann. Aus dem Gärrest wird dann Kompost sowie Flüssigdünger hergestellt – die letzte Phase des bis zu zehnwöchigen Prozesses.

Danach können Landwirte oder Hobbygärtner das Material auf ihren Feldern und Beeten auftragen. Der Kompost muss bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und Grenzwerte einhalten – nur dann gibt es das Qualitätssiegel der „Gütegemeinschaft Kompost“. Diese teilt mit, dass der Fremdstoffgehalt nicht immer bei null Prozent liegen könne. Gleichwohl sollten das Produkt so sicher wie möglich sein.

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