ONE TATORT: AM ENDE GEHT MAN NACKT, am Sonntag (09.04.17) um 21:45 Uhr.
Von links: Kommissar Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schad), Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Kommissarin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) beginnen noch nachts ihre Ermittlungen in der Gemeinschaftunterkunft.
© BR/Rat Pack Fimproduktion GmbH/Bernd Schuller, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter Sendung bei Nennung "Bild: BR/Rat Pack Fimproduktion GmbH/Bernd Schuller" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de
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ONE TATORT: AM ENDE GEHT MAN NACKT, am Sonntag (09.04.17) um 21:45 Uhr. Von links: Kommissar Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schad), Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Kommissarin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) beginnen noch nachts ihre Ermittlungen in der Gemeinschaftunterkunft. © BR/Rat Pack Fimproduktion GmbH/Bernd Schuller, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter Sendung bei Nennung "Bild: BR/Rat Pack Fimproduktion GmbH/Bernd Schuller" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

TV-Kritik

"Am Ende geht man nackt": Wo bitte bleibt der Krimi?

  • VonUlrich Feld
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Ein

Ein Brandsatz fliegt durch das Fenster einer Flüchtlingsunterkunft in Bamberg und kostet die junge Neyla Mafany (Dayan Kodua) aus Kamerun das Leben. Ein anderer Heimbewohner landet mit schweren Verbrennungen Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Menzel) und ihre Kollegen st0ßen auf eine regelrechte Mauer des Schweigens. Kein Nachbar will etwas gesehen haben. Da fasst ihr Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs) einen wagemutigen Plan: Er lässt sich ins Flüchtlingsheim einschleusen, als vermeintlicher tschetschenischer Flüchtling.

Es ist eine fremde Welt, in die er eintaucht und deren Regeln er am eigenen Leib erlebt. Dazu gehört auch, dass es Bereiche gibt, in denen Juden und Christen unerwünscht sind. Eine Welt außerdem, in der einige Leute mit den Flüchtlinge glänzende Geschäfte machen, so Leiharbeitsfirmen und der überaus durchtriebene Said Gashi. Gespielt wird der, ein großer Pluspunkt für den Film, von Yasin el Harrouk, bekannt als Titelfigur des Müncher "Tatort"-Krimis "Der Wüstensohn".

Heiße Themen am Sonntagabend

Voss knüpft Kontakte, vor allem zu dem jungen Flüchtling Bassem Hemidi, gespielt vonMohamed Issa, dem Flüchtling Jamal Bakkoush aus der Lindenstraße. Er erlebt, wie Flüchtlinge von Rechtsextremisten bedroht werden. Währenddessen eht seine Kollegin draußen weiteren Spuren nach und trifft dabei unter anderem auf den überaus kostenbewussten Vermieter der Immobilie. Mit Flüchtlingen und Fremdenfeindlichkeit hat sich der dritte Frankentatort ein heißes Eisen vorgenommen.

Und verzichtet dabei weitgehend auf jeden Ansatz von Klischees: Er thematisiert auch ausführlich Bösartigkeiten und Ausbeutung unter den Flüchtlingen selbst, wobei einige Charakterportraits durchaus überzeugen können. Leider gilt das aber nicht für den Rest des Films: Als Krimi ist der Beitrag aus Franken ein kompletter Fehlschlag. Was bei einem versierten Autor wie Holger Karsten Schmidt besonders enttäuscht.

Als Krimi ein Fehlschlag

So spielen kriminologische Elemente wie Verhöre und Spurensuche kaum eine Rolle. Der gierige Vermieter als möglicher Drahtzieher taucht zwar schon früh in der Handlung auf, bekommt aber kaum Präsenz und erst Recht keine Tiefe. Wenn die Fahnder auf eine wesentliche Spur stoßen, dann durch Zufall oder einen diskreten Hinweis, der ebenfalls nur auf einem Zufall beruht. Noch ärgerlicher: Kommissarin Ringelhahn verhält sich höchst unprofessionell, ähnlich wie Thorsten Lannert im Stuttgarter Beitrag "Im gelobten Land", was schon diesen "Tatort" zum Ärgernis machte.

Dass der durchtriebene Said am Ende zum Einbruch übergeht, ist auch nicht die beste Idee. Regisseur Markus Imboden, der nach "Wendehammer", "Klingelingeling" und "Land in dieser Zeit" mit diesem Film schon den vierten (!) Krimi dieser "Tatort"-Saison vorlegt, erzählt immerhin recht flüssig und weiß besonders die Stimmung im Innern einer Flüchtlingsunterkunft recht beklemmend zu inszenieren. Bei "Klingelingeling" hat er aber bewiesen, was er aus einem wirklich guten Drehbuch herausholen kann, und daran reicht der dritte Franken-"Tatort" in keiner Sekunde heran. Imbodens Schuld ist es nicht.

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