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Zustand der hessischen Wälder ist weiter schlecht

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Hessen Wald
Die Sonne bricht sich zwischen zwei Bäumen im Wald. © Arne Dedert/dpa/Archivbild

Auch 2022 ist ein schwieriges Jahr für den hessischen Wald. Besonders die langen Trockenperioden setzen dem Waldboden zu. Einige Baumarten können sich allerdings auch minimal erholen.

Bärstadt - Die Wälder in Hessen leiden weiter massiv unter den Folgen des Klimawandels. Neun Prozent der Bäume seien stark geschädigt, teilte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Freitag mit. Nahe Bärstadt im Taunus stellte sie den diesjährigen Waldzustandsbericht vor. Neben extremer Witterung seien es auch Käfer und Pilze, die die Bäume zusätzlich belasteten. „Wir brauchen den Wald als CO2-Speicher, und natürlich wollen wir den Wald als Erholungsgebiet haben. Er soll das Wohnzimmer für alle Bürgerinnen und Bürger Hessens bleiben“, sagte Hinz.

In diesem Jahr sei bei manchen Baumarten zwar eine leichte Regeneration zu verzeichnen, die Situation bleibe aber angespannt. „Das kommt aufgrund der Tatsache, dass die Klimakrise uns wirklich fest im Griff hat. Die Sommer werden trockener und heißer. Wir haben nicht mehr genügend Regen. Der Boden ist ab 20 oder 30 Zentimeter knochentrocken“, erklärte Hinz.

Der Sommer 2022 war laut Ministerium der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn 1881. Zudem seien nur knapp 80 Prozent des Niederschlagsolls gefallen. „Dann haben die Wurzeln auch nicht mehr die Möglichkeit, entsprechend viel Feuchtigkeit aufzunehmen, damit die Bäume auch gut wachsen können“, sagte die Umweltministerin. Laut Ulrike Talkner von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt haben sich die starken Schäden an Bäumen über alle Arten hinweg in den vergangenen Jahren verdreifacht. „Das ist dann doch schon ein alarmierendes Zeichen“, sagte Talkner.

Eines der wichtigsten Messmerkmale ist die Kronenverlichtung der Waldbäume, also der sicht- und messbare Nadel- oder Blattverlust. Sie ist über alle Baumarten und Altersgruppen hinweg von 26 auf 28 Prozent gestiegen. Auch bei der jährlichen Absterberate gebe es baumübergreifend einen massiven Anstieg, sagte Talkner. Besonders davon betroffen sei die Fichte. Der Anteil der Baumart habe in den vergangenen Jahren von ungefähr 20 auf 10 Prozent abgenommen. Zudem weise auch die sonst eher robuste Kiefer, die durch ihre Nadeln geschützt ist, zunehmend starke Schäden auf.

Das Sorgenkind des hessischen Waldes ist laut Talkner insgesamt die Rhein-Main-Ebene. „Dort haben wir festgestellt, dass 43 Prozent der Kiefern von Misteln befallen sind“, sagte sie.

Ein wenig Raum für Optimismus gibt es dann doch: Der Anteil der Buchen ist seit 2012 von etwa 20 auf 40 Prozent angestiegen. Da die Buche die Hauptbaumart in Hessen ist, wirkt sich der Anstieg positiv auf den Gesamtzustand des Waldes aus. „Die Buche scheint noch gut mit den Bedingungen zurechtzukommen“, erklärte Talkner. Auch die Eiche, die sonst mit vielen Insekten zu kämpfen hat, zeigt stabile Werte auf.

Um das zunehmende Waldsterben zu verhindern, stehe Klimaschutz derzeit im Fokus. Nur ein stabiles Klima sorge dafür, dass die Bäume nicht weiter geschädigt würden, erklärte Umweltministerin Hinz. Zudem soll der Waldumbau in Richtung Mischwald vorangetrieben werden. „Wichtig ist, dass wir eine Mischung standortgerechter, möglichst heimischer Baumarten dort in den Waldumbau hineinbringen.“

Zusätzlich sollen auch der Wasserrückhalt gestärkt und die waldeigene Verjüngung, also die eigene Vermehrung eines Baumbestandes, unterstützt werden. „Hessen ist das waldreichste Bundesland. Damit das so bleibt, werden wir alles daran setzten, dass der Wald klimastabil bleibt. Auch in Zukunft. Dafür tragen wir die Verantwortung“, sagte Hinz.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald fordert noch mehr Maßnahmen seitens der hessischen Regierung. Im Fokus sollte die Bepflanzung entstandener Freiflächen stehen. Außerdem plädierte der Landesgeschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe für einen Ausbau der der Windenergie auf landwirtschaftlichen Flächen. „Insgesamt müssen alle Anstrengungen intensiviert werden, die für eine Reduktion des weltweiten CO2-Ausstoßes sorgen.“

Der Waldzustandsbericht dokumentiert einen seit 2019 anhaltend schlechten Gesundheitszustand der Wälder. Nicht nur Käfer und Pilzbefall sind Ursachen für die Entwicklung, auch die trockenen Sommermonate wirkten sich negativ auf den Waldboden aus.

Insgesamt stehen 1,8 Milliarden Euro im geplanten Doppelhaushalt 2023/2024 für den Klimaschutz in Hessen bereit, wie die Ministerin mitteilte. Davon sollen für die Wiederbewaldung und den Waldumbau in den Jahren 2023 und 2024 rund 155 Millionen Euro fließen. Auch private und kommunale Waldbesitzer sollen mit 72 Millionen Euro unterstützt werden. dpa

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