Bei der Jubiläumsfeier für den Chef bringt Thilo Trimborn (Oliver K. Wnuk, rechts) seinen Kollegen Jens Heller (Fritz Karl, links) gezielt in eine peinliche Situation.
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Bei der Jubiläumsfeier für den Chef bringt Thilo Trimborn (Oliver K. Wnuk, rechts) seinen Kollegen Jens Heller (Fritz Karl, links) gezielt in eine peinliche Situation.

TV-Kritik

"Bloß kein Stress": Nachbarn als Alptraum

  • VonUlrich Feld
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Erst aufdringliche gute Ratschläge, dann handfeste Intrigen: In der bösen Satire zieht eine Durchschnittsfamilie neben ein scheinbares tadelloses Musterehepaar.

Familie Heller zieht um. Auf den ersten Blick in eine schöne neue Vorstadtsiedlung mit Spielstraße direkt vor dem Haus. Aber es gibt auch neue Nachbarn, die Trimborns, und die entpuppen sich bald als wahrer Alptraum. Sie sind nahezu perfekt, haben alles im Griff, sparen nicht mit aufdringlichen guten Ratschlägen und schnell werden sie zu einer echten Plage.

Cosima Trimmborn (Antonia Franziska) ist groß, schlank, elegant, supersportlich und rennt schon vor dem Frühstück zehn Kilometer. Thilo Trimborn (Oliver K. Wnuk) fährt einen funkelnagelneuen 3er BMW und arbeitet in der gleichen Firma, in der auch Jens Heller (Fritz Karl) seinen neuen Arbeitsplatz hat. Thilo nötigt Jens, der einen rostigen Uralt-Kombi Marke Volvo fährt, mit ihm umweltfreundlich eine Fahrgemeinschaft zu bilden. In der Firma entpuppt er sich sehr schnell als hinterhältiger Intrigant.

Eva Heller (Katharina Wackernagel) versucht alles, um mit den Trimborns mithalten zu können. Doch der erste Krach lässt nicht lange auf sich warten. Eine recht spannende Satire auf Anpassungsdruck und modernes Leistungsdenken hat Regisseur Lars Jessen nach einem Drehbuch von Stefan Rogall gedreht. Die zunächst hilfreich klingenden Anweisungen zeigen bald einen perfide Kontrollfunktion.

Nachbar als hinterhältiger Arbeitskollege

Sie dienen keineswegs dazu, den Hellers wirklich zu helfen, sondern ihnen die eigene Überlegenheit möglichst oft und hautnah vor Augen zu halten. Die Regie bringt das subtil schon beim ersten Kennenlernen zum Ausdruck: Der lauernde Blick, mit dem Oliver K. Wnuk als Jens Trimborn die neuen Nachbarn beäugt, spricht Bände. Überhaupt ist Wnuk als intriganter Kollege eine sehr gute Besetzung. Man nimmt ihm seine Rolle jederzeit ab.

Gut besetzt sind auch die Hellers. Es dürfte für Schauspieler gar nicht so einfach sein, einfach "Normalität" zu spielen, aber Katharina Wackernagel wird gewiss nicht umsonst so gerne in Rollen eingesetzt, in die sie eine gewisse mütterlich-besorgte Note einbringen kann. Sehr gut auch Fritz Karl als Jens, dessen Gesicht im Handlungsverlauf einen immer grimmigeren Ausdruck annimmt.

Die Satire wird zum Thriller

Es gibt Grund dazu, Drehbuch und Regie sparen nämlich nicht mit Tempo. Schon am zweiten Tag versuchen die Hellers auf Zehenspitzen das Haus zu verlassen, um der Kontrolle durch die Trimborns zu entgehen, und da zeigen die guten Ratschläge auch schon einen deutlichen Hang zur Bösartigkeit. Wie dann die Spannungsschraube unauffällig, aber wirkungsvoll immer mehr angedreht wird, ist schon bemerkenswert. Der Film entwickelt sich hier weniger zur Satire, sondern auch ohne Krimi-Elemente zum Psychothriller.

Allerdings wählt Stefan Rogall einen ungewöhnlichen Weg: Er treibt die Handlung nicht auf einen spannenden Schlusspunkt zu, sondern lässt die Situation früher eskalieren und nimmt dann langsam wieder den Fuß vom Gas. Spätestens als der Sohn der Trimborns in einem Vorlesewettbewerb jämmerlich versagt, haben die Hellers mit ihrer eher entspannten Lebensweise gesiegt. Die Kinder freunden sich an, und die Situation entspannt sich.

Eine nette und harmlose Lösung, die so in der Realität allerdings kaum stattfinden dürfte. Nachbarn wie die Trimborns gibt es dort nämlich reichlich.

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