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Eine mit einem Papphaus verkleidete Demonstrantin ist bei einem Protestzug gegen hohe Mieten und Wohnungsmangel durch die Frankfurter Innenstadt auf eine Statur auf dem Gutenberg-Denkmal geklettert. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Mieterbund schlägt Alarm

Die Mieten explodieren: Wohnen ist in Rhein-Main nicht mehr zu bezahlen

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Im Ballungsraum Rhein-Main wird das Wohnen für Normalverdiener immer unerschwinglicher. Mieterbund und Hauseigentümerverband Haus und Grund fordern deshalb den Bau von Dienstwohnungen und Wohngeldzuschüsse.

Frankfurt - Wohnungen sind in den Ballungsräumen knapp und teuer, nicht nur in Frankfurt. Aber in der Metropole ist es besonders schlimm:In Frankfurt steigen die Mieten um jährlich zwei Prozent. Die Mieten sind für viele Arbeitnehmer kaum noch bezahlbar. Um diese Misere wenigstens abzumildern, hat jetzt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit einigen Hotels der Mainmetropole die Initiative ergriffen. Auch im neu errichteten Omniturm sind die Mieten hoch

Die Hotels wollen bald 375 Einzimmerappartements vermieten,  die in einem Wohnheim im Frankfurter Stadtteil Niederrad entstehen sollen. „Das ist ein Angebot für neue Mitarbeiter, die nicht mühsam eine Wohnung in der Stadt suchen können“, sagte Eduard M. Singer, Chef des Dehoga Frankfurt und des Grandhotel Hessischer Hof.

Wohnen in Frankfurt: Die Werkssiedlung kommt im Rhein-Main-Gebiet wieder

50 Millionen Euro investiert der Immobilienentwickler Evan Group in den Umbau des zehnstöckigen Bürobaus aus den 1970er Jahren. Laut Evan Group ist das Projekt für „hochmobile Hotelangestellte mit mittlerem Einkommen“ konzipiert. Dem Unternehmen zufolge ist es bundesweit das erste derartige Wohnheim für Hotelangestellte. Weitere Häuser in anderen Metropolen sind geplant. 

Auch andere Unternehmen in Frankfurt helfen neuen Angestellten bei der Wohnungssuche und bieten Zwischenlösungen. „Früher gab es Werkssiedlungen“, sagt Mark Gellert, Sprecher bei Planungsdezernent Mike Josef (SPD), „heute kommt das wieder.“ In veränderter Form. So drängen vor allem finanzstarke Banken auf den Mietmarkt und buchen kleine Appartements für ihre Mitarbeiter.

50 Quadratmeter kosten in Frankfurt 750 Euro Miete

Eva-Maria Winckelmann, Verbandsdirektorin beim Landesverband Hessen des Deutschen Mieterbundes (DMB) kennt die Wohnungsprobleme in der Rhein-Main-Region zur Genüge. „Erzieherinnen, Polizisten oder Menschen, die in einem Pflegeberuf arbeiten, können die aktuellen Mieten in Frankfurt nur sehr schwer oder gar nicht aufbringen“, sagt Winckelmann. Sie macht das an einem Beispiel deutlich „Für eine Zweizimmerwohnung mit rund 50 Quadratmeter Wohnfläche muss eine Erzieherin mit einer Warmmiete von rund 750 Euro in Frankfurt rechnen“, so die DMB-Direktorin.

Bei diesen Mietpreisen sei klar, dass alleinstehende Arbeitnehmer mit einem mittleren Einkommen von etwa 3000 Euro (brutto) ein Problem damit hätten, solche Wohnungen zu bezahlen.

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Es werden in der Rhein-Main-Region zu wenig Sozialwohnungen gebaut

Neu errichtete Mehrfamilienhäuser sind im Europaviertel nahe des Messegeländes in Frankfurt am Main zu sehen.

Schnelle Lösungen hat auch Winckelmann nicht auf dem Schirm. „Die Verantwortlichen haben das Thema preiswertes Wohnen komplett verschlafen“, so ihre Meinung. Für die DMB-Expertin wäre es generell sinnvoll, wenn die Stadt Frankfurt zum Beispiel preiswerte „Werkswohnungen“ bauen würde. 

Dann könnten sich auch Arbeitnehmer in weniger gut bezahlten Jobs eine Wohnung in Frankfurt leisten. Winckelmann macht in diesem Zusammenhang auch darauf aufmerksam, dass über die Hälfte der Frankfurterinnen und Frankfurter einen Anspruch auf eine geförderte Wohnung hätten. „Und dazu gehören nicht nur Menschen mit einem niedrigen Einkommen“, so die DMB-Expertin. Außerdem hinke auch der Bau von Sozialwohnungen in der Rhein-Main-Region der Nachfrage deutlich hinterher. 

In Frankfurt sollen mehr Dienstwohnungen entstehen

Mit Werks- oder Dienstwohnungen für die Main-Metropole kann sich auch Younes Frank Ehrhardt anfreunden. Der Sprecher von Haus und Grund Hessen weiß, dass Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet, und hier besonders in Frankfurt, aus dem Ruder gelaufen sind. Für die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt sieht er auch die Politik in der Verantwortung. „Dort wurde jahrzehntelang verschlafen, für Wohnungsneubauten zu sorgen“, sagt er. 

Wussten Sie außerdem schon? In Frankfurt gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen, nur wenige sind bekannt. 400 Adressen hat der Mieterbund Höchster Wohnen bislang gesammelt. Aber die Stadt hat keine Handhabe.

Ehrhardt sieht jetzt öffentliche wie auch private Arbeitgeber in der Pflicht, diese Situation zu ändern. Deshalb findet er den Bau von Dienstwohnungen gut. Ehrhardt könnte sich ebenfalls vorstellen, dass die Betroffenen einen Wohngeld-Zuschuss erhalten, damit sie bei der Wohnungssuche konkurrenzfähig seien. „Wer qualifizierte Arbeitnehmer in Frankfurt halten möchte, muss auch etwas für sie tun“, sagt Ehrhardt, der nichts davon hält, wenn den Betroffenen „empfohlen“ wird, ins Umland zu ziehen, weil sich dort günstiger wohnen ließe. „Man sollte keinem Menschen vorschreiben, wo er zu wohnen hat“,  so Ehrhardt.

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