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"Deckname Kidon": Toller Agententhriller

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Von: Ulrich Feld

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Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) besuchen Trachtenfels-Lissé (Udo Samel) auf seinem Schloss. Foto: ORF
Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) besuchen Trachtenfels-Lissé (Udo Samel) auf seinem Schloss. Foto: ORF © (ARD Degeto/Programmplanung und P)

Es b

Es beginnt mit einem lauten Knall: Ein Mann landet auf einem geparkten Taxi vor einem Wiener Hotel. Es handelt sich um einen Diplomaten der Republik Iran. War es Selbstmord? Die Kommissare Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) haben begründete Zweifel: Der Iraner hatte Konzertkarten für den Abend bestellt. Ein Überwachungsvideo des Hotels führt die Ermittler zu dem steinreichen Lobbyisten Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé (wunderbar schmierig: Udo Samel).

Bald verdichten sich die Hinweise darauf, dass Trachtenfels-Lissé zusammen mit dem "verunfallten" Iraner ein hochbrisantes Geschäft eingefädelt hat: Ein ganzer Güterzug voller Pumpen und Ventile zum Bau von Nuklearanlagen, in denen auch Material für Atomwaffen hergestellt werden könnte. Eisner und Fellner wollen mit allen Mitteln verhindern, dass der Zug Österreich verlässt - und werden dabei noch von Agenten des Mossad überwacht.

Wien ist ein heißes Pflaster

Ein solches Szenario im Stil von Colin Forbes oder Robert Ludlum in einem "Tatort" - sowas geht natürlich nur in Wien. Dass die Stadt nicht nur Schloss Schönbrunn und wunderschöne Kaffeehäuser, sondern auch Geschichten um Gangster, Killer und Geheimagenten zu bieten hat, wissen wir spätestens seit "Der dritte Mann". Frederick Forsyths Roman "Die Faust Gottes" spielt teilweise in Wien. Im August 2014 drehte Tom Cruise dort Szenen für den fünften Teil von "Mission Impossible".

Timothy Daltons erster Auftritt als James Bond in "Der Hauch des Todes" führte 007 auch nach Wien. James Bond hatte zudem übrigens mal einen Kollegen aus Österreich (wenn auch nicht aus Wien, sondern aus Liezen) im Dienst der CIA: Prinz Malko Linge, geschaffen von dem französischen Autor Gérard de Villiers. Schon vor diesem literarisch-filmischen Hintergrund bekommt die Agentengeschichte eine gewisse Glaubwürdigkeit. Aber auch aus der Realität nimmt sich das gut aufgebaute Drehbuch von Max Gruber einige Anleihen: 1990 etwa wurde in Brüssel der Artillerie-Experte Gerald Bull vermutlich von Mossad-Agenten ermordet. 

Auch durch die Musik sehr stimmig

Einen besonderen Reiz erhält dieser "Tatort" durch die geschickt eingebauten Hinweise auf den israelischen Geheimdienst, die dem Krimi zusammen mit der bisweilen orientalisch klingenden Filmmusik von Lothar Scherpe eine sehr schöne paranoide Stimmung verleihen. Sowas passt ausgezeichnet zu einem Agententhriller vor internationalem Hintergrund. Und so gut Udo Samel auch war: Noch besser wäre Klaus Maria Brandauer gewesen, der 1984 in "Sag niemals nie" als Bond-Gegenspieler zu sehen war.

Drehbuch und Regie (Thomas Roth) halten den Film fast pausenlos in Bewegung. Die Verfolgungsjagd zwischen Auto und Zug war ein echter Höhepunkt und die Kamera von Jo Molitoris gibt der Geschichte zusätzlich eine hohe Dynamik. Zu bemängeln wäre höchstens die Szene mit dem Attentat ganz zum Schluss: Das ein Mann wie Trachtenfels-Lissé kein Auto mit Panzerung und schusssicheren Scheiben fährt, ist absolut unglaubwürdig.

Davon abgesehen bietet "Deckname Kidon" allerdings perfekte Unterhaltung. Der Streifen ist somit der erste "Tatort"-Höhepunkt des Jahres 2015.

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