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Der Hass trennt die Rassen

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Von: Sabine Kinner

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Der Geschichtsfilm „Selma“ erinnert daran, wie in der gleichnamigen Stadt die schwarze Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King aufmarschierte.

Anfang der 60er Jahre kommt Amerikas schwarze Bürgerrechtsbewegung in eine entscheidende Phase. Anführer Martin Luther King (David Oyelowo) gibt sich nicht damit zufrieden, dass die Neger (wie er die Bürger seiner Rasse ganz sachlich nennt) zwar theoretisch das Wahlrecht haben, es aber in den Südstaaten nicht ausüben können. Wo immer ein Schwarzer sich dort in ein Wählerverzeichnis eintragen möchte, werden ihm die Auflagen von den weißen Amtsträgern so erschwert, dass er aufgeben muss.

Nach einem letzten vergeblichen Gespräch mit dem demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson im Weißen Haus beschließt Pastor King, einen großen Protestmarsch mit auf die Beine zu stellen. Selma, die Hauptstadt des Bundesstaates Alabama, scheint der passende Ort. Dort schlägt die rassistische weiße Polizei regelmäßig aufbegehrende Schwarze krankenhausreif. Wenn sich die Aufmerksamkeit der Fernsehreporter darauf lenken ließe, könnte sich die Nation empören, kalkuliert Dr. King kühl.

Die Rückblende in die damalige Zeit, so wie die schwarzamerikanische Filmemacherin Ava DuVernay sie in „Selma“ vornimmt, hat etwas Müßiges. Denn die Rassenunterdrückung in dieser Form ist gesellschaftlich längst überholt. Heute ist der erste schwarze US-Präsident im Amt, also ein Schwarzer der mächtigste Mann der Welt. Und die afroamerikanische Talkmasterin Oprah Winfrey, die hier die Rolle einer Aktivistin spielt, gehört dank ihres Fernsehkonzerns zu den Spitzenverdienern der Unterhaltungsbranche in den Vereinigten Staaten. Diesem erstaunlichen Aufstieg der „Neger“ in den vergangenen 50 Jahren fügt „Selma“ nichts Erhellendes hinzu. Der schillernden Persönlichkeit des frommen Bürgerrechtlers King kann der Film schon gar nichts Neues abgewinnen. Sogar die Tatsache, dass King als verheirateter Vater vierer Kinder nebenher Frauengeschichten hatte und dies vom US-Geheimdienst gegen ihn verwendet wurde, um sein Ansehen zu schädigen, ist seit Jahren bekannt.

Der Engländer David Oyelowo spielt den Reverend ohne erwähnenswerte Ausstrahlung als selbstgewissen Mann Gottes, der die Massen mit gefühlsstarken Reden beeindruckt („I have a Dream“). Er predigt Gewaltlosigkeit, verhindert jedoch Blutvergießen nicht, wenn es seinen politischen Zielen dient. Solche Widersprüche weiß die Regisseurin aber ebenso wenig zu nutzen, wie einen anderen reizvollen erzählerischen Ansatz zu finden – siehe Lee Daniels’ Bürgerrechts-Epos „The Butler“. So bleibt „Selma“ eine brav heruntergebetete Faktenfolge. Diesen Film als cineastische Lebensgeschichte von Martin Luther King zu bezeichnen, wäre abwegig. Denn weder die Kindheit und Jugend des Bürgerrechtlers kommen darin vor, noch seine Ermordung 1968 in Memphis, fünf Jahre nach der Erschießung von John F. Kennedy in Dallas. Annehmbar

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