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"Borcherts Fall": Mit Frankfurter Hintergrund

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Von: Ulrich Feld

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© ARD Degeto/Graf Film/Jan Rovinský

Es geht um die philippinische Haushaltshilfe Amihan Singh (Kotti Yun), die auf dem Markt ein paar Lebensmittel gestohlen hat und der Borchert  Hilfe eilt, wobei er sich umgehend eine Anzeige wegen Körperverletzung einhandelt. Borchert möchte aber trotz eigener Probleme der jungen Frau helfen. Sein alter Freund Dr. Reto Zanger (Robert Hunger-Bühler) empfiehlt ihm seine idealistische Tochter Dominique Kuster (Katrin Bauerfeind, die sich zunächst nicht sonderlich angetan zeigt von ihrem schillernden neuen Klienten.

Er heißt Thomas Borchert, von Beruf Anwalt, hat Jahre in Frankfurt gelebt und für den FonSonic-Konzern gearbeitet, der ihn wegen eines Bestechungsskandals fristlos feuerte. Er gilt als Sündenbock für die schmutzigen Geschäfte der Firma. Von zwei ebenfalls beteiligten Kollegen hat einer sich umgebracht und der andere hat sich davongemacht. Borchert lebt jetzt in Zürich auf dem eindrucksvollen Grundstück, auf dem sein Elternhaus steht, in einem großen Wohnwagen. Das einst herrschaftliche Haus gleicht nur mehr einer Ruine.

Man sieht: Den Terminus "Fall" im Titel kann man hier durchaus im doppelten Sinne begreifen - auch als sozialen Absturz nämlich. Christian Kohlund gibt den abgestürzten Juristen als stilvoll zerknitterten Melancholiker mit Bartansatz. Vor zwanzig Jahren hätte Maximilian Schell gut in die Rolle gepasst, der eine ähnliche Ausstrahlung besaß. Aber trotz seines Niedergangs hat sich Borchert einen gewissen Idealismus bewahrt, der ihn jedoch gleich wieder in einen neuen Fall verwickelt.

Lauter idealistische Rechtsverdreher

  Es geht um die philippinische Haushaltshilfe Amihan Singh (Kotti Yun), die auf dem Markt ein paar Lebensmittel gestohlen hat und der Borchert  Hilfe eilt, wobei er sich umgehend eine Anzeige wegen Körperverletzung einhandelt. Borchert möchte aber trotz eigener Probleme der jungen Frau helfen. Sein alter Freund Dr. Reto Zanger (Robert Hunger-Bühler) empfiehlt ihm seine idealistische Tochter Dominique Kuster (Katrin Bauerfeind, die sich zunächst nicht sonderlich angetan zeigt von ihrem schillernden neuen Klienten.

  Den Fall übernimmt sie dennoch. Amihan Singh hat den Adoptivsohn des gutsituierten Ehepaars Bea (Valentina Sauca) und Urs Frisch(Michael Lott) entführt. Angeblich befand sich das Kind in Gefahr, was Polizeihauptmann Furrer (Felix Kramer) aber nicht glauben will. Borchert und Dominique Kuster kommen einem Fall auf die Spur, in den auch alte Freunde des Anwalts verwickelt sind. Im Vergleich zu vorangegangenen Krimis am Donnerstag verfolgt "Borcherts Fall" einen völlig neuen Ansatz: Der Held ist nicht Polizist, sondern Anwalt, was man angesichts einer regelrechten Schwemme stets neuer Ermittler schon als eine kleine Revolution bezeichnen darf.

  Gebrochener Held mit aufgesetzten Details

Dabei gibt sich das Drehbuch Mühe, Borchert nicht zum strahlenden Helden werden zu lassen. Und macht das auch recht geschickt: Borchert auf dem elterlichen Grundstück neben der heruntergekommenen Elternhaus in einen Wohnwagen zu verbannen, ist in der Tat mal ein hübscher Einfall. Etliche Details der Figur wirken aber schon reichlich aufgesetzt: Die Wandlung zum Idealisten nimmt man einem Charakter wie Borchert nicht wirklich ab und einige Sätze wirken in ihrer bedeutungsschwangeren Mehrdeutigkeit ("Man kann die Wahrheit nicht ins Feuer werfen, sie ist das Feuer") ziemlich prätentiös.

Ebenso kann man das Verhalten Borcherts oft nicht nachvollziehen: Wenn er etwas für die junge Haushaltshilfe tun will, warum sagt er dann auf dem Polizeirevier zu einem Beamten so undiplomatische Sätze wie "Aus Sicht eines Anwalts würd ich jetzt sagen, das geht sie einen Scheißdreck an"? Es sind solche wenig glaubwürdigen Details, die das Vergnügen an dem nicht wirklich spannenden, aber noch halbwegs unterhaltsamen Fall ein wenig trüben. Dennoch schürt das Ende erfolgreich die Neugier auf die Fortsetzung: "Borcherts Abrechnung" kommt nächsten Donnerstag.

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