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"Dein Wille geschehe": Psycho-Duell mit Familienanschluss

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Von: Ulrich Feld

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Warum richtet Mirja Becker (Bettina Stucky, l.) die Waffe auf Joe (Ulrich Noethen, r.)?
Warum richtet Mirja Becker (Bettina Stucky, l.) die Waffe auf Joe (Ulrich Noethen, r.)? © Marion von der Mehden

Noch während des Vietnam-Kriegs tauchten ehemalige Soldaten aus diesem Konflikt als handelnde Charaktere in amerikanischen Filmen auf. Oft als Psychopathen und Killer in Thrillern und Kriminalfilmen wie in Michael Winners "Ein Mann geht über Leichen". Mittlerweile haben die Afghanistan-Veteranen die Vietnam-Veteranen abgelöst. Und wieder agieren sie überwiegend jenseits des Gesetzes, so in "Taxi nach Leipzig", mit dem die "Tatort"-Reihe ihren tausendsten Fall feierte.   Auch in "Dein Wille geschehe", dem mittlerweile vierten Beitrag der ZDF-Reihe "Neben der Spur" um den Psychiater Dr. Johannes "Joe" Jessen (Ulrich Noethen), tritt ein Kriegsveteran auf, der in Afghanistan war. Gespielt wird er von Ronald Zehrfeld, letzte Woche als jüdischer Richter Richard Kornitzer im Zweiteiler "Landgericht" zu sehen. Der Kriegsveteran steht im dringenden Verdacht, Frauen mittels Anrufszenarien solche Panik einzujagen, dass sie entweder von einer Brücke in den Tod springen wie das erste Opfer oder vor ein Auto laufen wie das zweite Opfer.

Noch während des Vietnam-Kriegs tauchten ehemalige Soldaten aus diesem Konflikt als handelnde Charaktere in amerikanischen Filmen auf. Oft als Psychopathen und Killer in Thrillern und Kriminalfilmen wie in Michael Winners "Ein Mann geht über Leichen". Mittlerweile haben die Afghanistan-Veteranen die Vietnam-Veteranen abgelöst. Und wieder agieren sie überwiegend jenseits des Gesetzes, so in "Taxi nach Leipzig", mit dem die "Tatort"-Reihe ihren tausendsten Fall feierte.   Auch in "Dein Wille geschehe", dem mittlerweile vierten Beitrag der ZDF-Reihe "Neben der Spur" um den Psychiater Dr. Johannes "Joe" Jessen (Ulrich Noethen), tritt ein Kriegsveteran auf, der in Afghanistan war. Gespielt wird er von Ronald Zehrfeld, letzte Woche als jüdischer Richter Richard Kornitzer im Zweiteiler "Landgericht" zu sehen. Der Kriegsveteran steht im dringenden Verdacht, Frauen mittels Anrufszenarien solche Panik einzujagen, dass sie entweder von einer Brücke in den Tod springen wie das erste Opfer oder vor ein Auto laufen wie das zweite Opfer.  

Warum sprang jemand mit Höhenangst von einer Brücke?

  Die beiden Toten sind Frauen und waren enge Freundinnen. Die Erste stürzte vor den Augen von Jessen in die Tiefe. Aber war es wirklich ein Selbstmord? Die Tochter der Toten zweifelt daran. Ihre Mutter litt unter Höhenangst. Zudem hinterließ sie, obgleich sonst beinah zwanghaft ordentlich, ihre Wohnung in chaotischem Zustand. Aber bald kann Jessen ein Täterprofil erstellen. Der Mann, der die Frauen durch telefonischen Kontakt in den Tod treibt, ist eiskalt, hochintelligent, manipulativ – und verfügt höchstwahrscheinlich über eine militärische Ausbildung.

  Ähnlich facettenreich wie der Täter entwickelt sich auch Jessen. Obwohl anerkannt, agiert er weder beruflich noch privat sonderlich erfolgreich. Einen Todessprung kann er nicht verhindern, seine Parkinson-Erkrankung macht ihm zu schaffen und auch um seine Ehe steht es nicht zum Besten. Aber er verhält sich weiterhin einfühlsam und vor allem als herausragender Beobachter. Das sorgt für überraschende Szenen, etwa wenn er auf einem Foto etwas entdeckt, was die Aussagen eines Paares widerlegt.

Familienvater ohne Familie

  Eine Nebenhandlung um Jessens Frau nimmt auf den ersten Blick zu viel Raum ein – aber das Drehbuch bringt dankenswerterweise  ausgerechnet dann den Haupttäter wieder ins Spiel, als sich das Gewicht der Handlung auf Jessens private Seite zu verlagern droht. Auf diese Weise werden Jessens Funktionen als Psychiater einerseits und als Familienvater andererseits intelligent verknüpft und stehen sich nicht gegenseitig im Weg, wie es bei vielen Krimi-Reihen mit horizontaler Erzählstruktur der Fall ist. Und Jessen wird den Kampf um seine Familie verlieren.   Das Geschehen kulminiert in einem ebenso bizarren wie sehenswerten Showdown: Sowohl beim Täter als auch beim Psychiater sind die jeweiligen Familien involviert – und jeder kennt die Schwächen des anderen sehr exakt. Anno Saul, der schon in anderen ZDF-Krimis wie "Wo bist du, Feigling" seine künstlerische Handschrift spüren ließ, hat kompetent Regie geführt und sowohl aus dem Schauplatz Hamburg als auch aus den Schauspielern das Beste herausgeholt. Allerdings irritiert der Auftritt von Luise Wolfram als Studentin Nicole Ewert: Wozu soll dieser Charakter denn nun gut gewesen sein? Nichts als eine verzichtbare Episode! Oder taucht sie in einem späteren Film noch einmal auf?  

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