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"Im falschen Leben": Unbedingt sehenswert

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Von: Ulrich Feld

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Noch wissen Marie (Sonsee Neu) und Holger Siebrecht (Andreas Lust) nicht, dass die kleine Nora (Naja Hartmann) nicht ihr leibliches Kind ist.
Noch wissen Marie (Sonsee Neu) und Holger Siebrecht (Andreas Lust) nicht, dass die kleine Nora (Naja Hartmann) nicht ihr leibliches Kind ist. © (WDR Presse und Information/Bildk)

Wie

Wie ein Donnerschlag reißt Marie (Sonsee Neu) und Holger Siebrecht (Andreas Lust) die Nachricht aus ihrem geordneten Leben: Ihre Nora könnte nicht ihr Kind sein, es wurde in der Klinik vertauscht. Ein DNA-Test bringt Gewissheit: Die kleine Nora ist das Kind von Sandra Köpke (Anna Maria Mühe), einer alleinerziehenden Studentin von 23 Jahren. Ihr Kind heißt Maja.

Der Vater des Kindes, Nils (Maxim Mehmet), ist Musiker und jobbt nebenher noch in einer Bar. Er zahlt für das Kind, hat sich außerdem aber immer aus allem herausgehalten. Es dauert etwas, bis sich Sandra und Majas richtige Eltern mit der Situation arrangieren, doch es klappt besser, als vom Jugendamt befürchtet. Bis dann Marie Sandra ein Angebot macht: Sie könnten doch auch Sandras Kind adoptieren. Auf dem vereinbarten Termin zum Austausch der Kinder fehlt von Sandra und Maja jede Spur.

Mehr als eine Zustandsbeschreibung

Auf den ersten Blick ist der Film kaum mehr als eine Zustandsbeschreibung: Zwei kleine Mädchen wurden in der Klinik vertauscht. Die Eltern lernen sich kennen, gewöhnen sich aneinander, und am Ende kehrt jeder mit seinem eigenen Kind in sein Leben zurück. Doch der von Christiane Balthasar  nach einem Drehbuch von Regine Bielefeldt inszenierte Film will mehr und schafft das auch mit bemerkenswerter Konsequenz.

Mit kleinen Details baut die Geschichte Haken in den Handlungsverlauf ein, welche zusätzlich für Spannung sorgen. Unter dem Vorwand, auf die Toilette zu müssen, schaut sich Marie prüfend in Sandras Badezimmer um, versucht, Rückschlüsse daraus zu ziehen, in welche Hände sie das Kind abgeben muss, dass sie bislang für ihr eigenes hielt.

Achtung für die Studentin

Zugleich empfindet sie eine gewisse Achtung für Sandra: Marie ist Mitte 30 und als sie in Sandras Alter war, war sie schwanger und hat sich gegen das Kind entschieden. Es wurde abgetrieben. Sie bewundert Sandra insgeheim für ihren nüchternen Pragmatismus.

Die widerstrebenden Gefühle beider Parteien machen einen Großteil der Handlung aus. Dass auch mal die Presse Wind von der ganzen Sache bekommt, ist nicht mehr als eine im Grunde überflüssige Zutat. Die Regie findet eindrucksvolle Bilder und baut sie unauffällig in die Handlung ein: So die Szenen in der Schneelandschaft. Dazu kommen die ausgezeichneten Leistungen der Darsteller.

Allerdings hätte die Geschichte noch Potential für eine weitergehende Milieustudie besessen. Sandra ist als BWL-Studentin noch zu sehr eine jüngere Ausgabe von Marie. Ein chaotische Künstlerin oder eine Arbeiterin hätte mehr für einen Kontrast zu dem bilderbuchhaften Wohlstandsleben der Siebrechts gesorgt. Aber auch so ist der Film unbedingt sehenswert.

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