ARD/SWR FILMMITTWOCH IM ERSTEN, "Freistatt", am Mittwoch (12.04.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Wolfgangs (Louis Hofmann, links) bester Freund in Freistatt ist Anton (Langston Uibel).
© SWR/Boris Laewen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung bei Nennung "Bild: SWR/Boris Laewen" (S2). Presse / Fotoredaktion, Baden-Baden, Tel: 07221/929-22202, foto@swr.de
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ARD/SWR FILMMITTWOCH IM ERSTEN, "Freistatt", am Mittwoch (12.04.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Wolfgangs (Louis Hofmann, links) bester Freund in Freistatt ist Anton (Langston Uibel). © SWR/Boris Laewen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung bei Nennung "Bild: SWR/Boris Laewen" (S2). Presse / Fotoredaktion, Baden-Baden, Tel: 07221/929-22202, foto@swr.de

TV-Kritik

"Freistatt": Leider ein Thesenfilm

  • VonUlrich Feld
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In dieser von Gewalt, Willkür und unterdrückter Sexualität geprägten Umgebung lässt Regisseur Marc Brummond , der zusammen mit Nicole Armbruster auch das Drehbuch verfasste, eine Geschichte ablaufen, die diverse Versatzstücke aus Jugend- und Gefängnisfilmen von Charles Dickens-Adaptionen bis zu "Flucht von Alcatraz" verarbeitet. Nicht immer gelingt ihm das überzeugend "Freistatt" gehört zu jenen Filmen, die Missstände aufzeigen wollen und dabei Gefahr laufen zu einem Thesenfilm zu werden.

Heime als Mischung aus Kloster, Kaserne und KZ: Der Film „Freistatt“ legt die Vermutung nahe, dass sich seit der Zeit von Charles Dickens, der die Verhältnisse in Heimen unter anderem in seinem Roman „Oliver Twist“ beschrieben hat, dort im Prinzip nicht allzu viel geändert hatte. In Freistatt, dem Erziehungsheim in Niedersachsen, waren Gewalt, Unterdrückung, Zwangsarbeit und sexueller Missbrauch an der Tagesordnung.  In dieses Heim wird der renitente Wolfgang Louis Hofmann im Jahr 1968 auf Betreiben seines Stiefvaters Heinz (Uwe Bohm) eingewiesen.

Der säuselnd freundliche Empfang des Leiters Brockmann (Alexander Held) ist nur Fassade. Unter den Jugendlichen führt besonders der sadistische Bruder Wilde (Stephan Grossmann) ein strenges Regiment. Wenn einer der Jugendlichen Probleme macht, werden alle bestraft. Bruder Krapp (Max Riemelt) zeigt sich verständnisvoller, knüpft dabei aber auch eine homoerotische Beziehung zu dem schüchternen Mattis (Justus Rosenkranz).

Warum "Freistatt" ein Thesenfilm ist

  In dieser von Gewalt, Willkür und unterdrückter Sexualität geprägten Umgebung lässt Regisseur Marc Brummond , der zusammen mit Nicole Armbruster auch das Drehbuch verfasste, eine Geschichte ablaufen, die diverse Versatzstücke aus Jugend- und Gefängnisfilmen von Charles Dickens-Adaptionen bis zu "Flucht von Alcatraz" verarbeitet. Nicht immer gelingt ihm das überzeugend "Freistatt" gehört zu jenen Filmen, die Missstände aufzeigen wollen und dabei Gefahr laufen zu einem Thesenfilm zu werden.

Ein Film also, der neben seinem dokumentarischen Anliegen Handlung und Figuren vernachlässigt. Ganz frei davon ist auch "Freistatt" nicht. Von den Jugendlichen in der Anstalt individualisiert Brummond eigentlich nur den zunächst brutalen, dann fürsorglichen Bernd (Enno Trebs) überzeugend. Wolfgang darf sich im Laufe der Handlung erst aufmüpfig und zu Streichen aufgelegt zeigen und am Ende sogar unnötig brutal werden, doch wirklich greifbar oder schlüssig wird sein Charakter nicht.  

Szenen ohne Zusammenhang  

Aus der Handlung ergeben sich mitunter recht seltsame Szenen: So der Gemüsediebstahl unter den Augen des Heimleiters oder ein Moment, wo der Heimleiter sich ungerührt ein Stück von einem Kuchen schmecken lässt, den Wolfgang geschickt bekommen hat – obwohl er gerade die Nachricht bekommen hat, dass die Jungen seiner Anstalt gerade den Aufstand proben. Der Film hat deswegen an einigen Stellen Probleme, aus seinen vielen verschiedenen Szenen ohne echten Zusammenhang eine richtige Geschichte zu entwickeln.

Dazu kommt die mitunter recht dick aufgetragene Symbolik wie etwa die beiden Vögel, die kurz auftauchen, als Wolfgang mit Anton (Langston Uibel) flüchtet oder der Vogelschwarm bei der Massenflucht nach Antons Selbstmord. Am besten gelungen in dem Film zeigt sich die Kamera von Judith Kaufmann, aber auch das kann die dramaturgischen Probleme des Films nicht überspielen. Die Rollen sind zwar gut besetzt, das Thema hätte aber eine besser entwickelte Handlung verdient.

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