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"Der Bergdoktor": Noch Luft nach oben

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Der jungen Waisen Lena Strickler (Sarah Zaharanski) ist der heruntergekommene Tobias Berger (Andreas Guenther) erst einmal herzlich zuwider. Foto: ZDF, Stefanie Leo
Der jungen Waisen Lena Strickler (Sarah Zaharanski) ist der heruntergekommene Tobias Berger (Andreas Guenther) erst einmal herzlich zuwider. Foto: ZDF, Stefanie Leo © (ZDF)

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"Der Bergdoktor" ist quasi sowas wie die Soft-Version von "Die Bergretter": Beide Serien spielen in den Bergen und spinnen phasenweise Schicksale der Hauptprotagonisten über mehrere einzelnen Folge hinweg in das Geschehen ein. Dazu kommt jedoch immer eine Haupthandlung, die zumeist innerhalb der einzelnen Episode abgeschlossen wird.

Die Haupthandlung in der ersten Folge der achten Staffel der beliebten ZDF-Serie dreht sich hier um die 17-jährige Lena Strickler (Sarah Zaharanski). Sie muss sich seit dem Unfalltod ihrer Eltern drei Monate zuvor nicht nur um den geerbten Hof kümmern, sondern hat auch noch plötzlich einen heruntergekommenen Fremden am Hals: Tobias Berger (Andreas Guenther). Der wohnt in einem alten Wohnmobil, ist Alkoholiker und hat nachweisbar Anspruch auf die Hälfte ihres Erbes, weil er einst mit Lenas Mutter verheiratet war.

Geheimnis zwischen Lena und einem bedrohlichen Fremden

Was Lena nicht weiß: Sie und der ihr extrem widerliche Berger verbindet ein tragisches Geheimnis – und durch eine schwere Krankheit Lenas kommt alles ans Licht. Die Nebenfiguren der Serie haben auch so ihre Probleme: Dr. Martin Grubers (Hans Sigl) Freundin Anne Meierling mit ihrem Vater Arthur Distelmeier (Martin Feifel), Martins Bruder Hans (Heiko Ruprecht) mit seiner Frau Lisbeth (Monika Baumgartner).

Die Serie basiert auf einer Romanheft-Serie, und an einigen Stellen merkt man das auch: Im Gegensatz zu der auf Action und Dramatik angelegten "Bergretter"-Serie ist "Der Bergdoktor" mitunter schon etwas schmalzig geraten. Die Probleme der Figuren sind vom Drehbuch zwar gut angelegt, aber die Lösungen kommen zu schnell und einfach, besonders in der Episode mit Lena. Gegen Ende leidet zudem die Glaubwürdigkeit. Warum will Lena auf einmal sterben, nachdem sie erfährt, dass der Fremde ihr Vater ist und es sogar eine Möglichkeit, gibt, ihre Krankheit zwar nicht zu heilen, der Sache aber das Lebensbedrohliche zu nehmen?

Die Dramatik kommt zu kurz

Das stetige Springen zwischen einzelnen Handlungssträngen schwächt zudem die in der Haupthandlung liegende Dramatik unnötig ab: Man hätte von Lena und dem aufdringlichen Fremden gerne noch weit mehr erfahren. So kommt ausgerechnet die Handlung, die am meisten Spannung verspricht, zu kurz. Immerhin spielt besonders Andreas Guenther seine Rolle ungemein glaubwürdig.

Und natürlich bietet "Der Bergdoktor" so richtig was fürs Auge: Stahlblauer Himmel mit Wolkenfetzen, die sich bisweilen im Zeitraffer-Tempo verdichten, Kameraflüge über die Bergwelt: Da kommt Urlaubsstimmung auf. Auch die in der Serie eingesetzten Oldtimer – ein grüner Mercedes 200 der 123-Serie aus den siebziger und frühen achtziger Jahren und ein goldfarbenes Peugeot 304-Cabrio sorgen für Sympathie. Allerdings könnte die Serie etwas mehr Dialogwitz und Dramatik vertragen, um die Kitsch-Gefahr besser zu umgehen. Sie bietet gute Unterhaltung – aber nach oben ist noch Luft.

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