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Richter Max Althammer (Franz Xaver Kroetz) lässt sich von Taxiunternehmerin Frieda Mirko (Maria Simon) zu seinen Verhandlungen fahren.

TV-Kritik

"Die Fahrerin": Kroetz gibt ein altes Schlitzohr

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Ein entspanntes Vergnügen: Nach jahrelanger Abwesenheit muss ein Richter in die Provinz, um dort kleinere Fälle zu verhandeln. Unser Kritiker meint: Einschalten lohnt sich auf jeden Fall.

"A bissl a Auszeit" hat sich Richter Max Althammer (Franz Xaver Kroetz) genommen und sich drei Jahre in exotischen Gegenden herumgetrieben. Jetzt ist der Weltreisende kurz vor seiner Pensionierung nach München zurückgekommen. Seine alte und über seine lange Abwesenheit noch ein wenig angesäuerte Freundin Dr. Bettina Schack (Suzanne von Borsody) ist mittlerweile zur Gerichtspräsidentin aufgestiegen und nimmt ihn auch tatsächlich wieder in Dienst.

Aber nicht in München – Althammer muss Fälle auf dem Land verhandeln. Weil er keinen Führerschein mehr hat, wozu Bettina Schack offenbar einen erheblichen Beitrag geleistet hat, braucht er eine Fahrerin: Frieda Mirko (Maria Simon). So gondelt er also auf dem Rücksitz eines wunderschönen und tiefschwarzen Citroën DS in die Provinz, um am dortigen Amtsgericht in kleinen Fällen zu urteilen.

Einmal geht es um einen Mann, der aus einem Supermarkt drei Glühbirnen genommen hat, weil er aufgrund einer Zeitungsanzeige glaubte, sie wären gratis: Dass diese Gratis-Glühbirnen an einen Mindesteinkauf gekoppelt waren, konnte er aus der Zeitungsanzeige nicht erkennen.

Der zweite Fall dreht sich um einen vorgeblichen Tierschützer, der eine Tier-Vermieterin massiv geschädigt hatte. Alles nicht allzu aufregend, auch wenn am Ende auch Stichworte wie falsche uneidliche Aussage und falsche Verdächtigung fallen. Um Delikte und Gerichtsverhandlungen geht es hier nur am Rande.

Regisseur und Autor Franz Xaver Bogner hat in seinen Filmen und Serien immer wieder mit sanfter Ironie die kleinen Eigenheiten seiner bayerischen Landsleute beleuchtet. Seine neue Reihe "Die Fahrerin" setzt dieses Konzept ein weiteres Mal um. So stehen auch weniger die Fälle selbst als die daran Beteiligten im Mittelpunkt. So ein Mann, der so komplett in seiner eigenen Welt lebt, dass ein Richter ihm zubilligt, anhand einer Zeitungsanzeige nichts vom Mindesteinkauf geahnt zu haben. Richter Althammer, selbst ein ziemlich kauziger Typ, erscheint dabei als gnädiger, aber gerechter Richter. Was genau ihn mit der Gerichtspräsidentin oder Frieda Mirko verbindet, deckt Bogner nur teilweise auf.

So entspannt, wie Richter Althammer seiner Arbeit nachgeht, hat Bogner auch die Geschichten konstruiert. So schickt Althammer Frieda Mirko zum Hof der Tiervermieterin, um dort ein paar Fotos zu machen, weil er sich selbst ein Bild der Tier-Vermieterin machen will. Und Frieda kann dort tatsächlich beobachten, wie jemand tote Hühner auf den Misthaufen kippt, um Beweise zu fälschen. Ein ziemlich gewagter Zufall!

Aber Bogner hat seine Charaktere dennoch so lebensnah entworfen, dass man solche dramaturgischen Unzulänglichkeiten gerne verzeiht. Man möchte gerne mehr erfahren über das, was Althammer mit Bettina Schack und Frieda Mirko verbindet. Als altersmildes Schlitzohr ist Franz Xaver Kroetz ein Genuss. Und optisch gibt es Verwöhn-Programm mit Oldtimer und bayerischer Gebirgslandschaft.

Es lohnt sich also, auch die nächsten Folgen der vorerst auf drei Teile beschränkten Reihe zu beachten. Warum das ZDF für die Ausstrahlung aber derart absonderliche Sendetermine dafür eingeplant hat, wird nicht einmal Richter Althammer herausfinden. Der zweite Teil kommt nächsten Samstag, 6. Januar, um 13.15, der dritte am Sonntag, 4. Februar, um 16 Uhr.

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