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Das Bild der AfD-Fraktion im Bundestag mit Alexander Gauland als Vorsitzendem (rechts unten) zeigt es: Die AfD ist eine ?Männerpartei?.

Politik

Wissenschaftler haben untersucht, aus welchen Milieus die AfD-Parlamentarier stammen

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In einer Studie beschäftigen sich die Parteienforscher Benno Hafeneger und Hannah Jestädt vor der hessischen Landtagswahl mit der „Sozialstruktur“ von AfD-Parlamentariern. Mit interessanten Ergebnissen.

Bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern im nächsten Monat will die AfD auch in diese beiden Landtage einziehen. Die Prognosen für die Rechtspartei liegen wiederholt und stabil bei bis zu 15 Prozent.

Über diese Prognosen hinaus haben jetzt die Marburger Wissenschaftler Benno Hafeneger und Hannah Jestädt eine Studie über die „Sozialstruktur“ der Parlamentarier vorgelegt, die von der AfD ins Rennen um die Landtagswahlen geschickt werden sollen.

Was haben die beiden Wissenschaftler als erstes bei ihren Untersuchungen festgestellt? Die AfD ist eine „Männerpartei“, denn unter den 62 hessischen Kandidaten seien nur sieben „weiblich“.

Beim Thema „Altersspanne“ ist den Parteienexperten aufgefallen, dass sowohl in Hessen als auch in Bayern der Anteil der 50 bis 59-jährigen Kandidaten mit 36 Prozent am höchsten ist. Am zweithäufigsten ist in diesem Alters-Ranking die Gruppe der 60 bis 69-Jährigen vertreten (23 Prozent). Wenige AfD-Kandidaten seien jünger als 30 (8 Prozent) und 40 Jahre (11 Prozent) oder 70 Jahre und älter (4 Prozent). „Das bedeutet, dass die Generationen im mittleren bis höheren Erwachsenenalter dominieren“, bilanziert Hafeneger.

Ihren beruflichen Status geben die Akteure vor allem als „selbstständig“, „freiberuflich“ und in „leitenden Funktionen“ an. Nicht wenige kommen aus den akademischen Disziplinen und Milieus der Naturwissenschaftler, der Ingenieure und der Juristen. Einige Kandidaten haben aber auch kaufmännische Berufe, sind Polizisten und kommen aus Meister- und Handwerkerberufen, zählen die Wissenschaftler auf.

„Diese Berufsstruktur zeigt, dass die Kandidaten durchweg aus unterschiedlichen beruflich-sozialen Milieus und Kulturen der etablierten Mittelschichten kommen und ein eher überdurchschnittliches Einkommen haben“, vermutet Hafeneger.

Auch mit dem Wahlprogramm der AfD haben sich Hafeneger und seine Kollegin Jestädt auseinandergesetzt. Das vorgelegte Wahlprogramm „Hessen. Aber sicher!“ umfasse ein großes Themenspektrum: Es pendele einerseits zwischen mehr sachbezogenen Hinweisen und Vorschlägen unter anderem zu den Bereichen Verkehr, Energie, Wohnen, Wirtschaft, ländlicher Raum, Gesundheit und Sport.

Andererseits werde in den zum „Markenkern“ und zur Imagebildung der AfD gehörenden Themen wie „Familie“, „Innere Sicherheit“, „Einwanderung, Integration und Asyl“ die politisch-ideologische Ausrichtung deutlich und offen formuliert, sagt Hafeneger.

Generell sehe sich die AfD als Kampfansage gegen die „Altparteien“ und definiere sich als Partei von „Recht und Ordnung“ und fordere einen „wehrhaften Staat“. Sie spreche unter anderem von der Gefährdung der „kulturellen Identität“, einer „unvollendeten Demokratie“, und sie will mehr „direkte Demokratie“ (Bürgerbegehren).

Hinsichtlich ihrer Sozialstruktur werde die AfD letztlich getragen von sozialen Gruppen aus der Mitte der Gesellschaft. Hier seien es vor allem unterschiedliche Milieus der Mittelschichten, und dabei seien es vor allem Männer im Alter zwischen 41 und 69 Jahren, die die Partei dominierten.

„Die Daten sind ein weiterer Beleg, dass die AfD auf der Akteursebene keine Partei der kleinen Leute ist und sich aus der sozialen Frage beziehungsweise ökonomischen Motiven speist“, so ein Fazit der Studie.

Bei den Akteuren könnten vielmehr kulturelle Motive und Gefühle des Verlustes der kulturellen Identität, (verfestigte) rechte Weltbilder beziehungsweise Deutungswelten für ihr politisches Verhalten unterstellt werden.

Hinzu kämen Enttäuschungs- und Entfremdungserfahrungen sowie die Ablehnung der Politik der sogenannten „Altparteien“. Hier spiele vor allem die als falsch verstandene Migrations- und Flüchtlingspolitik eine wichtige Rolle. „Gleichzeitig gibt es für viele Akteure ein unmittelbares ökonomisches Motiv, weil Landtags- und Bundestagsmandate immer auch ökonomisch-soziale Karrieremuster, ein gutes Einkommen und Sicherheit bieten“, so Hafeneger.

Die Wahlprogramme in Hessen und Bayern zeigten, dass sich die AfD als „normale und alternative Partei“ präsentieren will, in dem sie vielfältige Themen aufnehme. Dabei werde in der starken Fixierung auf ihre Kernthemen Zuwanderung, Flucht und Asyl, innere Sicherheit, Familie und Gender und mit ihrer typischen AfD-Sprache offen und unmittelbar deutlich, von welchen autoritären, nationalistischen und politischen Politikvorstellungen sie geprägt sei, so die Wissenschaftler.

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