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Ist es schon Traum oder noch Realität? Bella Block erblickt hoch oben die tote Sandra Lehnhoff (Luise Heyer), sie schaut durch ein Gitter.

TV-Kritik

"Für immer und immer": Halbgare Mixtur

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Krimi mit Melodram und Grusel kombiniert verspricht eine spannende Mischung. Warum der Film aber dennoch enttäuscht.

Es sollte ein Ausflug mit viel Kultur und Stadtbesichtigung werden, als Bella Block (Hannelore Hoger) mit Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) nach Lissabon reist. Hürrig will dort seinen alten Freund Bernhard Greve (Henry Hübchen) besuchen. Doch die Freude nimmt ein jähes Ende, als eine junge Frau vom Cateringservice tot am Aussichtspunkt Elevador de Santa Justa aufgefunden wird.

 

Bella Block forscht in der Vergangenheit der Toten und über ihre Verbindung mit Greve, womit sie sich bei der portugiesischen Polizei natürlich keine Freunde macht. Und auch bei Mehlhorn nicht, der seinem alten Freund den Rücken stärken will. Aber da ist noch Max von Holt (Ernst Stötzner), ein Geistlicher und ebenfalls ein alter Freund von Bernhard. Es scheint, als wüsste er mehr, als er zugeben will.

In der Krimi-Serie "Bella Block" stellt dieser Film einen Ausnahme-Fall dar. Weniger durch seine Qualität als durch seine Auflösung: Was wie ein Kriminalfall beginnt, entpuppt sich am Ende als gepflegtes Melodrama mit gleich zwei Todesfällen. Dabei geht es um Hörigkeit, gebrochene Versprechen, den Verlust von Illusionen und eine mit bemerkenswertem Feingefühl inszenierte lesbische Liebe.

Die Stadt Lissabon ist filmisch noch unverbraucht und liefert zu der Geschichte einen passend düsteren Hintergrund. Die Bildsprache wirkt bisweilen surreal, etwa wenn die Tote mehrfach vor den Augen der Kommissarin auf dem Aussichtspunkt auftaucht und sich dabei direkt an sie wendet oder im Gedränge dicht neben ihr steht. Es erinnert ein wenig an den Gruselklassiker "Tanz der toten Seelen" und passt auch nicht schlecht zu der tragischen Dreiecksgeschichte, die zeitweise Anleihen am viktorianischen Schauerdrama nehmen will. 

 

Wie überhaupt ein Hauch von Tod, Trauer, Verblassen und Vergänglichkeit - auch von Freundschaft - den ganzen Film durchzieht. Wie ein Abgesang auf die müde und milde gewordene Bella Block selbst wirkt es da, wenn sie auch von der Polizei nur noch als Störenfried wahrgenommen und behandelt wird. Hannelore Hoger macht sich ganz gut als Frau, die keine Illusionen mehr hat. Allerdings fesseln diese Handlungselemente nur bedingt, weil sie in ihren Ansätzen stecken bleiben.

Wird Bella Block im Alter seltsam oder hat sie selbst Todesahnungen? Der Film vertieft hier nichts, sondern entlarvt diese Einschübe als reine Traumszenen. Sie zeigen sich darum als Stückwerk, das sich nur schwer mit den Erfordernissen eines Serienkrimis zusammenfügt. Vor allem, weil der Film am Ende auch als Krimi nicht überzeugt: Bella Block löst zwar den Fall, aber ihre Methode kann sich dem Zuschauer unmöglich erschließen. Am Ende zaubert sie die Lösung wie ein Kaninchen aus dem Hut.

 

Die im Prinzip recht spannenden Hintergründe erschießen sich zudem nicht filmisch im Zusammenhang mit der Handlung, sondern werden rein verbal geklärt. Fazit: Schöne Ansätze, feine Hintergrundgeschichte, aber nur unzureichend umgesetzt. Auch mehrere gute Ideen samt gekonnter Inszenierung und guter Darsteller ergeben noch keinen wirklich guten Film.

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