+
Diane Kruger spielt die Journalistin Elsa Casanova, die bei Recherchen in Afghanistan entführt und von einer französischen Sondereinheit wieder befreit wird.

TV-Kritik

"Flucht durch die Berge": Eine einzige Katastrophe

  • schließen

Die

Die französische Journalistin Elsa Casanova (Diane Kruger, bekannt aus "Troja") wird bei Recherchen in Afghanistan zusammen mit ihrem Dolmetscher Amin (Mehdi Nebbou) durch Handlanger des Taliban-Führers Ahmed Zaief (Raz Degan) gekidnappt. Im Élysée-Palastschrillen die Alarmglocken: Zaief will die Journalistin hinrichten lassen. Eine Sondereinheit wird nach Pakistan in Marsch gesetzt, um die Journalistin zu befreien.

 

Angeführt wird die Truppe von Kovax (Djimon Hounsou). Weitere Mitglieder sind dessen Freund Lucas (Denis Ménochet), Tic Tac (Benoît Magimel) und Elias (Raphaël Personnaz), ein professioneller Scharfschütze. Die Spezialisten springen mit dem Fallschirm ab. Dem Team gelingt im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan die Befreiung, doch dann steht allen ein Gewaltmarsch durch feindliches Gebiet bevor. Einige der Soldaten werden die Strapaze nicht überleben.

So genannte Rettungsfilme ("Rescue Movies") bilden im Actionfilm gewissermaßen ein eigenes Genre. Es gibt sie im Western - etwa "Die gefürchteten Vier" mit Burt Lancaster - zumeist aber im Kriegsfilm wie "Agenten sterben einsam" oder "Die Wildgänse kommen". In den achtziger Jahren schickte Hollywood dann besonders erfolgreich Silvester Stallone in "Rambo II" nach Vietnam, um dort US-Amerikaner aus Vietnam herauszuholen. Oder in "Aliens" gar ein Team auf einen fremden Planeten.

 

Die Handlung ist also in ihren Grundzügen nicht gerade innovativ, was aber noch kein große Problem darstellt. Dieser Film unterbietet allerdings alle Erwartungen an ein spannendes oder auch nur halbwegs realistisches Actiondrama. Das fängt schon in den ersten Filmminuten an, die wohl an die legendäre Helikopterszene aus "Apocalypse Now" erinnern sollen. Allerdings sind hier einfach nur Szenen mit fliegenden Hubschraubern in wilden Schnitten aneinandergeklebt und noch dazu mit einer grotesk unpassenden Musik untermalt.

So bekommt man aber immerhin schon mal einen passenden Vorgeschmack: Dramaturgisch und inszenatorisch herrscht nämlich ohnehin die ganze Laufzeit über ein einziges Chaos. Ständige unmotivierte Schnitte und Kameraschwenks sollen wohl sowas wie Dynamik erzeugen, wirken aber in ihrer Penetranz nur nervtötend. Eine Zeichnung oder gar Vertiefung der einzelnen Charaktere gibt es natürlich in keiner Weise. Man weiß nach einer halben Stunde noch kaum, wer die Mitglieder der Mission eigentlich sind.

 

Entsprechend platt sind die Dialoge, die bei den Soldaten erst mal überwiegend aus fröhlichen und dummen Sprüchen bestehen. Und der Rest ist plakativ und überwiegend funktionell gehalten, damit möglichst auch der unbedarfteste Zuschauer möglichst schnell kapiert, um was es geht. So ist Ahmed Zaief "der Schlächter von Kabul" und "ein unberechenbarer Fanatiker der Taliban".

Später wird es dann - man hält es kaum für möglich - aber noch viel schlimmer: "Ich garantiere, euch wird das Wasser im Arsch kochen. Ihr werdet Donnersalven herausjagen und hinten Blitze furzen, dass es nur so kracht!" Wie stümperhaft die ganze Szenerie zudem aufgebaut wurde, sieht man auch daran, dass viele Protagonisten nicht mal richtig in die Handlung eingeführt werden: Sie tauchen auf einmal auf und dazu wird dann ihr Name und dazu die Funktion kurz eingeblendet, etwa "Taliban-Führer". Mit den Schauplätzen geschieht das gleichermaßen.

 

Die Produktion wurde bei den Dreharbeiten kräftig von der französischen Armee unterstützt. Haben die Offiziere eigentlich das Drehbuch gelesen - wenn es denn eines gab? Trotz prominenter Besetzung kommt der Streifen rüber, als hätten die Macher einfach ein paar Actionfilme aus US-Produktion gesehen und dann selber ohne Ahnung vom Handwerk und ohne die geringste Mühe zu investieren einen Ballerfilm herunterkurbeln wollen. "Flucht durch die Berge" ist wirklich zum Fremdschämen - in jeder Beziehung.

     

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare