TV-Kritik

"Beck is back": RTL klaut bei "Ein Fall für zwei"

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Der Verzicht darauf, mit aller Gewalt etwas Neues erzählen zu wollen, kann bei der Konzeption einer neuen Reihe von Vorteil sein. In "Beck is back" ist die Hauptfigur Hannes Beck etwa ein fertiger Jurist und Hausmann, der seine Frau, eine Anwältin und Karrierefrau,  bei einem unangemeldeten Besuch in flagranti mit Staatsanwalt Marius Wachta (Rene Steinke) erwischt. Weswegen er kurz entschlossen mitsamt den gemeinsamen Kindern auszieht.

Der Verzicht darauf, mit aller Gewalt etwas Neues erzählen zu wollen, kann bei der Konzeption einer neuen Reihe von Vorteil sein. In "Beck is back" ist die Hauptfigur Hannes Beck etwa ein fertiger Jurist und Hausmann, der seine Frau, eine Anwältin und Karrierefrau,  bei einem unangemeldeten Besuch in flagranti mit Staatsanwalt Marius Wachta (Rene Steinke) erwischt. Weswegen er kurz entschlossen mitsamt den gemeinsamen Kindern auszieht.

Jetzt will und muss Beck natürlich Geld verdienen und arbeitet deswegen erst einmal als Pflichtverteidiger. Keine leichte Sache für jemanden, der nach seinem erfolgreichen Jurastudium bisher nur Hausmann und Vater war.  Und schon gar nicht, wenngleich der erste Klient beschuldigt wird, eine Frau ermordet zu haben – und sich bald danach auch noch herausstellt, dass es da mit Sicherheit einen intimen Kontakt zwischen ihm und dem Opfer gegeben hat.

Bei Hannes Beck schimmern verschiedene Serien durch: So hat RTL etwa die beiden Hauptfiguren aus "Ein Fall für zwei" in ihm verdichtet. Beck ist Jurist, der sich aus Idealismus als Strafverteidiger betätigt – wie der von Antoine Monot jr. gespielte Benjamin Hornberg in der Neuauflage der ZDF-Serie. Andererseits hat er aber durch seinen Schauspieler Bert Tischendorf vom Typ her mehr Ähnlichkeit mit Leo Oswald (Wanja Mues), der in der ZDF-Reihe solche Aufträge erledigt, die sowohl technisches Verständnis als auch körperliche Fitness verlangen.

Ganz besonders deutlich wird das in der Szene, in der Beck heimlich in einem fremden Büro in einer Tankstelle Daten kopiert: Genau das wäre in "Ein Fall für back", in der Putzfrau Jasmina eine Figur  einzuführen, die Beck sowohl fachlich als auch bei riskanten Aktionen – hier der mit einigem Witz gestaltete Einsteig durch ein offenes Klofenster – tatkräftig unter die Arme greift.

Dass eine Putzfrau früher als Richterin gearbeitet haben soll, verlangt vom Zuschauer zwar eine gewisse Nachsicht. Allerdings macht sich Andreja Schneider in dieser Rolle nicht schlecht, wie auch Simon Licht als verständnisvoller Richter. Das Anwaltsbüro in einer Hähnchenbude erinnert leicht an "Danni Lowinski" und dürfte noch für einige interessante Nebenfiguren sorgen. An gut getroffenen Charakteren fehlt es schon der Auftaktfolge nicht.   

Und ebenso wenig an witzigen Dialogen sowie flotter Erzählweise mit dynamischen Schnitten und geteiltem Bildschirm. Beck hat zudem auch realistisch anmutende Schwierigkeiten, sich in seinem neuen Berufsfeld erst einmal zurechtzufinden. Nur dass Beck bei allen Problemen immer noch als lässiger Frauentyp rüberkommt, hätte nicht sein müssen: Eine wie Hornberg aus "Ein Fall für zwei" tragischer angelegte Titelfigur wäre spannender gewesen.

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