Im Film "Am Ende des Sommers" brillieren Julia Koschitz (Sylvia) und Thomas Schubert (Ben) als Mutter und Sohn. Bild: MDR/ORF/Hubert Mican"
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Im Film "Am Ende des Sommers" brillieren Julia Koschitz (Sylvia) und Thomas Schubert (Ben) als Mutter und Sohn. Bild: MDR/ORF/Hubert Mican"

?Am Ende des Sommers?: Still und unaufdringlich

Ben

Ben (Thomas Schubert) ist ein toller Junge. Gerade 18 Jahre alt geworden, hat er einen ausgezeichneten Schulabschluss in der Tasche und den Kopf voller Träume und Ideen für die Zukunft. Mit seiner Mutter Sylvia (Julia Koschitz) hat er ein enges, fast freundschaftliches Verhältnis. Als er dann durch Zufall von seiner düsteren Zeugung erfährt, bricht eine Welt für ihn zusammen. Bens idyllisches Leben zerfließt unter den Augen des Zuschauers. Schlüsselszene: Als Mutter und Sohn gemeinsam auf seinem Bett sitzen und sie ihm alles über die Vergewaltigung erzählt. Wie eine Maske verzerrt sich das Gesicht des Jungen und danach ist nichts mehr, wie es einmal war. Dabei gleitet der Film nie ins Theatralische oder Überdramatische ab und genau das macht ihn so berührend.

Schöne Erzählweise

Dabei gelingt es dem österreichischen Regisseur  und Drehbuchautor Nikolaus Leytner,  die Schwierigkeiten zwischen Mutter Silvia und Sohn Ben zu erzählen, ohne ins Kitschige zu verfallen. Beeindruckend ist das Spiel zwischen Julia Koschitz und Thomas Schubert. Sie füllen ihre Rollen vollständig aus und schaffen es, die Vertrautheit zwischen Mutter und Sohn ohne viele Worte sichtbar zu machen. Auch sind die Maturanten Ben und seine Freundin (Alina Fritsch) unheimlich authentisch dargestellt. – Das hat wahren Seltenheitswert. Häufig versteigen sich Filmemacher in ihre eigenen Phantasien, wenn sie das Leben und Denken der jungen Generation filmisch zeigen wollen. Anders in dieser Produktion: Von Kleidung, über Sprache bis hin zur Musik nimmt man den Darstellern ihre Zugehörigkeit zur jungen Generation sofort ab. Thomas Schubert überzeugt dabei besonders  in der Rolle des  18-jährigen Ben dessen Ideale von Leben und Liebe mit einem Schlag zerstört wurden.

„Am Ende des Sommers“ ist im Grunde ein klassischer Coming of age-Film. Mit der Besonderheit, dass er in der österreichischen Provinz spielt. Seltsam fremd wirken die zünftigen Volkfeste auf denen Ben seinen Erzeuger sucht. Dass dieser dann eine Enttäuschung ist, war zu erwarten ist aber nicht weiter schlimm. Der Film überzeugt durch seine schöne Erzählweise.  Schön sind auch die Parallelen zur Mutter, die zeitgleich mit ihrem Sohn die Krusten der Vergangenheit aufbricht und den Schmerz über die Vergewaltigung überwindet. Einziger Kritikpunkt: Der Showdown bei Gewitter und Sturm hätte nicht unbedingt sein müssen. So eine dramatische Überzeichnung hat die Inszenierung gar nicht nötig. Alles in allem ein berührender Film ohne Pathos und Klischees,  der mit einem schwierigen Thema umzugehen weiß.

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