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Commissario Brunetti (Uwe Kockisch) und Sergente Vianello (Karl Fischer) ermitteln im Opernmilieu.

TV-Kritik

"Endlich mein": Große Oper, aber kein großer Krimi

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Die neueste Donna Leon-Verfilmung wandelt unverkennbar auf den Spuren des Phantoms der Oper. Wobei aber eher die Optik und die Musik überzeugen.

Wenn im Krimi klassische Musik ertönt, geht es meistens ziemlich dramatisch zu. Schon Regisseur Brian de Palma ließ in "Die Unbestechlichen" Sean Connery als Malone sterben, während gleichzeitig Al Capone in der Oper saß. Und wenn hier zu Beginn eine Frau ihre Mutter tötet, weil diese ihr höhnische Vorwürfe macht, läuft ähnliches im Hintergrund. Große Oper ist angesagt, wobei sich aber nicht zwangsläufig auch großes Kino daraus ergibt.

Hier wirft die Geschichte erstmal einen kritischen Blick hinter die Kulissen eines Opernbetriebs: Am Teatro La Fenice, dem größten Opernhaus Venedigs, sind die Angestellten wegen der schlechten Bezahlung in Streik getreten. Ihr Wortführer ist der aggressiv argumentierende Santello (Edin Hasanovich, der durch seinen Einsatz zugleich einen familiären Konflikt herausbeschwört: Seine Schwester (Cornelia Gröschel) kümmert sich um die Garderobe der Operndiva Flavia Petrelli (Leslie Malton).

Das Pikante dabei: Santello könnte, um seiner Forderung nach Lohnerhöhung Nachdruck zu verleihen, die bevorstehende Aufführung von Puccinis "Tosca" gefährden – und genau damit will Petrelli ihr Comeback auf die große Bühne erreichen. Sie hat sich nach dem erdrückenden Rummel für Jahre zurückgezogen. Als in der Nähe des Theaters ein Boot explodiert, verdächtigt die Polizei deswegen sofort Santello, etwas damit zu tun zu haben.

Die Situation spitzt sich noch zu, als die Garderobiere eine Treppe hinuntergestoßen wird und stirbt. Commisssario Brunetti (Uwe Kockisch)ist weniger überzeugt, womit er bei seinem Chef Patta (Michael Degen) aber auf knallharten Widerstand stößt. Bald ergeben sich Hinweise darauf, dass der Anschlag auf dem Boot dem Tenor Riccardo Braggadin (Vladimir Korneev) galt, der Petrelli die Show stehlen könnte. Hat Petrelli eine fanatische Verehrerin?

Oper und Venedig satt also, wobei es den Brunetti-Krimis noch nie an Schauwerten gemangelt hat: Die Lagunenstadt gibt schließlich immer etwas her. Dazu eine Handlung, die gar nicht mal ungeschickt Motive aus dem mehrfach verfilmten Schauerklassiker "Das Phantom der Oper" variiert: Eine Kombination, die phasenweise gar nicht schlecht funktioniert. Zumal das Attentat bzw. der Versuch gegen Braggadin von der Geschichte sehr clever angelegt wurde.

Wobei es allerdings an einer überzeugenden Gegenspielerin mangelt. Aus der reizvollen Figurenkonstellation  – einer lesbischen oder wenigstens bisexuellen Operndiva, ihrer fürsorglichen Hilfsbereitschaft gegenüber ihrer Garderobenfrau und der Figur der Mörderin - hätte das Drehbuch noch deutlich mehr herausholen können.

Die Schauspieler machen ihre Sache zwar gut, vor allem Leslie Malton. Die Auflösung aber, vor allem die Mörderin, erscheint verglichen mit den Schauwerten deutlich zu holzschnittartig. So bleibt immerhin ein Krimi übrig, der in manchen Zuschauern Lust darauf wecken könnte, mal wieder in die Oper zu gehen.

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