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TV-Kritik

"Bergdoktor": Abschied mit einem Hauch Erotik

  • vonUlrich Feld
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"Der Bergdoktor" Martin Gruber (Hans Sigl) ist stocksauer, dass sein Bruder Hans (Heiko Ruprecht) und seine Mutter Lisbeth (Monika Baumgartner) seine ehemalige Freundin Anne Meierling (Ines Lutz) auf dem Hof einquartiert haben: Annes Vater starb, als er stockbetrunken seinen Hof abfackelte, und sie hat ihn gebeten, genau diesen Sachverhalt durch eine falsche Bestätigung auszuschließen, um an die Versicherungssumme für den Hof zu kommen. Doch viel Zeit, sich darüber aufzuregen, hat Martin Gruber nicht.

 

Er muss dem 22jährigen David Richter (Jonathan Berlin) eine Horrornachricht überbringen: Sein Knochenkrebs ist zurück und hochaggressiv. Davids einzige Möglichkeit, sein Leben zu retten, ist die qualvolle Krebstherapie samt Amputation des Beins. Doch zum Entsetzen seiner Eltern weigert sich David, woraufhin sein Vater aus dem Haus wirft. Gruber bringt den jungen Mann bei der hübschen Lisa Lehnhoff (Fanny Krausz) unter, die an der unheilbaren Krankheit Mukoviszidose leidet. Die beiden sind sich bei Gruber begegnet.

 

 

Nicht ohne Hintergedanken - bei Lisa entdeckt David, der sich in sie verliebt, tatsächlich seinen Lebenswillen neu. Gruber tüftelt derweilen mit seinem Freund Dr. Alexander Kahnweiler (Mark Keller) eine Methode aus, David zu operieren, ohne dass er sein Bein verliert. Doch dann bahnt sich eine Katastrophe an - für beide. Die leider letzte Episode der laufenden Staffel variiert ein legendäres US-Melodram aus dem frühen Tonfilm: In "Reise ohne Wiederkehr" (1932) verlieben sich eine Todkranke und ein zum Tode verurteilter Mörder.

 

Zwei Todgeweihte also, ähnlich wie hier. Aber auch wenn "Die Zeit, die bleibt" auf den tragischen Ausgang des Vorbilds verzichtet, schlägt die Folge einen ähnlichen Ton an: Ungeachtet seines potentiell sehr melodramatischen Inhalts erzählt sie ihre Geschichte mit viel Humor. Lisa bringt den depressiven David mit einem drastischen Mittel zum Lachen - was sie aber am Ende in tödliche Gefahr bringt. Eine geschickte Mischung aus Spannung und Witz also. Auch sonst macht der Film fast alles richtig.

 

 

Davids und Lisas Charakter sind glaubwürdig angelegt und von Jonathan Berlin und Fanny Krausz auch mitreissend gespielt. Für weiteren Humor darf Kahnweiler sorgen, der sich in die Vaterrolle  gedrängt sieht, obwohl er alles andere als ein Kinderfreund ist. Allein Mark Kellers Gesichtsausdruck sorgt hier schon für Lacher. Allerdings fragt man sich als Zuschauer, warum Martin Gruber so lange wartet, bis er David von der neuen OP-Möglichkeit erzählt: Zuvor vermittelt der Streifen den Eindruck, die erfolgreiche Krebsbehandlung wäre eine Frage von Tagen.

 

Aber das ist nur unwesentlich. "Die Zeit, die bleibt" erzählt eine bis zum Ende berührende Hauptgeschichte. Sie ist sogar so spannend, dass man kaum die prachtvolle Berglandschaft registriert - und das will was heißen bei dieser Serie. Man merkt deutlich, dass eine tödliche Krankheit ähnlich für Spannung sorgen kann wie der Mörder in einem ordentlichen Kriminalfilm.

 

Aber auch die privaten Probleme Grubers sind vom Drehbuch psychlogisch fein austariert, zumal hier auch das ambivalente Verhältnis zwischen Martin Gruber und Anne Meierling dazukommt. Ines Lutz darf sogar nur mit einem Handtuch bekleidet sogar etwas Erotk-Appeal in die Geschichte einbringen. Fans werden die Serie bis zur nächsten Staffel also garantiert schmerzlich vermissen - aber immerhin gibt es eine gute Nachricht: Die Dreharbeiten für ein Winterspecial haben begonnen.

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