Raumfahrtkoordinator Johann-Dietrich Wörner
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Johann-Dietrich Wörner, damaliger Generaldirektor der ESA, spricht.

Wörner: „Hessen ist aktiver in Raumfahrt, als ich dachte“

Als führender Raumfahrtstandort ist Hessen bislang nicht aufgefallen. Ex-Esa-Chef Johann-Dietrich Wörner sieht jedoch erhebliches Potenzial bei den Firmen und Institutionen im Land.

Wiesbaden - Der hessische Raumfahrtkoordinator Johann-Dietrich Wörner will spätestens Anfang 2022 seine Raumfahrtstrategie für das Land vorlegen. „Wir haben festgestellt, dass es über 40 Firmen in Hessen gibt, die Raumfahrt betreiben“, sagte der ehemalige Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur Esa der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. „Hessen ist viel aktiver in der Raumfahrt, als ich dachte.“

Nun gehe es darum, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen, um die Möglichkeiten für die Raumfahrt aufzuzeigen: „Was kann Raumfahrt alles bewegen? Wo kann Raumfahrt genutzt werden?“ Neben den Firmen spreche er dafür auch mit unterschiedlichen Ministerien sowie etwa dem Landesamt für Umwelt und Naturschutz, erklärte der frühere Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Die hessischen Unternehmen, die bereits in der Raumfahrt tätig sind, seien sehr interessiert an den Gesprächen. „Da rennen wir offene Türen ein.“ Er wolle aber beispielsweise auch Logistik- und Consultingfirmen für seine Vernetzungsstrategie gewinnen, die bislang noch keine Berührungspunkte mit der Raumfahrt hatten, sagte Wörner.

Ziel seiner Tätigkeit als Raumfahrtkoordinator sei jedoch nicht, Gelder für Projekte zu generieren. „Das Land Hessen sollte ein Makler und ein Ermöglicher für die hessischen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen sein - und vielleicht auch ein Kunde“, erklärte der 67-Jährige. „Der hessische Raumfahrtkoordinator ist aber keine Raumfahrtagentur.“ In seiner Strategie, die im Januar als Rohkonzept vorliegen soll, werde er Ziele und Maßnahmen beschreiben sowie auch eine Stärken-Schwächen-Analyse für den Raumfahrtstandort Hessen vorlegen.

Wörner hatte das Amt für die hessische Landesregierung im August übernommen. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte den Experten aufgrund seiner langjährigen Erfahrung sowie als gebürtiger Hesse als Wunschkandidat für diesen Posten bezeichnet.

In Hessen haben mehrere nationale und internationale Institutionen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie ihren Sitz. Dazu zählen das Europäische Raumflugkontrollzentrum Esoc der Europäischen Weltraumorganisation Esa, die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten Eumetsat sowie das Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah). dpa

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