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Der erste Computer-Mensch

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Von: Marc Rybicki

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Der Thriller „The Imitation Game“ erzählt die tragische Geschichte des englischen Mathematikers Alan Turing, der den Nazi-Code „Enigma“ entschlüsselte.

Cumberbatch: Ein passender Name für eine der größten Entdeckungen des anglo-amerikanischen Films der letzten Jahre. Denn Cumberbatch bedeutet soviel wie „Strom in einem Tal“ – und mitreißend ist Benedict Cumberbatch in fast jeder Rolle. Der 38-jährige Londoner kann als Sherlock Holmes ebenso gefallen wie als böser Khan in „Star Trek“ oder als Stimme des Drachen Smaug in der „Hobbit“-Trilogie. Seine bislang beste Leistung aber erbringt Cumberbatch nun als Alan Turing in „The Imitation Game“. Der Film beruht auf der Lebensgeschichte des Computer-Pioniers. „Ohne Turings Beitrag wäre der Zweite Weltkrieg anders ausgegangen“, lobt Großbritanniens ehemaliger Premierminister Gordon Brown.

Anfang der 40er Jahre wurde das mathematische Genie Alan Turing vom britischen Geheimdienst angeheuert, um mit einer Gruppe von Kreuzworträtslern den „Enigma“-Angriffscode der Nazis zu entschlüsseln. Das für unmöglich gehaltene Unterfangen gelang, und Historiker sind überzeugt, dass dieser Erfolg den Krieg verkürzte und Millionen Leben rettete. Gedankt hat man es Turing zu Lebzeiten nicht. 1952 wurde er aufgrund seiner Homosexualität verhaftet, die damals in England noch unter Strafe stand, und zur chemischen Kastration verurteilt. Zwei Jahre später beging er Selbstmord. „Passen Sie gut auf“, sagt Turing alias Cumberbatch gleich zu Beginn des Films zu einem Polizei-Inspektor, der stellvertretend für das Publikum ermahnt wird. Denn Aufmerksamkeit ist im Lauf der kommenden 110 Minuten geboten.

Der norwegische Regisseur Morten Tyldum hat „The Imitation Game“, in dem es um die Enträtselung militärischer und menschlicher Geheimnisse geht, wie ein Puzzle zusammengesetzt. Da geht es um Turings Verhaftung, seine Erinnerungen an das schreckliche Außenseitertum in der Schule und seine rettende Jugendliebe Christopher – und natürlich um die Kriegsjahre, in denen Turing eine Denkmaschine baut, den Protoypen heutiger Computer, mit dem er „Enigma“ knackt. Dabei beherrscht er die Technik wesentlich versierter als das Zwischenmenschliche. Durch seine kaltschnäuzige Selbstgefälligkeit stößt er seine Mitarbeiter vor den Kopf. Trotzdem wirkt er vom ersten Moment an sympathisch. Dank Benedict Cumberbatch. Bei einem weniger fähigen Schauspieler wäre Turing zu einem verrückten Professor verkommen.

Doch Cumberbatch schafft es, alle Facetten dieser Persönlichkeit zu zeigen: autistisch, narzisstisch, besessen, witzig, sehnsuchtsvoll. Hauptsächlich arbeitet Cumberbatch mit seiner faszinierenden Stimme, weshalb man den Film in der Originalfassung sehen sollte. An seiner Seite riskiert Keira Knightley („Fluch der Karibik“) zu verblassen, aber sie meistert ihre Aufgabe als Dechiffrier-Meisterin Joan Clarke, mit der Turing eine Scheinehe einging, großartig. Gemeinsam ergeben sie Herz und Seele eines Dramas, das Spionage-Thriller und Lebensgeschichte geschickt verbindet, gegen den Konformismus des Denkens. Obgleich ein historischer Stoff, wirft „The Imitation Game“ zudem eine aktuelle Frage auf: Wieviel persönliche Freiheit ist man bereit, für die Freiheit der Demokratie zu opfern? Herausragend

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