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"Eichwald, MdB": Nichts für Zartbesaitete

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Von: Ulrich Feld

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Hajo Eichwald (Bernhard Schütz, M.), Sebastian Grube (Leon Ullrich, l.), Julia Schleicher (Lucie Heinze, 2.v.l.) und Berndt Engemann (Rainer Reiners, r.), treffen sich zur Lagebesprechung.
Hajo Eichwald (Bernhard Schütz, M.), Sebastian Grube (Leon Ullrich, l.), Julia Schleicher (Lucie Heinze, 2.v.l.) und Berndt Engemann (Rainer Reiners, r.), treffen sich zur Lagebesprechung. © ZDF und Daniela Incoronato

Hans

Hans-Josef Eichwald (Bernhard Schütz) ist nicht gerade zimperlich, nicht in seinen Mitteln und schon gar nicht in seinem Vokabular. "Bin so froh, dass ich die fette Sau nicht mehr sehen muss" höhnt er einem verstorbenen Parteikollegen hinterher, von dessen Begräbnis er eben kommt. Die berühmte Steigerung Feind, Todfeind, Parteifreund bestätigt er am laufenden Band. Als Hinterbänkler seiner Partei im Bundestag kämpft er stets um Aufmerksamkeit  und gegen parteiinterne Konkurrenz. So den aufstrebenden Uwe Bornsen (Robert Schupp).

Bornsen ist rund zwanzig Jahre jünger als Eichwald – da muss man sich schon was einfallen lassen, wenn man nicht in Vergessenheit geraten will. Dummerweise lässt Eichwald dabei kein Fettnäpfchen aus, wobei ihm seine Mitarbeiter Berndt Engemann (Rainer Reiners) und Sebastian Grube (Leon Ullrich) tatkräftig zur Seite stehen. Kein Wunder, dass ihm seine Fraktionsvorsitzende Birgit Hanke (Maren Kroymann) regelmäßig die Leviten lesen muss.

Post von Wagner mit Nebenwirkung

Vier Teile umfasst die Miniserie um den umtriebigen Chaoten mit Direktmandat, die das ZDF zu später Stunde am Stück sendete. Schon allein die sprühende Giftigkeit und vor Anspielungen wimmelnde Detailfreude der Dialoge macht "Eichwald, MdB" ausgesprochen sehenswert. Eichwald bekommt etwa Post von Wagner, und auch wenn sein Mitarbeiter nur einige Satzfetzen vorliest, kommt der Rest wie ein Faustschlag in die Magengrube.

Aber Eichwald ist Kummer gewohnt. Er erscheint als typischer Parteisoldat, der sich im Schützengraben aufreibt. Seinen Idealismus für große Ziele hat er längst verloren. Seine Hauptfeinde sind nicht Leute aus anderen Parteien, sondern die Tücken seines Alltags. Und wie Bernhard Schütz stets wunderbar um Beherrschung kämpft und die mit einem laut gebrüllten oder verzweifelt gezischten "Verfickte Scheiße" verliert, muss man einfach Mitleid mit ihm haben.

Feuerwerk an Gemeinheit

Auf große Handlungsentwürfe haben Autor Stefan Stuckmann ("Switch reloaded", "Obersalzberg“) und Regisseur Fabian Möhrke zum Glück verzichtet. Die gerade mal halbstündigen Episoden zeigen wie jede gute Sitcom einen starken Cartoon-Charakter. Alles ist auf den quintessentiellen Witz, die nächste Pointe fokussiert. Und die liefert Stuckmann mit einem Tempo und einer Dichte, dass man darüber hinwegsehen kann, wenn mal eine Pointe nicht wirklich zündet.

Wenn im TV-Film die hohe oder niedere Politik ins Spiel kommt, kann man sich normalerweise darauf verlassen, dass es eher gediegen, bisweilen melodramatisch, in den meisten Fällen aber vor allem sterbenslangweilig zugeht. "Eichwald, MdB" ist das krasse Gegenbeispiel zu einer Schlaftablette wie "Die vierte Gewalt". Man wünscht sich aber auch schon deswegen eine Fortsetzung der Serie, weil sie trotz oder gerade wegen Eichwalds Pleiten, Pech und Pannen-Serie auch ein gewisses Verständnis für ihn weckt. Sind wir nicht im Grunde alle ein wenig wie Eichwald, MdB?

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