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"Herbe Mischung": Liebevoll gemacht

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Von: Ulrich Feld

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Ein Liebespaar stößt in Tel Aviv auf die eigenwillige Familie des Mannes: Diese Komödie funktioniert einfach prächtig!
Ein Liebespaar stößt in Tel Aviv auf die eigenwillige Familie des Mannes: Diese Komödie funktioniert einfach prächtig! © WDR Presse und Information/Bildk

Das

Das kann ja heiter werden: Der Botaniker Benni (Trystan Pütter) ein Jude, und seine Freundin Zahra (Peri Baumeister) eine Deutsche mit ägyptischem Vater wollen nach Tel Aviv reisen, um Bennis kürzlich gestorbenen Großvater zu beerdigen. Schon am Flughafen in Deutschland gibt das ein Problem: Während Zahra von einem israelischen Sicherheitsbeamten ins Verhör genommen wird, wird versehentlich ihr Koffer umgestoßen und ein "Allah Hu Akbar" ertönt - es ist Zahras Wecker in Moschee-Form, aber die Reaktion ist eine Massenpanik: Alle befürchten eine Bombe!

Der Koffer samt Wecker bleibt darum erst mal in München. In Tel Aviv stoßen Benni und Zahra auf Bennis Eltern, die Zahra bis dahin noch nicht kennengelernt hat. Sie wird wegen ihres Namens zunächst für eine Jüdin gehalten, doch bei der Beerdigung löst sie einen Eklat aus, als sie sich am Grab des Großvaters bekreuzigt: Eine Nichtjüdin kann besonders Bennis Tante Edna (Varda Ben Hur) nur schwer als Freundin ihres Neffen akzeptieren.

Familie mit eigenem Schutzraum

Aber auch Bennies Vater Ephraim Goldfein (Doval’e Glickman) hat so seine Macken: Ein ehemaliger Kriegsheld, ein Militarist und Nationalist reinsten Wassers, der Zarah stolz seinen selbstgebauten Schutzraum vorführt und sie nötigt, eine Gasmaske aufzuprobieren. Als dann Tante Edna auch noch mitbekommt, wie Zarah wirklich heißt, wird es richtig heikel: Sie setzt alles daran, ihren Neffen und Zarah, die "Schickse" auseinander zu bringen.

Zusammenstöße zwischen Kulturen als Komödie - kann so was funktionieren? Wenn man sich die richtigen Vorbilder aussucht, schon: Filmfans dürften sich an "My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf griechisch" erinnert fühlen oder an "Meine Braut, ihr Vater und ich". Einige leichte Anklänge gibt es auch an Louis de Funès' Komödienklassiker "Die Abenteuer des Rabbi Jacob" - dort will sich der als Jude auftretende Fabrikant Buntspecht in einer Synagoge bekreuzigen, wird aber noch rechtzeitig daran gehindert.

Komödie mit viel Sinn für Witz

Die Komödie macht vieles richtig: Treffsicher angelegte und nicht zu stark überzeichnete Charaktere, temperamentvoll gespielte Verwicklungen, ein wenig Klamauk und gut aufgelegte Darsteller sorgen für durchgehend gute Unterhaltung. Dazu kommt die gute Regie: Als etwa Benni und Zahra in ihrem Zimmer Zahras Pass suchen, ist das wunderbar gefilmt und geschnitten - richtig feines Komödienhandwerk also.

Etwas befremdlich mutet allerdings an, dass sich die Trauer um Bennis Großvater doch sehr in Grenzen hält. Auch die seit Jahren schweigende Großmutter wäre in Sachen Glaubwürdigkeit noch verbesserungswürdig gewesen, zumal sie alles um sich herum versteht und sich ansonsten auch völlig normal verhält: Wie ging denn Bennis Großvater mit einer solchen Frau um? Dafür entschädigen aber viele liebevoll ausgedachte Details wie das von Ephraim als reinste Festung angelegte und mit Stacheldraht gesicherte Haus der Goldfeins, wo als Klingelton das hebräische Volkslied "Hava Nagila" ertönt. Oder ein fehlgedeuteter Schwangerschaftstest, den Bennis Mutter im Badezimmer gefunden hat. Gerade solche Einfälle verleihen der Handlung eine hohe Gagdichte. Von dieser Art Komödie dürfte es im Fernsehen ruhig mehr geben - gerne auch als Fortsetzung zu "Herbe Mischung".

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