Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set. Bild: BR/Hagen Keller
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Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set. Bild: BR/Hagen Keller

TV-Kritik

"Hardcore": Der "Tatort" wird schlüpfrig

  • VonUlrich Feld
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Ein

Ein Ausflug in die Porno-Branche? Wenn es um Milieustudien ging, zeigten die "Tatort"-Macher nicht immer eine glückliche Hand. Und jetzt geschieht in München ein Mord nach einem Porno-Dreh. Das Opfer: Marie Wagner, Künstlername Luna Pink, aus besten bürgerlichen Verhältnissen. Ihr Vater Rudolf Kysela (Götz Schulte) ist gar ein renommierter Staatsanwalt. Die altgedienten Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) diskutieren, wer ihm den Tod seiner Tochter beibringt und wer, womit sich seine Tochter ein Zubrot verdiente.

Dass eine ermordete Porno-Darstellerin ausgerechnet einen Staatsanwalt zum Vater hat, ist natürlich schon eine ziemlich gewagte Konstruktion. Sie zeigt aber auch, worauf die Macher des neuesten Münchner "Tatort"-Beitrags besonderen Wert gelegt haben: nämlich auf den Gegensatz von Schmuddelwelt und bürgerlicher Komfortzone, zwischen wildem Gangbang mit Unbekannten und einem kleinen Sohn zuhause. Und das ist nicht die schlechteste Art, einen Blick hinter die Kulissen des Porno-Geschäfts zu werfen.

Auch Porno ist nur ein Geschäft

Dabei zeigt sich nämlich, dass sich diese beiden scheinbar so weit entfernten Welten auch immer wieder überschneiden. Wie jeder bürgerliche Unternehmer hat auch ein Porno-Produzent mitunter heftige Probleme durch Konkurrenten oder verliert Geld, weil ein Dreh in die Hose geht. In einer netten Szene diskutiert Leitmayr mit zwei Porno-Darstellern über geldwerte Vorteile und Betriebsausgaben, während die beiden sich mit Häppchen stärken und für die nächste Nummer in Form bringen.

Der Kontrast zeigt sich reizvoll konstruiert. Es entsteht ein Spannungsfeld aus überwiegend verbal vermittelten Schlüpfrigkeiten und emotionalen Verwicklungen, wobei Götz Schultes schauspielerische Leistung als gebrochener Vater besonders unter die Haut geht. Die damit verbundene Krimi-Handlung entwickelt sich anfangs vergleichsweise eher schleppend. Einzelne Details verbinden sich erst gegen Ende zu einem schlüssigen Ganzen.

Der Mörder bleibt zu blass

Darunter leidet besonders die Auflösung. Der Mörder verfügt zwar über ein sogar bewegendes Motiv, hat aber zuvor in der Handlung keine allzu starke Präsenz. Es wirkt deswegen etwas aus dem Hut gezogen, wenn der Ehemann seiner Frau ohne Not beichtet, dass er ihre Freundin getötet hat, um sie vor der Versuchung der Branche zu schützen. Einer Branche, in der sie schon einmal gearbeitet hat und die offenbar nicht nur für Käufer einen sehr speziellen Reiz besitzt.

Mitunter irritieren auch Details: Ist es dermaßen einfach, Zugang zu einem Porno-Dreh zu bekommen? Von diesen kleinen Schwächen abgesehen, ist den Münchnern aber ein ganz ordentlicher Fall gelungen. Nur wenn Batic sich moralisch entrüstet, klingt das schon etwas befremdlich. Da war Andreas Lust als Porno-guckender Ermittler im Münchner "Polizeiruf"-Krimi "Morgengrauen" doch glaubwürdiger.

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