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So wie früher sind Ella (Helen Mirren) und ihr Mann John (Donald Sutherland) mit dem Wohnmobil unterwegs. Sie wollen in die Sonne Floridas.

Road-Movie "Das Leuchten der Erinnerung"

Das Alter ist kein Ruhekissen

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In der Romanverfilmung des Italieners Paolo Virzi brechen der Literaturprofessor und seine Frau in ihrem 70er-Jahre-Wohnmobil nach Florida auf.

Der alte Mann mit den schlohweißen Haaren lässt sich mitreißen von der Menge, die amerikanische Papierfähnchen schwenkt. Er freut sich über den Jubel, die optimistischen Gesichter und die Pappschilder, die fordern „Make America Great Again“. Dass er sich auf einer Wahlveranstaltung für Donald Trump befindet, merkt John (Donald Sutherland) gar nicht. Der pensionierte Literaturprofessor hat sein Leben lang die Demokraten gewählt, aber jetzt hat er Alzheimer und all seine politischen Ansichten vergessen. Seine Frau Ella (Helen Mirren) hat alle Mühe, ihn aus der frenetischen Menge herauszuführen und wieder zurück in ihr gemeinsames Leben zu holen, so wie sie es Tag für Tag immer wieder tun muss.

Johns Gedächtnis ist wie die offene See. Ab und zu treiben Erinnerungen vorbei, nach denen er greift, um sie bald wieder davontreiben zu lassen: Die Kinder, seine Studenten, die Nachbarin kommen und verschwinden wieder aus seinem Kopf. Ella und John sind durchgebrannt mit ihrem alten Wohnmobil aus den 70er Jahren. Tochter und Sohn sind deshalb krank vor Sorge, aber die Mutter hat beschlossen, diese Reise an der Küste entlang nach Florida noch ein letztes Mal mit ihrem Mann zu unternehmen, so wie sie es früher immer mit den Kindern getan haben. Sie will noch einmal die Freiheit und Beweglichkeit spüren und in schönen Erinnerungen schwelgen, bevor die alles vernichtende Krankheit gänzlich die Kontrolle über das Eheleben übernimmt. Johns Gedächtnistrainingserfolge bleiben begrenzt, auch wenn Ella Abend für Abend auf dem Campingplatz den Diaprojektor anschließt und Bilder der gemeinsamen Vergangenheit auf ein Bettlaken projiziert.

Nur manchmal hat John plötzliche, helle Momente, in denen kurz alles so ist, wie es früher einmal war, und für kurze Zeit der charmante Ehemann vergangener Tage erstrahlt. Das Vergessen ist so grausam, weil es scheinbar willkürlich auswählt, welche Erinnerungen bleiben, und welche verschwinden. Ellas Jugendliebe bietet für John nach mehr als 50 Jahren plötzlich wieder Grund zu hartnäckiger Eifersucht, während er die eigenen Kinder auf den Bildern nicht wiedererkennt. Staunenden oder gelangweilten Kellnerinnen kann er seitenweise Texte von Ernest Hemingway, James Joyce und Herman Melville rezitieren, aber als er Ella aus dem Auge verliert, fallen ihm gegenüber den Passanten, die ihm bei seiner Suche helfen wollen, nicht einmal die Worte „meine Frau“ ein.

Was bleibt von einer jahrzehntelangen Ehe übrig, wenn das Vergessen einsetzt? Diese Frage stellt der italienische Regisseur Paolo Virzi in seinem Road-Movie „Das Leuchten der Erinnerung“. Virzi gehört mit Filmen wie „Die süße Gier“ und zuletzt „Die Überglücklichen“ zu den talentiertesten Erzählern des italienischen Kinos mit einem genauen Blick für die gesellschaftlichen Zerklüftungen seines Landes. In seinem europäisch finanzierten US-Debüt aber ist von dieser scharfen analytischen Beobachtungsgabe kaum etwas zu spüren. Die Wahlkampfveranstaltung bleibt nur eine Episode, und ganz anders als in den Vorgängerwerken werden die Figuren aus ihrem sozialen Zusammenhang herausgelöst.

Diese Konzentration auf das Private führt jedoch nicht zu einer emotionalen Verdichtung. Zwar zeigt das Drehbuch nach dem Roman von Michael Zadoorian in Details ein gutes Einfühlungsvermögen für den Alzheimer-Ehealltag. Doch bleibt die Handlung in ihren Entwicklungen und den mutlos vorgetragenen Konflikten etwas vorhersehbar.

Innerhalb des gefälligen Settings aber schaut man der Engländerin Helen Mirren („The Queen“) und dem Kanadier Donald Sutherland („Fellinis Casanova“) sehr gerne bei der Arbeit zu. Gut aufeinander eingespielt, agieren die beiden Charakterschauspieler völlig souverän. Nur bekommen sie zu wenig in die Hand, um zu wirklich großer Form auflaufen zu können. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU), Eldorado

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