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"Bretonische Flut": Diesmal wird?s schaurig

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Von: Ulrich Feld

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Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) betrachtet die Leiche der ersten Toten (Sophie Chasselat) etwas genauer.
Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) betrachtet die Leiche der ersten Toten (Sophie Chasselat) etwas genauer. © ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Nicht nur düster: Warum der neue Krimi um Kommissar Dupont schon wesentlich besser funktioniert.

Kräftig in die Gruselkiste greift die ARD hier mit ihrem fünften und bisher letzten Film um Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi). Die Postkartenlandschaft erscheint in Nebelschwaden gehüllt, eine geistig verwirrte Frau spricht mit Toten und prophezeit Dupin, der zudem von Alpträumen geplagt wird, wo er vor seinem Grab steht, sein baldiges Ende. Die Kamera schwenkt über Friedhöfe und Kreuze. Und als handlungsauslösendes Motiv taucht ebenfalls ein Kreuz auf: Es stammt aus der untergegangenen Stadt  Ys, die auf alten keltischen und bretonischen Legenden beruht.

Nichts mehr also von den lahmen Witzen der Vorgänger-Filme, und das ist schon mal ein echter Pluspunkt. Dass Dupin ständig mit Vollgas durch Radarfallen preschte, verführte spätestens beim dritten Mal nur noch zum Gähnen. Nicht nur die Schauereffekte geben der Geschichte visuell einen ganz besonderen Reiz. Auch die Musik, mal mit etwas Bond-Beiklängen im 60er Jahre-Stil, dann wieder schwer und unheilvoll, unterstreicht, dass es die Macher mit diesem Film endgültig richtig ernst meinen.

Mord an zwei Lesben

Dass sich Dupin auf einer Schiffsfahrt seekrank ins Meer übergibt, darauf hätte das Drehbuch zwar unbedingt verzichten sollen. Ansonsten spielen die Eigenheiten des Kommissars hier nur eine Nebenrolle, er hat ja in der Filmhandlung schon genug zu tun. Es beginnt mit dem Mord an einer jungen Frau, die mit ihrer Freundin in einer lesbischen Beziehung lebte. Bald danach finden die Fahnder auch deren Freundin tot auf.

Hat Luc Jumeau (Julius Feldmeier) etwas mit der Tat zu tun? Er war der Freund der ersten Toten und reagierte auf ihre Zuwendung zu einer anderen Frau extrem eifersüchtig. Andere Hinweise deuten aber auch auf Charles Morin (Christian Redl), der es als Großunternehmer mit höchst zweifelhaften Methoden zu einem gewaltigen Vermögen gebracht hat. Eine der beiden Toten, eine Umweltschützerin, war indessen seine uneheliche Tochter. Was Morin zu einer tödlichen Gefahr werden lässt, die auch Dupin nur noch ansatzweise in den Griff bekommt.

Der neue Stil gefällt

Die Handlung entwickelt sich angenehm zügig und frei von störenden Einschüben. Ein wenig Humor gibt es auch, aber im Unterschied zu den anderen Dupin-Krimis funktioniert er sogar, wenn Duponts ständige Sucht nach Kaffee durch einen anderen Kaffeekocher mal einen leichten Dämpfer erhält. Das an sich phantastische Motiv des Kreuzes aus Ys gerät durch die eingangs geschilderten mystischen Elemente zu einem glaubwürdigen Handlungsmotiv.

Christian Redl kann sich als skrupelloser Großfischer angenehm vieldeutig in Szene setzen. Der neue Stil könnte einen Neustart der Dupin-Krimis bedeuten. Weitere Filme der Reihe – möglicherweise nach neuen Romanen von Autor Jean Luc Bannalet, hinter dem sich der in Frankfurt am Main lebende Jörg Bong verbirgt – sollten sich nicht mehr allzu weit davon entfernen. Neben dem Erstling "Bretonische Verhältnisse" kann der fünfte Dupin-Krimi bisher besonders überzeugen.

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