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ARD/WDR DIE FÜCHSIN - DUNKLE FÄHRTE, Regie Samira Radsi, Buch Ralf Kinder, am Donnerstag (17.12.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) lebt als Hartz-IV-Empfängerin in einer Hochhaus Wohnung in Düsseldorf. Ihre Identität als frühere DDR-Spionin hält sie geheim. © WDR/Martin Rottenkolber, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Martin Rottenkolber" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

TV-Kritik

"Die Füchsin": Schwacher Auftakt

Eine

Eine ehemalige Stasi-Agentin als Ermittlerin? Klingt ja erst mal nach einer echt originellen Idee. Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) diente einst unter Mielke, bis sie ausstieg - mit heftigen persönlichen Konsequenzen für sie. Jetzt lebt sie in Düsseldorf in einer Hochhaussiedlung von Hartz IV. Ihre Wohnung ist so kahl wie ihr Leben, außer zu der Wirtin Simone Papst (Jasmin Schwiers) unterhält sie fast keine sozialen Kontakte. Dafür redet sie ihrer Kaffeemaschine gut zu. Das Stück hat schon einige Jahre auf dem Deckel.

 

Diese Wirtin ist es auch, die Fuchs wieder in Aktion bringt: Ihr Bruder ist spurlos verschwunden und ein Freund des Bruders wurde tot aufgefunden. Es war ein gewaltsamer Tod. Simone bekommt zufällig mit, das Simone davon ihrem Mann Youssef El Kilali (Karim Cherif) erzählt, und bietet ihre Hilfe an. Ermitteln, schnüffeln, eine Spur erkennen und aufnehmen - das hat sie ja zur Genüge noch drauf. Youssefs weiterer Job besteht nun darin, die Fuchs zu fahren und ihr als Gesprächspartner und Stichwortgeber zur Seite zu stehen.

 

 

Es geht um eine Spekulation mit Immobilien, in den auch Simones Vater verwickelt ist - sein Sohn gehörte der Hausbesetzer-Szene an und half dadurch mit, die Pläne seines Vaters zu blockieren. Vor allem aber geht es um Anne Marie Fuchs, die erst im Handlungsverlauf etwas mehr von sich preisgeben darf. Wobei das nicht eben originell rüberkommt: Die Einblendungen ihrer Vergangenheit etwa kommen ziemlich plötzlich und unerwartet. Ene Unsitte, die bei Machern von TV-Krimis anscheinend immer beliebter wird.

(nur von 20 bis 6 Uhr verfügbar)  

"Die Füchsin - Dunkle Fährte" hat einen klaren Pluspunkt: Lina Wendel, die ihrer verhärmten Agentin mit zurückhaltenden Gesten und sparsamer Mimik auf feine Art eine gewisse Undurchdringlichkeit verleihen kann. Zugleich aber zeigt sie auch die Grenzen der Figur auf: Jemand, der von Hartz IV lebt, einen halbwegs gut bezahlten Job in der Sicherheitsfirma eines ehemaligen Kollegen ausschlägt und stattdessen lieber für eine Kaffeemaschine arbeitet, ist eine reine Kunstfigur. Originell bedeutet noch lange nicht auch glaubhaft.

 

 

Man fragt sich sofort, wie eine Frau, die von Hartz IV lebt und so wenig Kontakte hat, eigentlich ihre Zeit herumbringt - hört sich zwar irgendwie tragisch, aber auch reichlich öde an. Als ähnlich zusammenkonstruiert erweist sich auch die Handlung. Allein schon wie die ganze Aktion in die Gänge kommt, nur weil die Kaffeemaschine ihren Geist aufgegeben hat. Und wie viel Hintergrundinformation das Drehbuch in die Dialoge presst. Die passend zur Handlung und Hauptfigur auch noch ziemlich geschraubt klingen. 

 

Gelegentlich versucht sich der Dialog in Pointen, die ähnlich mühsam zusammengeschustert sind wie der ganze Rest - etwa wenn sich Fuchs und Youssef zu Beginn ihrer Ermittlungen über das Aussteigen aus einem Fahrzeug unterhalten. Man merkt dem Auftakt einer geplanten neuen Reihe noch sehr sein tastendes Suchen nach einer neuen Linie an. Überzeugen kann das noch längst nicht, aber warten wir mal ab: Auch in der ARD-Reihe "Alles Verbrecher" war der Auftakt ein Fiasko, wogegen die Fortsetzung die Latte schon deutlich höher legte. Und nach oben ist auch in "Die Füchsin" noch jede Menge Luft.

 

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