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Zeugen des Hanau-Anschlags berichten von dramatischen Szenen

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Überlebende und Helfer der rassistischen Attacke von Hanau berichten von Panik und Chaos am Tatabend. Für große Unsicherheit sorgte bei dem Einsatz zusätzlich, dass lange ungewiss war, wo der Täter ist und ob er womöglich zurückkommt.

Wiesbaden - Ein Überlebender des rassistischen Anschlags von Hanau sowie mehrere Polizisten und Helfer haben im hessischen Landtags-Untersuchungsausschuss von teils dramatischen Szenen am Tatabend berichtet. Ein 41-jähriger Zeuge war zu Besuch in einem Kiosk gewesen, der zu den Tatorten zählt. Er habe sich mit einem Sprung hinter die Theke retten können, sagte er als Zeuge im Landtag in Wiesbaden und berichtete, wie neben ihm Opfer starben.

Er sei bis in die frühen Morgenstunden am Tatort geblieben und während dieser Zeit mehrmals von Polizisten nach seinen Personalien gefragt worden, sagte der 41-Jährige. Anschließend sei er zur Polizeistation geschickt worden, um seine Aussage zu machen. Dort habe ihn eine Sozialarbeiterin angesprochen, wie es ihm gehe. Dafür, dass der Tatabend eine Ausnahmesituation gewesen sei, habe die Polizei gute Arbeit gemacht, sagte der Zeuge.

Ein 43-jähriger Deutscher hatte bei dem Anschlag am 19. Februar 2020 neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Der Untersuchungsausschuss soll klären, ob es rund um die Tat Behördenfehler gab. Bei der Sitzung am Montag ging es unter anderem um die Einsatztaktik der Polizei und die Versorgung der Opfer.

Ein Rettungsassistent schilderte, er sei von Passanten bedrängt und auch festgehalten worden. Je mehr Menschen an dem Abend zu dem Tatort gekommen seien, umso aufgeheizter sei die Stimmung gewesen. Als während der Versorgung der Verletzten das Gerücht aufkam, der Täter komme zurück, hätten sich zwei seiner Kolleginnen zu ihrem eigenen Schutz auf den Boden geworfen. Die Eigensicherung gehe für die Retter immer vor, betonte er. Ein 44 Jahre alter Notarzt berichtete, aus seiner Sicht sei der Einsatz der Rettungssanitäter vorbildlich abgelaufen.

Ein Polizist, der als erster an einem der Tatorte war, sprach im Ausschuss davon, zunächst eine völlig unübersichtliche, chaotische Situation vorgefunden zu haben. Seine Aufgabe wäre es als erstes gewesen, die Menschen aus dem Gefahrenbereich zu bringen, sagte der 41-Jährige. Zudem sei zu dem Zeitpunkt unklar gewesen, wo sich der Täter aufhält.

Ein 34-jähriger Polizeioberkommissar, der ebenfalls als erster an einem Tatort war, berichtete von dramatischen Szenen. Noch vor der Ankunft an der Arena-Bar habe eine Frau den Streifenwagen gestoppt. „Die Dame hat meine Tür aufgerissen und nur zusammenhanglose Sachen geschrien“, sagte der Polizist. Er sei dann direkt in die Arena-Bar gegangen und habe bei mehreren Opfern überprüft, ob sie noch leben. „Aber da kam keine Reaktion“, sagte der 34-Jährige.

Auch nach dem Eintreffen der Rettungskräfte sei die Situation weiter unübersichtlich gewesen. „Es war tumultartig, überall waren unfassbar viele Menschen, es war unfassbar viel Geschrei. Um einen herum war nur blanke Panik“, berichtete der Beamte. Er verteidigte die Entscheidung der Polizei, am Tatabend nur wenige Informationen herauszugeben. „Ich wusste ja selber noch nicht, wer verletzt ist. Fehlinformationen finde ich weitaus schlimmer, als keine Informationen“, sagte er. dpa

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