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"Babbeldasch": Woran das Experiment scheiterte

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Von: Ulrich Feld

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ARD/SWR TATORT, "Babbeldasch", am Sonntag (26.02.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Noch ist alles in Ordnung: Theaterleiterin Sophie Fettèr (Malou Mott) und Regisseur Sascha Werner (Andreas Assanoff) bereiten sich auf die Premiere vor.
© SWR/Martin Furch, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung und bei Nennung "Bild: SWR/Martin Furch" (S2). SWR-Pressestelle/Fotoredaktion, Baden-Baden, Tel: 07221/929-22202, foto@swr.de
ARD/SWR TATORT, "Babbeldasch", am Sonntag (26.02.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Noch ist alles in Ordnung: Theaterleiterin Sophie Fettèr (Malou Mott) und Regisseur Sascha Werner (Andreas Assanoff) bereiten sich auf die Premiere vor. © SWR/Martin Furch, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung und bei Nennung "Bild: SWR/Martin Furch" (S2). SWR-Pressestelle/Fotoredaktion, Baden-Baden, Tel: 07221/929-22202, foto@swr.de © (SWR-Pressestelle/Fotoredaktion)

Bei seinen Filmen arbeitete Ranisch mehrfach mit Schauspieler Peter Trabner zusammen, so auch hier. Die Erwartungen waren darum hoch: Ranisch kann, wenn man ihn lässt. Aber kann er auch "Tatort"? Leider muss man hier sagen: Er hätte gekonnt, wenn ihn jemand gebremst hätte. Ein wenig schräger Humor schadet bestimmt nicht. Aber wenn es zu schräg wird, kippt die Geschichte, bildlich und tatsächlich.

Einen Film zu drehen ohne ausformuliertes Drehbuch, mit Schauspielern, die sich ihre Charaktere selbst entwickeln? Klingt mal wieder revolutionär, ist aber im Filmgeschäft längst ein alter Hut. Schon Regie-Veteran Howard Hawks wollte nicht, dass sich seine Schauspieler genau an ihren Text hielten, sondern lieber etwas freier formulierten – es war ihm wichtig, dass das Gesagte möglichst authentisch rüberkam. Hawks schuf Klassiker wie "Red River" oder "Tote schlafen fest", und nicht wenige Kollegen taten es ihm in der Führung der Schauspieler gleich.

Was einem Hawks recht war, konnte einem Axel Ranisch nur billig sein. Ranisch, der als Schauspieler unter anderem in den Krimis um Kommissar Claudius Zorn dessen unbeholfenen Assistenten Schröder verkörperte, gilt nicht umsonst als Meister in Sachen Improvisation vor und hinter der Kamera. "Dicke Mädchen", "Ich fühl mich Disco" und besonders "Alki Alki" glänzten mit lebensnahen Situationen und Dialogen und einem grotesken Humor.

Ein mörderisches Schoko-Croissant

  Bei seinen Filmen arbeitete Ranisch mehrfach mit Schauspieler Peter Trabner zusammen, so auch hier. Die Erwartungen waren darum hoch: Ranisch kann, wenn man ihn lässt. Aber kann er auch "Tatort"? Leider muss man hier sagen: Er hätte gekonnt, wenn ihn jemand gebremst hätte. Ein wenig schräger Humor schadet bestimmt nicht. Aber wenn es zu schräg wird, kippt die Geschichte, bildlich und tatsächlich.

  Die Zutaten an sich passen: Während eines Theaterbesuchs von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Mundarttheater Babbeldasch (hochdeutsch: Plaudertasche) stirbt Sophie Fettèr (Malou Mott), die Chefin des Theaters, an einem allergischen Schock durch Mohn in einem Schoko-Croissant. Während Odenthals Kollegen die Schauspieler eingehend befragen, knüpft Lena Odenthal Kontakte zu Fettèrs lesbischer Tochter Sarah (Petra Mott) und forscht als Undercover –Fahnderin und vermeintliche Schauspielerin nähere Hintergründe aus.  

Albern bis zur Schmerzgrenze

Eigentlich keine üble Idee für einen Krimi. Es kommen heikle Verwicklungen ans Licht wie ein mögliches Dreiecksverhältnis der toten Theaterchefin und hin und wieder ergeben sich tatsächlich witzige Szenen, wenn Lena Odenthal während eines Verhörs sich verkriechen muss, um gegenüber Schauspielern ihre wahre Identität geheim zu halten. Nur leider übertreibt es Ranisch mit den grotesken Elementen erheblich.

Warum muss Lena Odenthal ständig von der toten Sophie Fettèr träumen, die ihr droht, so lange wiederzukommen, bis  ihre Ermordung aufgeklärt ist? So was ist einfach nur kindisch. Dazu kommt, dass gerade ein Krimi-Kammerspiel in Agatha Christie-Manier wie diese Geschichte hohe Präzision in Sachen Dialog, Timing und Dramaturgie verlangt. Wesentlich mehr jedenfalls als das, was Ranisch früher gedreht hat.

Woran es Ranisch fehlte

Aber genau das können Schauspieler in durchgehend freier Improvisation auch beim besten Willen niemals liefern – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Profis oder Laiendarsteller handelt. Ein guter Krimi verlangt einfach in den entscheidenden Momenten eine gut durchdachte Geschichte und einen Regisseur, der weiß, worauf es ankommt, wenn es mit der Improvisation wirklich klappen soll, und genau daran hat es Ranisch gefehlt.

Und das ist schade, denn der Ausbruch aus ihren üblichen Rollenklischees hat neben Ulrike Folkerts auch Lisa Bitter als Johanna Stern im Grunde richtig gut getan. Und ehrlicherweise muss man auch sagen: "Babbeldasch" ist bei weitem nicht der einzige "Tatort" mit diesem Problem. Man liest, die ARD wolle ein weiteres Mal mit Axel Ranisch zusammenarbeiten: Das nächste Mal mehr Glück und eine straffere Hand, Herr Spielleiter!

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