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"Der Hafenpastor": Gefühlvoll inszeniert

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Kinder als Eltern: Pastor Stefan Book (Jan Fedder) will Paloma (Swantje Kohlhof) und ihrem Freund Winnie (Anh-Quoc Doan) in der schwierigen Lage beistehen. Bild: NDR/Degeto/Sandra Hoever
Kinder als Eltern: Pastor Stefan Book (Jan Fedder) will Paloma (Swantje Kohlhof) und ihrem Freund Winnie (Anh-Quoc Doan) in der schwierigen Lage beistehen. Bild: NDR/Degeto/Sandra Hoever © (NDR Presse und Information)

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Pastor Stefan Book (Jan Fedder) hat in seiner Gemeinde auf dem Kiez in Hamburg viel Arbeit: Er muss seinen lebensmüden Küster Eddie (Tim Grobe) vom Selbstmord abhalten, die sterbende Wirtschafterin Rosi (Ingrid van Bergen)im Krankenhaus besuchen und die 16-jährige Konfirmandin Paloma (Gro Swantje Kohlhof) ist hochschwanger: Auf einem von Book betreutem Ausflug kam sie einem Jungen näher, einem Vietnamesen namens Winnie. Der Vater des Jungen hat Book wegen Verletzung der Aufsichtspflicht angezeigt.

Als das Kind auf die Welt kommt, will Book mit Hilfe seiner Gefährtin Sabine (Margarita Broich) dafür sorgen, dass sich Paloma und ihr gleichfalls noch minderjähriger Freund trotz aller Probleme um das Baby kümmern können. Doch Paloma ist mit der Verantwortung überfordert und lässt sich darum mit dem Zuhälter Bodo (Uwe Bohm) auf ein verhängnisvolles Geschäft ein - und verkauft das Kind. Book und seine Schwester, die Polizistin Rita (Marie-Lou Sellem), versuchen verzweifelt, das Schlimmste zu verhindern.

Der Fortsetzung des erfolgreichen TV-Films "Der Hafenpastor" (2012) beeindruckt vor allem mit hautnahen Milieubeschreibungen aus sozialen Randgruppen. Dass er dabei Palomas Mutter oder den Zuhälter Bodo auch mit einigen Klischees zeigt - etwa die Mutter als schon ziemlich verkommene Alkoholikerin - lässt sich verschmerzen. Die Geschichte entwickelt durch ihr hohes Tempo und ihre einfühlsame Erzählweise nämlich eine starke Sogwirkung.

Glaubwürdige Details

Glaubwürdigkeit bekommt der Film dabei durch fein inszenierte Details des Teenager-Elternpaares, welche die beiden mit altersgemäßen Charakterzügen präsentiert: So sitzen sie in einer Szene im Bett und hören laut Musik, während das Kind ungefüttert zwischen ihnen liegt. Auch wenn Winnie auf seinen Computer starrt und ein Video-Kriegsspiel spielt, anstatt sich um sein schreiendes Kind zu kümmern, zeigt sich, dass der Charakter von seiner Aufgabe vollkommen überfordert ist - und das steigert auch die Spannung.

Von den Darstellern überzeugt am meisten Jan Fedder, der in der Rolle des kränklichen Book ebenso aufgeht wie Book in seinen Pflichten als Seelsorger. Dass Fedder erst kürzlich nur knapp einer Krebserkrankung entging, verleiht seiner Rolle dabei eine besondere Authentizität. Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt: Besonders Swantje Kohlhof verkörpert die Paloma mit unglaublicher Überzeugungskraft.

Total überflüssige Nebenhandlung

Alles bestens also mit dem zweiten Film des Hafenpastors? Leider nein. Es gibt eine Nebenhandlung um den Küster Eddie, der Rosi für seine Mutter hält. Die Szenen, in denen er Rosi aus dem Krankenhaus herausschmuggelt und sie in die Kirche schleppt, sind restlos unglaubwürdig und an Kitsch kaum zu überbieten. Stattdessen wären noch etwas mehr Hintergründe um die Hauptfiguren des Dramas weit besser gewesen.

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