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"Besser spät als nie": Da wäre mehr drin gewesen

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Von: Ulrich Feld

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Eine ärgerliche Szene ist das völlig überzogen turbulente Tischfußballspiel gegen Ende des Films. Unter lauten Jubel lösen sich alle Probleme in Luft auf.
Eine ärgerliche Szene ist das völlig überzogen turbulente Tischfußballspiel gegen Ende des Films. Unter lauten Jubel lösen sich alle Probleme in Luft auf. © ARD

Taus

Tauschen die Programme gelegentlich ihre Drehbuchkonzepte untereinander aus? Es hat fast den Anschein. "Besser spät als nie" ähnelt nämlich verdächtig dem erst einen Tag zuvor vom ZDF gesendeten "Es kommt noch besser". In "Es kommt noch besser" ist die Hauptfigur eine Frau, die sich mit etwas über 50 noch einmal neu erfinden muss und für eine schwangere junge Frau eine Art Mutter-Rolle spielt.

In "Besser spät als nie" ist die Frau nur geringfügig jünger - etwa Mitte bis Ende 40 - und will sich beruflich noch einmal neu orientieren. Ihre Tochter bekommt gegen Ende der Handlung ein Baby. Der Spannungsfaktor des drohenden sozialen Abstiegs fällt hier aber vollkommen weg: In der ARD-Produktion herrscht soziales Wohlfühlklima pur. Catrin Hofmann (Nele Mueller-Stöfen) wurde zwar während ihres Medizinstudiums mit Tochter Annika (Helen Woigk) schwanger, Ehemann Frank (Jochen Horst) ist jedoch bestens verdienender Manager.

Im VW Beetle Cabrio zum Medizinstudium

Und zwar einer mit Aussicht auf Beförderung zum Geschäftsführer. Dem entspricht auch der sehr gehobene Lebensstil mit luxuriöser Wohnung in Berlin und VW Beetle Cabrio für Catrin. Als sie die Tochter zum Medizinstudium nach Marburg fährt, bekommt sie das Kribbeln: Sie will ihr Medizinstudium dort fortsetzen, wo sie es damals abgebrochen hat - und bekommt auch die Zulassung dafür.

Sie zieht wegen Wohnungsnot in Marburg erstmal in die WG von Tochter Annika. Frank ist wenig begeistert von der Entwicklung und auch erst mal überfordert, als die Haushaltsführung sowie die Erziehung des 16jährigen Sohnes Philipp (Paul Frank) an ihm alleine hängen bleibt. Und als Catrin nach einem Streit mit ihm eine Affäre mit WG-Genossen Tim (Daniel Fritz) anfängt, hängt gewaltig der Haussegen schief.

Eine überflüssige Nebenfigur

Es gibt noch einige Nebenfiguren wie Catrins Freundin Verena (Nicole Marischka) und einem übergewichtigen Mitbewohner der WG. Speziell letzterer soll wohl sowas wie Witz in die Handlung bringen. Sein Charakter ist jedoch komplett überflüssig - und nicht nur deswegen fällt der Film im Vergleich zu dem thematisch ähnelnden "Es kommt noch besser" doch ziemlich ab.

Bisweilen scheint der Streifen der ARD seine Charaktere nicht wirklich ernst zu nehmen. So kulminiert eine Auseinandersetzung zwischen Frank und Tim in einer Kneipe in einem Tischfußballspiel, in der Jochen Horst bei seinen Treffern schauspielerisch gewaltig zu dick aufträgt. Auch am Ende lösen sich die Probleme beim überfröhlichen Tischfußballspiel in der Berliner Wohnung in Luft auf. Der Film verlässt an diesen Stellen nicht nur jeden Bezug zur Realität, er wird auch angestrengt turbulent.

Etwas mühsam ist auch Verena, die von ihrem Mann betrogen wird, in die Handlung eingebaut. Ihre Rolle hätte größer sein können. Völlig misslungen ist der Film aber nicht. Er zeigt deutlich die Schwierigkeiten beim Medizinstudium und geht auch auf die Probleme der davon überforderten Tochter ein, die sich lieber als Künstlerin verwirklichen möchte. Dazu kommt die filmisch noch unverbrauchte Kulisse Marburgs, teilweise gute Dialoge und die routiniert spielende Nele Mueller-Stöfen.

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