Die Kommissare Verena Berthold (Maja Maranow) und Otto Garber (Florian Martens) stoßen bei ihren Ermittlungen zum Mord an Jacobs auf Abgründe.
+
Die Kommissare Verena Berthold (Maja Maranow) und Otto Garber (Florian Martens) stoßen bei ihren Ermittlungen zum Mord an Jacobs auf Abgründe.

TV-Kritik

"Geplatzte Träume": Maranows starker Abschied

  • vonUlrich Feld
    schließen

Sich

Sicher gab es in der ZDF-Serie "Ein starkes Team" nicht oft so viele Tatverdächtige: Der ermordete Bauunternehmer Dietmar Jacobs (Gerhard Haase-Hindenberg) war ausnehmend begabt darin, sich Feinde zu machen. Er riss viele kleine Häuslebauer mit sich in den Ruin, hatte einen Toten auf seiner Baustelle zu verantworten, betrog seine Ehefrau Ulrike(Sibylle Canonica). Und erpresste außerdem noch Tanja (Isabell Gerschke), die Gattin seines Angestellten Kai Seifert (Matthias Koeberlin), zum Sex.  

Tanja ist eine alte Freundin der Ermittlerin Verena Berthold (Maja Maranow), die zusammen mit ihren Kollegen Otto Garber (Florian Martens) und Ben Kolberg (Kai Lentrodt) die Ermittlungen aufnimmt. Sie stoßen auf etliche Abgründe: Kai Seifert duldete kochend vor Wut das Verhältnis seiner Ehefrau, um seinen Job zu behalten. Tanja ist schwanger und weiß nicht, ob von Jacobs oder ihrem Ehemann. Auch sonst hat sie keinen Grund zur Freude: Ihre Mutter Johanna (Johanna Gastdorf) ist wieder an Krebs erkrankt.

 

 

Glaubwürdige Szenen, Charaktere und Milieu-Beschreibungen gehörten schon immer zu den ganz besonderen Stärken der ZDF-Serie "Ein starkes Team". Aber was sich hier auftut, ist schon eine richtige kleine Hölle: Familiäre Abgründe, Pleiten, gescheiterte Existenzen, ein rabiater Geldeintreiber und viele Szenen von Trauer, Krankheit und Tod bestimmen die Szenerie. Auf die regelmäßig auflockernden komödiantischen Zwischentöne verzichtet der Film fast gänzlich, selbst der Auftritt von Sputnik (Jaecki Schwarz) fällt vergleichsweise ernst aus.

 

Es scheint, als hätten alle an dem Film Beteiligten gewusst, dass Maja Maranow nicht mehr lange zu leben hatte: Die Atmosphäre von Wut, Resignation und Aggression ist von der ersten Szene an, wenn Ulrike Jacobs das Whisky-Glas umklammert hält, zum Schneiden dicht und liegt wie ein Leichentuch auf dem Film. Auch die Musik vermittelt eine ungemein beklemmende Stimmung. Die Inszenierung tut ein Übriges: Die vorherrschenden Farben sind dunkel und wenn die Ermittler aus ihrem Dienstauto aussteigen, stehen sie im Morast.

 

 

Man könnte auch sagen, sie stecken tief im Dreck, wie auch alle Häuslebauer, die Jacobs in den Ruin getrieben hat und die nun mit allen Mitteln versuchen, ihre Bauruinen auf eigene Faust fertigzustellen. Der Spannung ist das allerdings höchst zuträglich: Formal und inhaltlich gerät der Krimi weit über Durchschnitt. Viele bekannte TV-Gesichter geben sich ein Stelldichein. Unter ihnen ragt Johanna Gastdorf als krebskranke Mutter von Verenas Freundin Tanja heraus, obwohl sie nicht allzu viele Szenen hat.

 

Aber natürlich ist es Maja Maranow, die besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und sie gibt eine starke Abschiedsvorstellung in ihrem letzten Film: Mehr denn je ist Verena Berthold eine Frau, die schon viel gesehen hat, der man nichts mehr vormachen kann und die dennoch Wärme und Mitgefühl ausstrahlt. Maja Maranow gehörte zu den attraktivsten Schauspielerinnen im deutschen TV, aber vielleicht war sie nie eindrucksvoller als hier, mit einem Zug von Resignation und Melancholie, mit einer gewissen Fragilität. Ein toller letzter Auftritt ist es auf jeden Fall.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare