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Betreuerin Sandra (li.) hilft ihrer Klientin Angelika dabei, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Sie hat ihr Konto überzogen.

TV-Kritik

"37 Grad": Die private Hölle

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Ein Alptraum, eine Hölle für jeden: Der Verlust an Selbstständigkeit, an Autonomie, an Handlungsfähigkeit. Die Gründe sind vielfältig: Es kann sich um falsche Entscheidungen im Lebensweg handeln, dem Griff zu Drogen, Depressionen oder Demenz. Hier sind gesetzliche Betreuer gefragt. Sie bieten Hilfe für all diejenigen, die sich selbst nicht mehr helfen können. Die ZDF-Reportagereihe "37 Grad" begleitet für "Wenn das Leben aus dem Ruder läuft" zwei gesetzliche Betreuer durch ihren beruflichen Alltag: Siegmar Mücke, 58 Jahre alt, und Sandra, 43 Jahre alt.

 

Ein Ausbildung für diesen Beruf gibt es nicht. Gesetzliche Betreuer müssen sich in vielen Bereichen auskennen. Sie benötigen oft medizinische Kenntnisse, organisieren aber auch Behördengänge, räumen auf und aus. Oder regeln Verhandlungen mit Banken. So wie Sandra bei Angelika. Die stark übergewichtige und psychisch kranke Frau lebt von Sozialhilfe, gibt aber dennoch gerne viel zu viel Geld für CDs und Nippes aus. Ihre Konto-Auszüge sind bedrohlich im roten Bereich.

 

 

Aber Angelika ist nicht die die einzige Klientin, um die Sandra sich zu kümmern hat. Kornelia ist erst 50 und hatte vor wenigen Jahren ihr Leben noch völlig im Griff. Sie arbeitete als Verkäuferin, hatte Kinder, Enkel. Doch dann die Diagnose "Chorea Huntington": eine Erkrankung des Gehirns, die die Steuerung der Muskeln beeinträchtigt und zur Demenz führt. Seitdem ist sie schwerbehindert. Sandra kümmert sich bei ihr auch um Dinge wie einen kaputten Kühlschrank in der Küche ihrer Patientin.

 

Häufig ist die Arbeit mit psychischen Belastungen für die Betreuer verbunden. So für Siegmar M. bei einem Besuch bei Peter, den er seit zehn Jahren kennt. Der trockene Alkoholiker leidet an Krebs im Mundraum. Das deutliche Sprechen bereitet ihm Mühe, er ist stark abgemagert. Siegmar M. will Peter in einem Hospiz unterbringen. Es gibt nicht viele, die Siegmar M. duzen dürfen, aber Peter gehört dazu. Ansonsten ist Siegmar M. aber bestrebt, zu seinen Fällen die professionelle Distanz zu wahren.

 

 

Hilfe in schwierigen Lebenssituationen, aber auch seelische Unterstützung gehören zu den Aufgaben eines Betreuers. Nicht allen Klienten ist das willkommen. Sie sind häufig ausgegrenzt und fühlen überdeutlich, dass sie nicht mehr dazugehören. Siegmar Mücke. besucht einen Mann, der an Depressionen leidet und sich seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet hat. Auf Klopfen öffnet der Mann aber nicht. Hat er Selbstmord begangen? Es wäre nicht das erste Mal, dass Mücke so etwas erleben müsste. Er. kündigt an, notfalls die Wohnungstür seines Klienten öffnen zu lassen und die Polizei zu rufen.

 

Endlich wird die Tür geöffnet - doch die Erleichterung ist nur vorübergehend. Einen solchen Fall kann kein Betreuer alleine managen. Reich wird man bei dieser Arbeit nicht. Mücke hat 50 Klienten, für jeden bekommt er im Monat dreieinhalb Stunden von der Justizkasse bezahlt. Pro Stunde sind das 33,50 Euro. Aber für viele Klienten reichen diese dreieinhalb Stunden nicht. Das bedeutet jede Menge Mehrarbeit, und die wird nicht extra bezahlt.

 

All das erfordert ein hohes Maß an Idealismus. Für die Arbeit braucht es darum bestimmte Fähigkeiten und eine ganz  bestimmte Einstellung. Siegmar M., ein gelernter Krankenpfleger, wollte schon immer Menschen helfen. Er bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Da gehört schon ein Stück Berufung dazu, um zu sagen, ich fühl mich für diesen Job berufen.

 

   

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