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ARD/NDR TATORT: FEGEFEUER, Regie: Christian Alvart, Autor: Christoph Darnstädt, am Sonntag (03.01.16) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Nick Tschiller (Til Schweiger) sitzt in der Falle und weiß nur noch einen Ausweg. © NDR/Gordon Timpen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter NDR-Sendung bei Nennung "Bild: NDR/Gordon Timpen" (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion, Tel: 040/4156-2306 oder -2305, pressefoto@ndr.de

TV-Kritik

"Fegefeuer": Der Überknaller

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Man traut seinen Augen nicht: So clever konzipiert und super umgesetzt hat man schon lange keinen Actionfilm mehr gesehen, es sei denn "Revolution" aus der Serie "Alarm für Cobra 11". Ok, alles vergessen und vergeben. Jetzt wird auch klar, warum Schweiger den Film der Presse vorher nicht zeigen wollte. Schon die erste Szene ist nämlich eine echte Super-Überraschung und zieht den Zuschauer sofort und bruchlos - Achtung, Spoileralarm! - in eine Geiselnahme in der Tagesschau.

Man traut seinen Augen nicht: So clever konzipiert und super umgesetzt hat man schon lange keinen Actionfilm mehr gesehen, es sei denn "Revolution" aus der Serie "Alarm für Cobra 11". Ok, alles vergessen und vergeben. Jetzt wird auch klar, warum Schweiger den Film der Presse vorher nicht zeigen wollte. Schon die erste Szene ist nämlich eine echte Super-Überraschung und zieht den Zuschauer sofort und bruchlos - Achtung, Spoileralarm! - in eine Geiselnahme in der Tagesschau.

 

Die Geiselnehmer geben sich als tschetschenische Islamisten aus, aber schnell stellt sich heraus, dass es in Wirklichkeit Russen sind. Sie fordern die Übergabe des Hamburger Unterweltkönigs Firat Astan (Erdal Yildiz), der in "Der große Schmerz" die Ex-Frau von Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger) erschoss. Doch mittlerweile bringt Tschiller Astan in seine Gewalt. Sowohl Tschiller als auch ein Krisenstab mit Hamburgs Innensenator Constantin Revenbrook (Arnd Klawitter) versuchen, die Geiseln freizubekommen.

Doch bald merken Tschiller und sein Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim), dass Revenbrook ziemlich viel mit den Geiselnehmern zu tun hat. Es geht um ein höchst verfängliches Video, Kontakte zwischen Astan und Revenbrook und ein großes Ding im Hamburger Hafen. Letzten Endes um eine Geiselnahme und Wertpapiere wie in "Stirb langsam" also. Ja, der wurde schon öfters kopiert, auch im "Tatort" - aber garantiert noch nie in einer so guten und originellen Variante wie hier.  

Denn vor allem geht es um Action, und da tritt der Film aufs Gaspedal, als wollte er nicht nur "Der große Schmerz", sondern auch sämtliche lahmen "Tatort"-Krimis der letzten Jahre auf einmal wettmachen. Da knallen Autos ineinander, brüllen schwere Motoren auf (Cadillac und Chrysler 300C Kombi), es gibt wilde Verfolgungsjagden plus knallharte Kämpfe auf Leben und Tod. Und dazu auch noch die pulsierende Musik von Martin Todsharow. Wie heißt es doch so schön in der "Enzyklopädie des Films"?

"Da Actionszenen einen starken emotionalen Appell ausüben und geeignet sind, den Zuschauer aus seiner kritischen Reserve zu locken, enthalten fast alle kommerziellen Filme dieses Element". Schön auf den Punkt gebracht - und so wahr! "Fegefeuer" liefert dafür ein ungemein überzeugendes Beispiel. Wer lästert noch über Schweigers Genuschel, wenn Tschiller  - Achtung, Spoileralarm! - mit der Panzerfaust ein Loch in die Wand einer Lagerhalle schießt und anschließend mit dem Auto durchbricht?

 

Gemacht ist das von Regisseur Christian Alvart hervorragend. Nicht nur der Film, auch die Kamera von Jakub Bejnarowicz bleibt nahezu unentwegt in Bewegung und gönnt sich keine Ruhepause. Das nächtliche Hamburg wirkt auch nicht trist, sondern eher geheimnisvoll und glamourös. Und gut, dass der Film zudem die Charaktere nicht vernachlässigt. Während ihrer gemeinsamen Fahrt durch Hamburg lernen sich Tschiller und Astan näher kennen und zeitweise scheint es, als entwickelte sich ein fast verschwörerisches Verhältnis zwischen den beiden.

 

Aber eben nur fast - denn Astan treibt bis zum Schluss sein eigenes Spiel oder plant das wenigstens. Schweiger und Yildiz passen ihre Rollen und die Actionszenen prächtig. Die Stunts sind vom Feinsten - so heiß hat man das im deutschen TV vermutlich noch nie gesehen. Das ist keine blasse Hollywood-Kopie, hier bekommt der Zuschauer echte Kino-Qualität geboten. Wer alles Pseudo-Intellektuelle überhat und sich als Kontrastprogramm nach einem richtig scharfen Stück Bewegungskino sehnt, sitzt hier goldrichtig. Der berühmte "Boah!"-Effekt - hier ist er!

Ihre Meinung interessiert uns! Wie fanden Sie den Tatort mit Til Schweiger? Schreiben Sie uns!

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