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Ein Baby-Tausch mit fatalen Folgen

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Von: Martin Schwickert

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Lykke May Andersen und Nikolaj Lie Kaas in »Zweite Chance«.
Lykke May Andersen und Nikolaj Lie Kaas in »Zweite Chance«. © Prokino Filmverleih (Prokino Filmverleih)

Susanne Biers Drama „Zweite Chance“ verzahnt schicksalhaft die Lebensgeschichten zweier junger Ehepaare, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Für Susanne Bier und ihren langjährigen Drehbuchautor Anders Thomas Jensen ist das Kino ein Ort der Beunruhigung. Von „Brothers“ über „Nach der Hochzeit“ bis zu „In einer besseren Welt“ entwickeln ihre Geschichten eine dramatische Dringlichkeit, wie man sie nur selten auf der Leinwand erleben kann. Ihr neuer Film „Zweite Chance“ verzahnt nun schicksalhaft die Lebensgeschichten von zwei grundsätzlich verschiedenen, jungen Elternpaaren miteinander. Die beiden Junkies Tristan (Nikolaj Lie Kaas) und Sanne (Lykke May Andersen) leben in vollkommen verwahrlosten Verhältnissen. Auf dem Boden liegt ein Säugling in seiner vollgekoteten Windel.

Am anderen Ende des sozialen Universums lebt der Polizist Andreas (Nikolaj Coster-Waldau aus „Game of Thrones“) mit seiner Frau Anna (Maria Bonnevie) und dem wenige Wochen alten Sohn. Dann geschieht das Unfassbare. Ihr Baby liegt nachts plötzlich tot in der Wiege, und Andreas fährt zu Tristan und Sanne, um seinen verstorbenen Sohn gegen das lebende Kind einzutauschen. Diese Szenen reißen einem das Herz heraus. Die dramatische Wucht, mit der Bier und Jensen arbeiten, schlägt auch hier wieder mit voller Kraft zu.

Mit dem fatalen Baby-Tausch wird die Schicksalsmühle angeworfen. Während die Väter sich in immer groteskere Formen des Krisenmanagements verrennen, mauern sich die Mütter in Trauer und Selbstvorwürfen ein. Davon erzählen Bier und Jensen in einem atemlosen Modus, der immer wieder neue, hochdramatische Wendungen hervorzaubert, aber dabei zunehmend das empathische Grundgefühl für die Figuren verliert. Allzu selbstgefällig leben die Filmemacher dabei ihren Drang nach Hyperdramatisierung aus. Annehmbar

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