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Rusko Satic, 1988 im ehemaligen Jugoslawien geboren, gehörte zu den YouTubern der ?ersten Stunde? in Deutschland. Nach längerer Pause startete der Kasseler in diesem Jahr sein Comeback.

Interview

Youtuber Rusko Satic über Technik, Selbstvermarktung und die junge Generation

Mit einem YouTuber der „ersten Stunde“, Rusko Satic, sprach unser Reporter Dieter Hintermeier über wichtige Botschaften, Kommerz und die Faszination eines „Fernsehkanals“ für alle.

Herr Satic, verraten Sie uns ihren Lieblings-YouTuber?

RUSKO SATIC: Ich habe keine direkten Lieblings-YouTuber. Es gibt Kanäle, die ich mag und die ich in verschiedenen Stimmungen gerne schaue. „The School of Life“ mag ich gerne, „Ted“ – und ganz frisch habe ich „Mel Robins“ für mich entdeckt. Als starken Kontrast zu diesen eher tiefgründigen Videos schaue ich auch gerne Nintendo-thematisierte Inhalte, da ich einfach ein großer Nintendo-Fan bin.

Was hat sie gereizt, bei YouTube auf „Sendung“ zu gehen?

SATIC: Ich hatte schon immer das Bedürfnis, Menschen zu erreichen. Seitdem ich ein Jugendlicher war, wollte ich der Welt ein gutes Gefühl geben, sie entertainen. Ich wollte schon immer, dass sich Menschen wohlfühlen, wenn sie mich sehen oder hören. Außerdem gab es viele Thematiken, die ich aus unserer Gesellschaft ansprechen wollte. Ich bin einfach der Meinung, dass YouTube einem die besten Chancen gibt, sich selbst visuell, akustisch und auch mit einer Aussage zu verwirklichen.

Was außer einer Vision braucht es, um bei YouTube zu bestehen?

SATIC: Es kommt ganz darauf an, welche Art von Inhalt man auf YouTube veröffentlichen möchte. Für den Anfang wäre eine gute Kamera, ein Mikrofon, ein leistungsfähiger Laptop und auch künstliches Licht von Vorteil. Außerdem braucht man ein Videoschnitt- und -bearbeitungsprogramm, das man natürlich auch beherrschen sollte. So easy wie das fertige Produkt aussieht, ist es nämlich nicht. Es ist alles zeitaufwendig, das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Wie dürfen wir uns einen guten YouTuber vorstellen?

SATIC: Passend zum Inhalt des YouTubers gibt es verschiedene Stärken, die dieser haben sollte. Ich persönlich finde es sehr wichtig, Charisma und eine Aussage zu haben! Wenn wir fasziniert von anderen Menschen sind, dann sind diese meist ausdrucksstark in ihrer Meinung und in ihrem Tun. Außerdem ist ein gewisses technisches und visuelles Know-how von Vorteil.

Ab wann verdienen die Protagonisten Geld mit ihrem Job, oder bestimmt Google als Eigentümer von YouTube die Spielregeln?

SATIC: Sobald man genug Stunden an „Zuschauerzeit“ im Jahr hat, kann man, wenn man will, YouTube-Partner werden. Das bedeutet dann auch, das man für Google arbeitet. Und Google möchte natürlich Produkte an „Dritte“ verkaufen. Ab diesem Moment laufen die Inhalte, die man veröffentlicht, durch „Filter“. Es gibt bestimmte Worte, die man nicht sagen darf, oder bestimmte Thematiken, die nicht für die Google-Partner geeignet sind. Somit verdient man an Videos mal mehr, mal weniger oder gar nichts.

Weg vom Kommerz, hin zu den Visionen. Welche haben Sie?

SATIC: In meinem Fall möchte ich Menschen dazu bewegen, mehr Emotionen zuzulassen. Ich möchte, dass Menschen einige Sachen mehr hinterfragen, und ich will zeigen, dass wir alle Momente haben, in denen es uns nicht super geht, in denen wir unsicher, traurig sind. Ich möchte nicht nur das „perfekte“ Leben von YouTube, Instagram und Co. zeigen. Ich will, dass sich meine Zuschauer stark fühlen, so wie sie in Wirklichkeit sind! Und ich will einfach Menschlichkeit und Liebe schenken. Über Themen sprechen, über die sich nicht jeder traut zu reden. Etwas auf dieser Welt ändern. Das will ich erreichen.

Sie wollen die Welt besser machen, andere lieber Werbung. Was halten Sie von den sogenannten Influencern?

SATIC: Ein Influencer lebt davon, käuflich zu sein! Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die dies als Hauptberuf machen. Die Vorstellung, alle paar Minuten oder Stunden gezwungen zu sein, eine Story zu veröffentlichen, ist nicht einfach. Vor allem, da der Influencer jegliche Art von Natürlichkeit verliert. Es gibt bestimmt Menschen, die das können und wollen – aber genauso gibt es Menschen, die ihren privaten Momente auch wirklich privat leben wollen.

Warum begeistern sich vor allem junge Menschen für YouTube?

SATIC: Ich glaube, meine Generation und auch die danach folgenden Generationen haben die Vorteile dieses Mediums erkannt. Man muss nicht mehr vor dem Fernseher hocken und das konsumieren, was einem die TV-Sender auftischen. Man hat die Wahl. Man kann ganz gezielt nach den Bedürfnissen schauen, die einen in diesem Moment interessieren. So gibt es keine TV-Sender, die den ganzen Tag über einen Teeny-Star berichten, den ganzen Tag über Oldtimer oder vielleicht nur über Schwangerschaften. Doch mit YouTube kannst du genau so etwas den ganzen Tag schauen. So gestaltest du dir deinen Sender, wann immer du willst. Und genau das macht dieses Medium so attraktiv für viele junge Menschen.

Wann ist man zu alt für YouTube?

SATIC: Es gibt kein „zu alt“. Das Einzige, was die ältere Generation davon abhält, YouTube zu nutzen, ist die technische Komponente. Sonst bin ich der Meinung, dass es für jeden etwas auf YouTube gibt, für jedes Hobby oder jede Frage.

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