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Exzentriker vom Dienst

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Von: Martin Schwickert

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HANDOUT - Johnny Depp als Charlie Mortdecai in einer Szene des Kinofilms "Mortdecai - Der Teilzeitgauner" (undatierte Filmszene). Die Komödie kommt am 22.01.2015 in die deutschen Kinos. Foto: David Appleby/StudioCanal (zu dpa-Kinostarts vom 15.01.2015 - ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den genannten Film und nur bei Urheber-Nennung Foto: David Appleby/StudioCanal bis 21.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
HANDOUT - Johnny Depp als Charlie Mortdecai in einer Szene des Kinofilms "Mortdecai - Der Teilzeitgauner" (undatierte Filmszene). Die Komödie kommt am 22.01.2015 in die deutschen Kinos. Foto: David Appleby/StudioCanal (zu dpa-Kinostarts vom 15.01.2015 - ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den genannten Film und nur bei Urheber-Nennung Foto: David Appleby/StudioCanal bis 21.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ © David Appleby/StudioCanal (David Appleby/StudioCanal)

Der lasterhafte englische „Teilzeitgauner“ ist unter der Regie von David Koepp hinter einem wertvollen Goya-Gemälde her. So wie eine Gruppe von Terroristen.

Wie keine andere pflegt die britische Kultur eine Vorliebe für Dandys und Exzentriker. Kaum vorstellbar, dass ein Romanheld wie Charlie Mortdecai außerhalb des Vereinigten Königreichs literarisch das Licht der Welt erblicken könnte. Die Figur des kapriziösen Lebemanns und Kunsthändlers stammt von Kyril Bonfiglioli, der hier Einiges aus seinem eigenen bewegten Leben in die Charakterisierung seiner Hauptfigur einfließen ließ. Der Krimi-Dreiteiler erschien in den 70er Jahren in bescheidener Auflage, erlangte jedoch später einen gewissen Status in der britischen Literaturszene. Dennoch ist der Stoff eine ungewöhnliche Wahl für einen Hollywood-Film mit Starbesetzung, wo man zurzeit doch eher in Bestseller-Verfilmungen und Comic-Adaptionen investiert. Aber Regisseur David Koepp hält in „Mortdecai“ einen wertvollen Trumpf in der Hand, und der heißt: Johnny Depp.

Schon nach wenigen Filmminuten kann man sich keinen anderen in der Rolle des lasterhaften Aristokraten vorstellen, der sich mit seinen Kunstgeschäften stets am Rande der Gesetzlichkeit und des finanziellen Absturzes bewegt. Ein verschollener Goya, der zudem noch zu geheimen Nazi-Millionen auf einem Schweizer Bankkonto führt, wird zum Objekt der Begierde terroristischer Gruppierungen, des britischen Geheimdienstes, russischer Mafiosi und eines amerikanischen Kunstsammlers (Jeff Goldblum). Im Konflikt mit den verschiedenen Interessenten steht dem bekennenden Feigling Mortdecai stets sein Butler Jock (Paul Bettany) zur Seite, der als unkaputtbarer Leibwächter zahllose Schläger- und Schießereien für den Arbeitgeber ausficht. Trotz seines ausschweifenden Lebenswandels führt Mortdecai mit seiner Frau Johanna (Gwyneth Paltrow) eine glückliche Ehe, wenn da nur nicht der Kampf um den neuen Schnurrbart wäre, in dem die Gattin mit Liebesentzug droht.

Allzu viel gibt die Geschichte, die Koepp und sein Drehbuchautor Eric Aronson aus der Romanvorlage „Nimm das Ding da weg!“ herausgefiltert haben, nicht her. Die Jagd nach dem Goya ist ein recht schwacher erzähltechnischer Vorwand für eine Episodenanordnung, die den schrulligen Helden in immer absurdere Situationen treibt. Immerhin kann Johnny Depp hier sein Handwerk als Exzentriker, das er sich als Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“, als verrückter Hutmacher in „Alice im Wunderland“ und als Willi Wonka in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ angeeignet hat, überzeugend weiterentwickeln. In der englischsprachigen Originalfassung hat er sich einen kunstvoll vernuschelten, britischen Slang zugelegt, dessen Synchronisation nur ein notwendiges Übel sein kann. Aber vor allem durch seine feine Mimik verleiht Depp dem eigenwilligen Wesen seines Mortdecai Ausdruck. Naives Erstaunen und hämische Freude, Angst und Abgeklärtheit, Irrsinn und Genie sind nur jeweils einen Lidschlag voneinander entfernt und bewahren der Figur eine gewisse Unberechenbarkeit, die der Story völlig fehlt. Regisseur Koepp verlässt sich zu sehr auf das erheiternde Potenzial seines Hauptdarstellers und verliert dabei die komödiantische Dynamik der Handlung aus den Augen, die sich zunehmend in müden Wendungen verstolpert. Annehmbar

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