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"Freundinnen - Alle für eine": Krebitz spielt herausragend

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Von: Ulrich Feld

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ARD Degeto FREUNDINNEN - ALLE FÜR EINE, am Freitag (10.02.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Zurück auf die Bühne: Sängerin Sascha (Nicolette Krebitz, re.) und Gitarristin Karla (Katja Riemann).
© ARD Degeto/Frank Dicks, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter Degeto-Sendung und bei Nennung "Bild: ARD Degeto/Frank Dicks" (S2). ARD Degeto/Programmplanung und Presse, Tel: 069/1509-335, degeto-presse@degeto.de
ARD Degeto FREUNDINNEN - ALLE FÜR EINE, am Freitag (10.02.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Zurück auf die Bühne: Sängerin Sascha (Nicolette Krebitz, re.) und Gitarristin Karla (Katja Riemann). © ARD Degeto/Frank Dicks, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter Degeto-Sendung und bei Nennung "Bild: ARD Degeto/Frank Dicks" (S2). ARD Degeto/Programmplanung und Presse, Tel: 069/1509-335, degeto-presse@degeto.de © (ARD Degeto/Programmplanung und P)

Mit einem Frauenfilm will die ARD aus dem gewohnten Schema des Freitagabend-Wohlfühlfilms ausbrechen. Was aber nur bedingt klappt. Über weite Strecken entsteht weniger der Eindruck einer Filmhandlung, sondern vor allem einer Zustandsbeschreibung: die von Frauen in und jenseits der Menopause. Zu Beginn macht der Film noch vieles richtig: Die Charaktere sind zwar schematisch auf Gegensätzlichkeit entworfen und speziell im Fall von Katja Riemanns Karla auch auf Krawall gebürstet, wodurch ein leichter Klamauk-Faktor ins Spiel kommt.

Sicher der ultimative Albtraum: Krebs. Das Todesurteil, das mörderische Gewächs, das sich auch durch Chemotherapie nicht mehr beeindrucken lässt. Sascha (Nicolette Krebitz) trägt es in sich, würde gerne darüber reden. Ihrem heranwachsenden Sohn Paul (Damian Hardung) hat sie es verschwiegen, dafür würde sie es gerne ihrer Freundin Karla (Katja Riemann) erzählen. Aber die sprudelt über vor ihren eigenen Problemen: Sie kann kein Kind mehr bekommen, dafür befindet sie sich jetzt in den Wechseljahren.

Und ihr Mann Max (Thomas Huber) hat eine seiner früheren Schülerinnen geschwängert. Zu den beiden Frauen kommt noch Karlas Schwester Alice (Sophie von Kessel). Die hat Karriere gemacht und obwohl es unter der glänzenden Oberfläche gärt, nehmen sich ihre Probleme verglichen mit denen ihrer Schwester und noch mehr mit denen von Sascha harmlos aus. Das Frauen-Trio formte viele Jahre zuvor die Band "ChiX" und will noch einmal im Club von Veranstalter Roy (Ben Becker) auftreten. 

Krebs und Klamauk

Mit einem Frauenfilm will die ARD aus dem gewohnten Schema des Freitagabend-Wohlfühlfilms ausbrechen. Was aber nur bedingt klappt. Über weite Strecken entsteht weniger der Eindruck einer Filmhandlung, sondern vor allem einer Zustandsbeschreibung: die von Frauen in und jenseits der Menopause. Zu Beginn macht der Film noch vieles richtig: Die Charaktere sind zwar schematisch auf Gegensätzlichkeit entworfen und speziell im Fall von Katja Riemanns Karla auch auf Krawall gebürstet, wodurch ein leichter Klamauk-Faktor ins Spiel kommt.

  Durch das direkte Nebeneinander von Komik (Karla) und Tragik (die todgeweihte Sascha) entsteht auch eine hohe Grundspannung.  Aber diese Spannung verpufft schon bald, weil das Drehbuch den wichtigsten Konflikt der Geschichte viel zu schnell und außerdem zu flach auflöst: Wie lange kann Sascha vor ihrem Sohn noch ihre schreckliche Erkrankung geheim halten und wie wird Paul auf die Nachricht reagieren, dass er seine Mutter bald verlieren wird? Von da an ahnt man schon frühzeitig, wie die Geschichte weitergehen wird.

Ben Becker unter Wert verkauft

Vor allem, wenn dann noch Roy auftaucht, dem Ben Becker mit trauerumflorten Dackelblick Gestalt verleiht. Auch hier hätten die Personen mehr Reibung untereinander vertragen können: Die Spannung der oft sanft vor sich hinplätschernden Geschichte wäre erheblich höher ausgefallen. Dass die Riemann überzeugend die Wilde und Unkonventionelle geben kann, hat sie schon vielfach bewiesen – zuletzt als Radio-Seelsorgerin und Psychologin Emma Mayer im ARD-Zweiteiler "Emma nach Mitternacht".

In "Freundinnen" kann sie dieses Rollenklischee mit hochgetürmten Dreadlocks einerseits noch einmal ausleben, andererseits auch wieder variieren: Ihre Karla muss erkennen, dass ihre besten Jahre hinter ihr liegen und ihr das Mutter-Sein – das in gewisser Weise auch das Ankommen im bürgerlichen Leben symbolisiert – versagt geblieben ist. Spielerisch macht Katja Riemann das sehr gut.

Charakterstudie, die zu Herzen geht

Aber sie muss gegenüber Nicolette Krebitz zurückstecken, denn die hat einfach die stärkste Rolle in dem Film: Schon wenn sie zu Beginn mit steinernem Blick ein Polster in ihren BH legt, entsteht eine fröstelnde Stimmung. Und auch wenn das Drehbuch diesem Aspekt bei weitem nicht optimal nutzt: Krebitz schafft es, ihre Sascha als überaus eindrucksvolle Studie einer Frau zwischen Verzweiflung, Verwundbarkeit und Mut zu gestalten. Das hinterlässt in "Freundinnen – Alle für eine" den mit Abstand stärksten Eindruck.

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